Karrieresprung

Strateginnen gesucht

Von Birgit Obermeier

Karrieresprung - bei FAZ.NET

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28. November 2003 Lange Arbeitszeiten und wechselnde Einsatzorte hin oder her: Unternehmensberater scheint nach wie vor ein Traumberuf. Bei einer repräsentativen Umfrage des Recruiting-Dienstleisters access unter 3.000 Akademikern mit erster Berufserfahrung, rangierten sechs Beratungsgesellschaften unter den Top Ten-Unternehmen mit den vermeintlich attraktivsten Jobs. Allein bei der Boston Consulting Group (BCG) trudeln jährlich rund 10.000 Bewerbungen ein - für rund 100 offene Stellen in Deutschland.

Dennoch sind die großen Beratungen stets auf der Suche: Nach den Besten eines Jahrgangs, die ein überdurchschnittliches Maß an analytischem Denkvermögen, Kreativität, Kommunikationsstärke und Leistungswillen mitbringen. „Nach der eierlegenden Wollmilchsau eben“, meint BCG-Rekrutierungschef Just Schürmann. Weil diese Überwesen zunächst einmal geschlechtslos, vier von fünf Einsteigern jedoch männlich sind, veranstaltet BCG im Januar einen Rekrutierungs-Workshop speziell für Frauen. Erfahrene Beraterinnen sollen ihnen den Beruf schmackhaft machen und das vorherrschende Bild der ellbogenfixierten Halbgötter in Grau entkräften. Im Sinne der Aufklärung lädt dieser Tage auch Roland Berger zu einem Workshop für Absolventinnen. Gerade mal zwölf Prozent beträgt der Frauenanteil in der Münchner Beratung.

Branche mit Symbolfunktion

Für die gesamte Branche schätzt ihn der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) im Durchschnitt auf höchstens 15 Prozent. Das Geschlechterverhältnis mag in anderen klassischen Männerdomänen ähnlich unausgewogen sein: Angesichts des Einflusses, den die Berater-Zunft auf das Wirtschaftsgeschehen und deren Akteure ausübt, kommt ihr in Sachen Gleichstellungspolitik allerdings eine Art Symbolfunktion zu. „Es gibt durchaus Kunden, die ausdrücklich auch Frauen in einem Projektteam wünschen“, sagt Katja Monschau, Personalreferentin bei Roland Berger. Ganz abgesehen von jeglicher politischen Korrektheit: Frauen stellen mittlerweile knapp die Hälfe aller Hochschulabsolventen - dem Teich, aus dem die Beratungen fischen. Und: Verfügen sie, wie ihnen häufig nachgesagt, tatsächlich über mehr „weiche“ Kompetenzen als Männer, kann ein Dienstleistungsunternehmen nicht auf sie verzichten.

Gezielte Rekrutierungsoffensiven sind ein Schritt in die richtige Richtung. Um Frauen eine dauerhafte Perspektive in der Beratung zu bieten, braucht es freilich mehr. Die Organisationsstruktur von Unternehmensberatungen beinhaltet einen gewissen Zwang zur Karriere. Wer die nächste Hierarchiestufe nicht fristgerecht nimmt, wird höflich hinaus komplimentiert. Dies mutet für Frauen mit Familienplänen ebenso als Killer-Kriterium an wie die wochenlange Projektarbeit beim Kunden vor Ort. Die Folge: Nach ein paar engagierten Jahren verabschieden sich hochqualifizierte Beraterinnen in Richtung eines Wirtschaftsunternehmens, das in Sachen Familienfreundlichkeit schon einen Schritt weiter ist.

Projektleitung auf Teilzeitbasis

Einige Beratungen haben dies erkannt. Roland Berger bietet im Rahmen einer 2002 gestarteten Frauen-Initiative Teilzeitmodelle für junge Eltern an. So strukturiert wie in anderen Branchen lassen sich diese freilich nicht gestalten. „Halbtags“ arbeiten meint für die Senior-Projektleiterin Alessandra Cama: Bis zu vier (lange) Beratertage pro Woche, wenn es das Projekt erfordert, dann auch wieder einen ganzen Monat gar nicht. „Dieses Modell verlangt schon eine gewisse Flexibilität“, sagt die junge Mutter. Ihre Teamkollegen kommen damit klar, die Kunden wissen nicht immer, daß die Projektleiterin nur Teilzeit arbeitet. „Für Klienten bin ich ohnehin fast immer erreichbar“, sagt Cama. Das sei der Preis, den sie auch gern bezahle.

Das amerikanische Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen Deloitte & Touche hat eine familienfreundlichere Personalpolitik in Form einer internationalen Zielvorgabe festgeschrieben. Neben der Möglichkeit, Teilzeit zu arbeiten, erhalten junge Eltern über einen externen Partner auch Unterstützung bei der Suche nach einer öffentlichen oder privaten Kinderbetreuung. „Demographiebedingt wird das Angebot an qualifizierten Mitarbeitern in Zukunft deutlich sinken. Auf einen höheren Anteil gerade qualifizierter Frauen wird daher langfristig kein Unternehmen verzichten können“, sagt Marion Farnschläder, Partner bei Deloitte & Touche. Selbst bei McKinsey, wo das Thema Frauen bislang kein explizites war, gibt ihre Absenz in höheren Hierarchie-Ebenen neuerdings zu denken. An einem Konzept zur Verweiblichung der „Meckie-Kultur“ wird derzeit gearbeitet.

Text: @ober

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