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Karrieresprung

Arbeitszeit und Gehalt flexibel ansparen

Von Michael Bursee



Karrieresprung - wöchentlich bei FAZ.NET
07. November 2003 
Die Diskussionen um die Erhöhung des Rentenalters wirft bei vielen die Frage auf, wie man das eigene Erwerbsleben optimal gestalten kann. Insbesondere jüngere, qualifizierte und vor allem auch weibliche Fachkräfte finden das Angebot hoch attraktiv, die eigene Lebensarbeitszeit individuell gestalten zu können.

Sogenannte Zeitwertmodelle sind eine besonders flexible und innovative Weiterentwicklung des klassischen Lebensarbeitszeitkontos. Darauf lassen sich nicht nur Arbeitszeiten, sondern auch monetäre Vergütungsbestandteile ansparen. Der Geldwert dieser verzinslichen Einzahlungen wird auf einem individuellen Wertkonto des Arbeitnehmers gutgeschrieben.

Der Vorteil liegt auf der Hand: Mitarbeiter gewinnen Flexibilität. Sie entscheiden beim Zeitwertmodell weitgehend selbständig über Höhe, Anlage und Verwendung der eingebrachten Mittel.

Wertkonto für Zeit und Geld

Für jeden Mitarbeiter, der sich daran beteiligen möchte, wird ein Wertkonto angelegt. Darauf kann er sowohl Zeit (Mehrarbeitsstunden, Urlaubstage) als auch Vergütungen (zum Beispiel Festgehalt, Boni, Prämien) einstellen. Das Wertkonto verbucht alle Beträge als Bruttowerte, die erst in der Auszahlphase versteuert und „verbeitragt“ werden müssen. Ein weiterer Gewinn für den Arbeitnehmer: Das angesparte Kapital wird auch brutto verzinst.

Das Geld, das die Mitarbeiter auf ihrem Zeitwertkonto ansparen, legen die Arbeitgeber zumeist in einem oder in mehreren Investmentfonds an. Hierbei handelt es sich fast immer um Anlagealternativen mit moderater Risikostruktur, gegebenenfalls sogar mit Garantieverzinsung.

Aus unterschiedlichen Gründen können Mitarbeiter von den Einzahlungen freigestellt werden beziehungsweise das Wertguthaben verwenden. Anlässe können sein:

- ein Sabbatical, also die Auszeit von der Arbeit für einen längeren Zeitraum, beispielsweise für eine Weiterbildung;

- die Reduzierung der jährlichen Arbeitszeit bei vollem Gehalt, zum Beispiel in der intensivsten Zeit der Familienphase;

- die Altersteilzeit bei vollen Bezügen oder

- ein vorgezogener Ruhestand.

„Bruttospareffekte“ und Altersversorgung

Der zentrale Vorteil von Zeitwertmodellen ergibt sich aus der nachgelagerten Versteuerung des Wertguthabens in der Nutzungsphase. Dadurch kann eine steuerfreie Kapitalakkumulation realisiert werden ("Bruttospareffekte"). Für den Fall der Insolvenz des Arbeitgebers schützen entsprechende Sicherungsmodelle vor dem Kapitalverlust. Hierzu zählen die vom Gesetzgeber vorgeschriebene Verpfändung oder Treuhandschaft. Spezielle Regelungen greifen bei sogenannten Störfällen wie Invalidität, Arbeitgeberwechsel oder Tod.

Angesichts der schwierigen Lage der gesetzlichen Rentenversicherungen und der möglichen Erhöhung des Rentenalters sollte bei der Konzeption des Modells auch das Überführen des Guthabens in eine betriebliche Altersversorgung möglich sein. Auch dies ist so durchführbar, daß zum Zeitpunkt der Umwandlung keine Steuer- und Beitragspflicht eintreten würde.

Vorteile für Unternehmen und Mitarbeiter

Die Implementierung von Zeitwertmodellen stellt hohe Anforderungen an das Projektmanagement. Dies liegt zum einen daran, daß diese Modelle in der Unternehmenspraxis sehr neu sind und zum anderen an deren komplexer Gestaltung. Die Komplexität resultiert aus dem differenzierten Zusammenspiel rechtlicher, steuerlicher, betriebs- und personalwirtschaftlicher Gestaltungselemente.

Jedoch eröffnen Zeitwertmodelle sowohl für Arbeitgeber als auch für Arbeitnehmer eine Fülle personalpolitischer Optionen. So stellt das Zeitwertmodell für Arbeitnehmer den derzeit einzigen Weg dar, um die individuelle Lebensarbeitszeit flexibel gestalten zu können. Darüber hinaus ergibt sich ein besonderes Anreizpotential, da der kapitalmarktbasierte Vermögensaufbau mit einer Lebensarbeitszeitflexibilisierung und Altersversorgung kombiniert ist. Diese enge Verzahnung wird der Planung persönlicher Lebensentwürfe gerecht.

Zeitwertmodelle bieten ein enormes Flexibilisierungs- und Individualisierungspotential und sind daher ein idealer Baustein im Rahmen moderner Cafeteria- und Total Compensation-Konzepte. Bei Cafeteria-Systemen können Arbeitnehmer aus einer Palette von Sozialleistungen innerhalb eines individuellen Budgets die Entgeltbestandteile selbst zusammenstellen. Insgesamt ist zu erwarten, daß sich die Lebensarbeitszeit- beziehungsweise Zeitwertmodelle zukünftig deutlich verbreiten werden.

Dr. Michael Bursee arbeitet als Vergütungsexperte bei PricewaterhouseCoopers in Hamburg. Er berät Unternehmen aller Größenordnungen bei der Entwicklung und Implementierung von mehrperiodischen Vergütungssystemen, Long Term Incentive Plänen und Mitarbeiterbeteiligungsmodellen

E-mail: michael.bursee@de.pwc.com

www.pwc.com/de



Text: @wiz
 
 
   
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