29. April 2008 Ein Urteil des Anwaltsgerichtshofs Nordrhein-Westfalen sorgte jüngst in der Anwaltschaft für Aufsehen: Ein Einstiegsgehalt von monatlich 1000 Euro brutto für junge Rechtsanwälte sei sittenwidrig, betonten die Richter und warfen damit ein Schlaglicht auf einen verbreiteten, aber meist kaschierten Missstand in der Branche (Az.: 2 ZU 7/07). Die Richter gaben dabei der Rechtsanwaltskammer Hamm recht, die wegen einer entsprechenden Stellenanzeige ein Aufsichtsverfahren gegen den dafür zuständigen Anwalt einer mittelständischen Kanzlei geführt hatte (1000 Euro Einstiegsgehalt sind zu wenig).
Der harte Wettbewerb führe dazu, dass der Kampf auch über die Bezahlung geführt werde, sagt Axel Filges, Präsident der Bundesrechtsanwaltskammer. Das sei zwar kein Massenproblem, aber es betreffe viele Absolventen mit weniger guten Noten. Im Jahr 2006 erreichten nach Angaben des Bundesjustizministeriums nur 15 Prozent ein Prädikatsexamen, das den Weg sowohl in die internationalen Wirtschaftskanzleien als auch in den Staatsdienst ermöglicht. Dagegen erzielten 30 Prozent der Jura-Absolventen gerade einmal die Note ausreichend und haben damit nur knapp bestanden.
Je nach Abschlussnote in den beiden Examen gehen die Verdienstmöglichkeiten der Anwälte weit auseinander. Während in den internationalen Großkanzleien in Ausnahmefällen Einstiegsgehälter von bis zu 140.000 Euro für den juristischen Nachwuchs gezahlt werden, sieht die Situation außerhalb dieser Anwaltsfabriken anders aus. In der klassischen Einzelkanzlei ist inzwischen kaum mehr viel Geld zu verdienen, besonders die ersten Jahre beschreiben viele frisch zugelassenen Advokaten als hart.
Etwas besser geht es den angestellten Anwälten in kleineren Sozietäten. Deshalb drängen auch immer mehr Anwälte in Kanzleien, anstatt es wie früher auf eigene Faust zu versuchen. Schlossen sich im Jahr 1967 nur rund ein Viertel der Advokaten einer Sozietät an, war es 2005 schon jeder zweite. Auch die Spezialisierung auf ein bestimmtes Rechtsgebiet mit dem Titel des Fachanwalts kann sich positiv auf die Einnahmen auswirken, betont die Bundesrechtsanwaltskammer. Spezialisten sind eben immer gefragt.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.