Michael Roes: Ich weiß nicht mehr die Nacht
Matthes & Seitz verlag, 228 Seiten, 19,80 Euro
In der deutschen Kleinstadt, in der Stefanos aufwächst, glaubt er zu ersticken: Tagsüber treibt er Sport in einer heruntergekommenen Turnhalle, nachts jobbt er in einer Cocktailbar - und ansonsten träumt Stefanos davon auszubrechen aus dem tristen Alltag.
Als seine Stiefmutter, die mit dem Altern nicht klarkommt, Stefanos Avancen macht, nimmt eine Tragödie ihren Anfang. In einer fiebrigen, expressiven Sprache lässt Michael Roes den Ekel und das Verlangen eines Jugendlichen in der Provinz mitempfinden und erzählt eine packende Geschichte, die ab der ersten Seite in ihren Bann zieht. Ein überwältigendes Leseerlebnis.
www.matthes-seitz-berlin.de
Ilkka Remes: Die Geiseln
dtv, 640 Seiten, 14,50 Euro
Am finnischen Unabhängigkeitstag stürmen Bewaffnete den Präsidentenpalast in Helsinki und nehmen die wichtigsten politischen Führer des Landes in ihre Gewalt. Drahtzieher der Aktion ist ein wahnsinniger Rächer, der ganz Finnland ins Chaos stürzen will.
Kommissarin Vahtera mischt sich unter die Geiseln, doch ihre Identität bleibt nicht unentdeckt. Bestseller-Autor Ilkka Remes - der meistgelesene Autor Finnlands - hat einen routinierten, spannenden Politthriller geschrieben, der prächtig unterhält.
www.dtv.de
Knud Hjortø: Staub und Sterne
Lilienfeld Verlag, 240 Seiten, 18,90 Euro
Der junge Student Ivar möchte ein berühmter Schriftsteller werden. Sein erstes Manuskript weckt tatsächlich das Interesse eines bekannten Autors, der ihn in die Literaturszene einführen will. Schnell stellt sich für Ivor die Frage, wie weit er den Weg der Anpassung gehen kann, ohne Verrat an sich selbst zu begehen.
Und auch in der Liebe gerät Ivor in Konflikt mit seinen Idealen. Staub und Sterne, der bereits vor über 100 Jahren geschrieben wurde, erscheint in einer neuen Reihe des Lilienfeld Verlages, die sich vergessenen Perlen der Literaturgeschichte widmet. Diese Neuentdeckung lohnt sich: Ein empfindsamer melancholischer Bericht über einen jungen Menschen, der - wie wir alle - entscheiden muss, wohin er im Leben geht.
www.lilienfeld-verlag.de
Marc Buhl: Drei sieben fünf
Eichborn Verlag, 288 Seiten, 19,95 Euro
Der Antiquitätenhändler Paul Cremer wird mit einer Kugel im Kopf aufgefunden. Doch wie durch ein Wunder überlebt er den Selbstmordversuch. Als Cremer aus dem Koma erwacht, ist er davon überzeugt, 22 Jahre alt zu sein und im Ost-Berlin des Jahres 1989 zu leben. Er erkennt weder seine Ehefrau noch seine Kinder, und nur mit Mühe ist er davon zu überzeugen, dass es den Staat, der ihn willkürlich festgenommen und in ein Stasi-Gefängnis verfrachtet hat, inzwischen nicht mehr gibt.
In einem schmerzhaften Erinnerungsprozess nähert sich Cremer seiner verloren gegangenen Lebensgeschichte.
www.eichborn-verlag.de
Ildefonso Falcones: Die Kathedrale des Meeres
Scherz Verlag, 656 Seiten, 19,90 Euro
Mittelalter: Der kleine Arnau flieht mit seinem Vater Bernat vor einem brutalen Lehnsherren nach Barcelona, das in höchster Blüte steht. Wärend Bernat in einer Töpferei arbeitet, zieht Arnau durch die Straßen und Gassen der Stadt. Dort erlebt der junge Arnau den Bau von Santa María del Mar mit, einer riesigen Kirche, die vom Volk für das Volk gebaut wird.
Doch während sich die Kathedrale des Meeres in den Himmel reckt, wirft sie auch dunkle Schatten auf das Leben der Menschen: Das Volk leidet unter der Willkür des Adels, die Pest lauert vor den Toren. Ein spannender Schmöker, der die Atmosphäre des mittelalterlichen Barcelona unterhaltsam heraufbeschwört.
www.fischerverlage.de