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Karrieresprung

Assessment Center und wie man sich darauf vorbereiten kann

Von Christian Bondorf



Karrieresprung - wöchentlich bei FAZ.NET
06. Juni 2003 
Der Begriff Assessment Center (AC) kommt aus dem Amerikanischen und bedeutet so viel wie „Beurteilungs-Raum“. Vorläufer des AC stammten ursprünglich aus Deutschland: Sie wurden bereits in den 20er Jahren von der deutschen Wehrmacht für die Rekrutierung von Offizieren verwendet. Später wurde dieses Verfahren von Wirtschaftsunternehmen in den Vereinigten Staaten für die Personalrekrutierung und -auswahl weiterentwickelt.

Seit den 70er Jahren hat das AC zu diesem Zweck auch in Deutschland Fuß gefaßt und gehört heute zu den häufigsten Methoden der Bewerberauswahl, weil es nachweislich anderen Verfahren überlegen ist. Mehr als die Hälfte aller großen deutschen Firmen bedienen sich des Assessment Centers auch zur internen Personalentwicklung, wenn es zum Beispiel darum geht, eine Führungsposition zu besetzen, für die mehrere geeignete Mitarbeiter in Frage kommen.

Elemente des AC

Ein Assessment Center ist in der Regel ein ein- bis dreitägiges Seminar mit ein bis zwölf Teilnehmern, die von Führungskräften und Personalfachleuten beobachtet und beurteilt werden. ACs bestehen meistens aus verhaltensnahen, mündlichen Übungselementen wie Gruppendiskussionen, Rollenspielen, Präsentationen und Interviews sowie aus schriftlichen Aufgaben wie Fallstudien, Postkorbübungen, Persönlichkeits-, Leistungs- und Intelligenztests.

Die dabei eingesetzten Übungen sollen charakteristisch für bestehende und/oder zukünftige Arbeitssituationen und Aufgabenfelder sein. Klar, daß dabei die spezifische Unternehmenssituation, Branche, und die Position zu unterschiedlichen Assessment-Verfahren führen: Der Event-Leiter eines Werbeagentur-Start-ups muß andere Stärken mitbringen beziehungsweise entwickeln als der Abteilungsleiter Controlling oder Teamleiter Personal eines internationalen Automobilzulieferers.

Assessment Center tragen diesen Unterschieden Rechnung und so können die eingesetzten Elemente von Fall zu Fall sehr unterschiedlich gestaltet sein. Daher kann man sich auf ein AC nur bedingt vorbereiten. Beispielsweise eine Gruppendiskussion kann nach kooperativen Teams oder nach der Methode „Jeder gegen Jeden“ aufgebaut sein. Bei manchen ACs werden den Teilnehmern Vorgaben bezüglich der zu vertretenden Positionen gemacht, bei anderen ist es den Teilnehmern offen gelassen, wie sie argumentieren. Alle Gruppendiskussionen haben dabei aber das gleiche Ziel: Sie ermöglichen den Beobachtern, Schlüsse zu ziehen in Bezug auf Überzeugungskraft, Durchsetzungsfähigkeit, Rhetorik, Argumentationslogik und Integrations- beziehungsweise Kooperationsfähigkeit der Teilnehmer.

Tips

So verschieden die einzelnen Elemente aber auch gestaltet sein mögen, gibt es doch einige generelle Verhaltensempfehlungen, welche - neben aller Unternehmens- beziehungsweise Positionsspezifika - im Businessalltag schlichtweg erwartet werden und die jeder Teilnehmer eines ACs beachten sollte und auf die er sich speziell vorbereiten kann:

Gruppendiskussionen: Aktiv zuhören und mitreden, Notizen machen, Gesprächspartner gezielt ansprechen, Gesagtes aufgreifen und weiterführen, zeitliche Vorgaben einhalten; immer beachten, daß der Weg zum Ergebnis meist entscheidender ist als das Ergebnis selbst!

Rollenspiele (zum Beispiel das Verkaufsgespräch): zielorientiert vorgehen, mit offenen Fragen arbeiten, den eigenen Standpunkt konsequent vertreten, die Meinung/Ideen des Anderen aufgreifen, nicht provozieren lassen, sachlich bleiben, keine Machtmittel einsetzen oder androhen, Allianzen mit anderen Diskussionsteilnehmern schließen!

Präsentationen: Zuhörer begrüßen, Thema vorstellen, nach einer klaren Gliederung vorgehen, vorhandene Hilfsmittel (Beamer, Overhead, Flipchart etc.) auch wirklich einsetzen, nicht alles ablesen, Zuhörer immer wieder ansehen, zeitliches Limit nicht überschreiten, mit einem guten Schlußsatz enden!

Postkorbübungen/Fallstudien: Probleme nach Wichtigkeit/Dringlichkeit einstufen, strukturiert und organisiert herangehen, delegierbare Aufgaben auch wirklich delegieren, auf Querverbindung/Vernetzungen und Terminüberschneidungen achten, Geschäftszahlen und sonstige Angaben genau ansehen, Maßnahmen vorschlagen, und es nicht bei einer Analyse belassen!

Tests: Mit Testsituation vertraut machen; üben, unter engem Zeitdruck eine Aufgabe zu lösen, alles „Stück für Stück“ angehen, aktive Anspannung und Gelassenheit verbinden, „programmieren“ Sie sich, die Anforderungen sehr gut bewältigen zu können.

Wer diese Punkte beachtet, wird gute Chancen haben, in einem AC zu bestehen. Natürlich kommt es bei einem AC immer auf die jeweilige Tagesform an - und die variiert bei jedem. Zudem ist der Stressfaktor sehr hoch, weil man weiß, daß man unter Dauerbeobachtung steht, was im täglichen Berufsleben selten der Fall ist.

Umgang mit negativen Ergebnissen

Ganz wichtig ist, daß man sich von negativen Punkten in einer Beurteilung („Ergebnis-Matrix“) nicht aus der Bahn werfen läßt. Jeder Mensch hat Schwächen - und wenn solche in einem AC aufgedeckt werden, ist dies keine Schande, sondern eine Chance, diese zu überwinden. Gute Assessment Center zeichnen sich gerade dadurch aus, daß am Ende intensives Feedback (positives wie negatives) zur Person in den Fokus rückt; Bewerber können die intensive Methode dazu nutzen, negative Ergebnisfacetten positiv und konstruktiv als Entwicklungsfelder zu betrachten, an denen sie arbeiten können. Nicht zu vergessen ist auch, daß so mancher Bewerber durch negative Beurteilungen aus einem AC vor einem Schritt in den falschen Job bewahrt wurde. Denn nicht nur für die Unternehmen lautet das wichtigste Ziel eines ACs: Bewerber und Position müssen möglichst optimal zueinander passen!

Christian Bondorf ist Berater im Bereich Human Resource Management bei der Kienbaum Management Consultants GmbH, einem der größten Anbieter von Assessment Centern in Deutschland.
www.kienbaum.de



Text: @wiz
 
 
   
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