Schließen    Drucken
FAZjob.NET >Beruf und Chance >Arbeitsrecht >

Im Gespräch: Rechtsanwalt Rembert Brieske

„Viele fürchten, dass man sie über den Tisch zieht“



Rembert Brieske
01. April 2008 
Noch ist die Mediation für Anwälte ein kleines Einsatzgebiet, sagt Rembert Brieske. Aber man könne damit gutes Geld verdienen. Nur die Vorbehalte der Mandanten seien noch groß.

Herr Brieske, die Berufsbezeichnung des Mediators ist nicht geschützt. Außer Rechtsanwälten kann sich jeder unabhängig von der Vorbildung so nennen. Woran erkennt man seriöse Mediatoren?

Das ist nicht einfach. Es gibt gute Ausbildungsprogramme, etwa von der Bundesarbeitsgemeinschaft für Familien-Mediation. Letztendlich sagt es allerdings nichts über die Qualitäten des Mediators aus, wenn er eine solche Ausbildung absolviert hat. Man kennt das von Studienabschlüssen: Die Leute machen die tollsten Examina, können es aber hinterher nicht in die Praxis umsetzen. Man sollte sich umhören, was der Mediator bereits geleistet hat, und sich genau über die Schwerpunkte seiner Arbeit informieren. Es gibt einige Mediatoren, die sich inzwischen einen sehr guten Ruf erarbeitet haben.

Was muss ein Mediator denn können?

Er oder sie muss in der Lage sein, sehr genau zuzuhören und gegebenenfalls Blockaden zwischen den Parteien zu brechen. In bestimmten Situationen sollte der Mediator auch eine gewisse Autorität, einen Ruf genießen. Manchmal ist es anders nicht möglich, die Parteien an einen Tisch zu bekommen.

Ist es egal, welchen fachlichen Hintergrund der Mediator hat, oder sind Rechtsanwälte besonders geeignet?

Ich kenne Psychologen, die als Mediatoren arbeiten, die hervorragend darin sind, Gespräche zu führen, auf Menschen einzugehen und kritische Situationen zwischen den Parteien zu meistern. Das muss man als Anwalt neidlos anerkennen und sich bemühen, sich selbst diese Techniken anzueignen. Wenn es allerdings darum geht, die Ergebnisse der Mediation in einen Vertrag zu gießen, muss man wissen, wo bestimmte rechtliche Grenzen sind.

Zum Beispiel?

Das fängt schon dann an, wenn in einem arbeitsrechtlichen Konflikt bestimmte Fristen eingehalten werden müssen. Bei Grundstücken geht es um bestimmte Formerfordernisse. Auch die Rückabwicklung von Geschäften kann sehr kompliziert werden, nicht zu sprechen von den vielfältigen rechtlichen Aspekten, wenn sich eine Gesellschaft auflöst. Als Rechtsanwalt hat man über den rechtlichen Rahmen einen besseren Überblick. Man sollte ihn auch haben, schließlich bewegt man sich hier, wenn man einen Fehler macht, nahe am Rande einer Haftung.

Ist das Haftungsrisiko für Anwälte in Mediationen größer? Schließlich haben sie FRAGE: keinen Widerpart, sondern müssen immer gleichzeitig für beide Parteien denken und verhandeln.

Nein, das glaube ich nicht. Ein guter Mediator erkennt rechtliche Schwierigkeiten. Genau das muss ein Rechtsanwalt auch können.

Wie kommt es dann, dass so wenige Rechtsanwälte als Mediatoren arbeiten? Von den etwa 66 000 Mitgliedern des Deutschen Anwaltvereins sind nur knapp 560 in der Arbeitsgemeinschaft Mediation organisiert.

Das liegt wohl eher daran, dass in der Anwaltschaft immer noch zu wenig bekannt ist, was Mediation überhaupt ist. Zudem heißt es ja immer wieder, in der Mediation würde man kein Geld verdienen. Auch das stimmt so nicht. Die möglichen Gebührensätze für außergerichtliche Beratung sind so hoch, dass man im gerichtlichen Verfahren lange arbeiten muss, um dasselbe zu verdienen. Unabhängig davon ist es ein sehr gutes Gefühl, vergleichsweise schnell eine dauerhafte Lösung für einen Konflikt gefunden zu haben, für den sonst ein für alle Seiten belastendes Gerichtsverfahren angestanden hätte.

Durch das neue Rechtsdienstleistungsgesetz können vom 1. Juli an auch andere Berufsgruppen Rechtsrat erteilen. Die Rechtsanwälte werden sich auf mehr Konkurrenz einstellen müssen. Erwarten Sie, dass sich in Zukunft mehr Anwälte zum Mediator ausbilden lassen, um Mandanten an sich zu binden?

Dass durch die Öffnung der Rechtsberatung für andere Berufsgruppen die Konkurrenz tatsächlich zunimmt, wage ich zu bezweifeln. Zudem werden Mediationsangebote bislang noch wenig wahrgenommen. Der Markt ist sehr klein. Es bestehen auf Seiten der Klienten immer noch Vorbehalte. Viele befürchten, im Mediationsverfahren über den Tisch gezogen zu werden. Da ist noch viel Überzeugungsarbeit nötig.

Wenn der Markt so klein ist, sollte man sich vielleicht doch vorerst lieber nicht in diese Richtung entwickeln, oder?

Im Augenblick werden, überspitzt formuliert, mehr Mediatoren ausgebildet, als es Fälle gibt. Allerdings helfen die Kenntnisse, die in den Schulungen vermittelt werden, auch in ihrem sonstigen Anwaltsleben. Man lernt, besser zuzuhören und die Menschen dazu zu befähigen, ihre Probleme auch mal selbst in die Hand zu nehmen und zu lösen.

Das Gespräch führte Henning Zander



Text: F.A.Z., 29.03.2008, Nr. 74 / Seite C2
Bildmaterial: DAV
 
 
Zum Thema
Handschlag statt Urteil
 
© F.A.Z. Electronic Media GmbH 2001 - 2008
Dies ist ein Ausdruck aus berufundchance.fazjob.net