Karrieresprung

Bereit für den Absprung

Karrieresprung - Serie bei FAZ.NET

Karrieresprung - Serie bei FAZ.NET

23. Januar 2004 Von Zufriedenheit keine Spur: Knapp jeder fünfte Arbeitnehmer in Deutschland gibt zu, keine emotionale Bindung an seinen Job zu haben. Weitere 70 Prozent fühlen sich nur mäßig involviert. Das ermittelte eine repräsentative Umfrage des Gallup-Instituts im vergangenen Sommer. Von den emotional entfremdeten Mitarbeitern planten knapp 60 Prozent, binnen Jahresfrist den Job zu wechseln. Diesen Wunsch dürfte in den meisten Fällen der schlechte Arbeitsmarkt vereitelt haben.

Zieht die Konjunktur erst wieder an, sei mit einem großen Stühlerücken zu rechnen, glaubt auch Michaela Parizek, Leiterin Beratungsqualität bei der Karriere- und Outplacement-Beratung Lee Hecht Harrison in München. Im Gespräch mit faz.net erläutert sie Strategien für den Jobwechsel.

Gilt nach dem Zwang zu bleiben schon bald: Hauptsache wechseln?

Bevor jemand anfängt, sich nach einer neuen Stelle umzusehen, sollte er auf jeden Fall Zwischenbilanz ziehen. Und sich fragen: Wo stehe ich jetzt? Habe ich erreicht, was ich vor fünf Jahren wollte? Wo sehe ich mich in fünf Jahren? Kann mir diese Perspektive mein derzeitiger Arbeitgeber bieten? Aber auch: Wo sind meine Stärken? Wie hat sich mein Berufsbild verändert? Welche Alternativen gibt es? Der nächste Schritt ist dann, den Arbeitsmarkt zu scannen oder sich über interne Karrierewege zu informieren.

Ist den Unternehmen bewußt, daß viele Mitarbeiter auf dem Absprung sind?

Viele Personaler sehen, daß die kommende Herausforderung lautet: Wie halte ich die Talente, die vor einigen Jahren als High Potentials rekrutiert und seither aufgebaut wurden? Wer sich mit dem Gedanken der Veränderung trägt, sollte also Signale senden.

In welcher Form?

Regelmäßige Mitarbeitergespräche bieten eine gute Gelegenheit anzudeuten, daß man sich weiterentwickeln möchte. Und gewisse Perspektiven auch fordert. In den vergangenen beiden Jahren hieß die Antwort häufig: Markt- und Unternehmenszahlen lassen keine Entwicklungsprognosen zu. Wenn erst die Zahlen wieder stimmen, können wir über Perspektiven reden. Viele Karrieren waren einfach on hold. Die Mitarbeiter haben das in Kauf genommen und Loyalität bewiesen. Ich denke aber, daß in Zeiten des Konjunkturaufschwungs die Vertröstungen bald vorbei sein sollten.

Und wenn der Chef nicht auf Signale reagiert?

Dann kann der Mitarbeiter ein vertrauliches Gespräch mit der Personalabteilung suchen. Ich würde es aber bei sanften Signalen belassen. Zu sagen: Wenn ihr mir nichts bieten könnt, dann geh ich, halte ich für eine gefährliche Drohung.

Wenn der Sinn nach einem neuen Arbeitgeber steht: Welche Strategie führt zu einem neuen Job?

Stellenanzeigen, Internet und Initiativbewerbungen sind das eine. Dann gibt es natürlich noch die Personalberatungen. Die großen, international ausgerichteten eignen sich unserer Erfahrung nach nur für Top-Manager. Auf kleinere Beratungen stößt man am besten über Stellenanzeigen. Oder indem man bei interessanten Arbeitgebern nachfragt, mit wem sie zusammenarbeiten. Kleinere Personalberatungen nehmen sich häufig mehr Zeit und sind teilweise auf bestimmte Branchen spezialisiert.

Wie spricht man einen passenden Personalberater an?

Nicht per Telefon oder Initiativbewerbung, das bringt nicht viel. Besser, man bemüht sich um einen kurzen persönlichen Termin. Dabei merkt man schon, ob man interessant ist oder nicht. Wer einmal im Pool registriert ist, sollte am Ball bleiben und regelmäßig nachhaken. Am erfolgversprechendsten für die Jobsuche erweist sich aber immer noch das eigene Netzwerk.

Worauf gilt es beim Bewerbungsgespräch achten?

Grundsätzlich gilt: Keinesfalls schlecht über den derzeitigen Arbeitgeber reden. Aussagen wie „Ich fürchte, daß ich entlassen werde“ sind ebenso zu vermeiden wie Entschuldigungen für den angestrebten Wechsel. Der Jobsuchende sollte vorab ein Statement erarbeiten, das in zwei bis drei Sätzen seine Motivation ausdrückt. Etwa: Mein Arbeitgeber kann mir keine persönliche Herausforderung mehr bieten. Wobei darauf zu achten ist, daß die anvisierte Position tatsächlich eine Entwicklung darstellt. Oder aber man sagt: Ich möchte den gleichen Job in einer anderen Branche machen. Hauptsache, man ist glaubwürdig.

Muß der Jobwechsel mit einem Gehaltssprung einhergehen um glaubwürdig zu wirken?

Die Gehälter der vergangenen Jahren werden gegenwärtig meist nicht mehr gezahlt. Liegt die Vergütung der anvisierten Stelle unter der bisherigen, ist es wichtig, die Kompromißbereitschaft mit der persönlichen Zufriedenheit oder besseren Aufstiegsmöglichkeiten zu begründen.

Worauf gilt es bei der Kündigung zu achten?

Die Kündigung selbst wird schriftlich eingereicht. Anschließend kann man über eine Freistellung oder einen Aufhebungsvertrag verhandeln und klären, was das Unternehmen noch erwartet. Unmittelbar nach der Kündigung empfiehlt sich in jedem Fall ein persönliches Gespräch mit dem Vorgesetzten, in dem man seine Entscheidung begründet. Man sieht sich im Leben ja meist mehr als zweimal.

Das Gespräch führte Birgit Obermeier



Text: @wiz

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche