Karrieresprung

Ein Coach für alle Fälle

Karrieresprung - bei FAZ.NET

Karrieresprung - bei FAZ.NET

17. Mai 2002 Er hat jede Menge Ahnung vom Spiel, beobachtet es aber nur von außen - dafür sehr aufmerksam. Dabei sieht er mehr als der Spieler selbst und kann ihm wertvolle Rückmeldungen geben - hinsichtlich Technik, aber auch bei mentalen Blockaden. Was ein guter Coach im Sport vermag, kann auch im Job hilfreich sein. Kein Wunder, dass sich Coaching in den vergangenen Jahren auch in der Personalentwicklung durchgesetzt hat.

Insbesondere Führungskräfte lassen sich von einem externen Berater coachen. Denn: Von wem im Unternehmen sollten sie ein ungeschöntes oder gar kritisches Feedback erhalten, an wen sich mit Fragen und Problemen wenden? Ganz oben ist man häufig einsam. Einige Unternehmen stellen aber auch Mitarbeitern der mittleren Etagen einen Coach zur Verfügung - etwa wenn sie einen neuen Verantwortungsbereich übernehmen.

Im Gespräch mit FAZ.NET erläutert Paul Maisberger das Prinzip des Coaching. Der Geschäftsführer der Münchner Unternehmensberatung Maisberger & Partner coacht seit Jahren Führungskräfte.

Herr Maisberger, was ist die Aufgabe eines Coaches?

Zunächst: Er ist nicht dazu da, Leute zu motivieren. Wer nicht von sich heraus, also intrinsisch motiviert ist, dem nutzt auch kein Coaching. Ein Coach begleitet seinen Schützling („Coachee“) und hilft ihm, Lösungen für dessen Probleme zu entwickeln.

Wie macht er das?

Keinesfalls gibt er Anweisungen à la: Verhalten Sie sich so oder anders. Ein guter Coach weitet den Blick und nimmt Scheuklappen weg - indem er den Coachee dazu bringt, Situationen zu reflektieren und aus anderen Perspektiven zu betrachten. Jeder Mensch sieht die Welt mit eigenen Filtern. Ein wichtiges Ziel ist es, dem Coachee diese Filter bewusst zu machen.

Welche Methoden setzt ein Coach dazu ein?

Das Wichtigste ist: Gut zuhören. Nur so kann er die Situation des Coachees erfassen - und vor allem auch dessen mentale Modelle. Etwa: Was versteht er unter Konfliktbewältigung? Welches Konzept von Führung hat er? Agiert er dementsprechend eher autoritär oder lässt er Eigenverantwortlichkeit zu? Diese Modelle zeigt der Coach auf - nicht durch belehrende Worte. Er stellt Fragen stellt und hält dem Coachee damit gewissermaßen einen Spiegel vor. Im Gespräch versucht er dann, dessen Bereitschaft zu fördern, diese Modelle zu verändern.

Wie verläuft ein Coaching?

Zunächst legt man gemeinsam die Spielregeln fest: Welche Themen werden besprochen? Wie lange soll der Coaching-Prozess dauern? Wie oft und auf welchem Weg kommuniziert man miteinander - persönlich, telefonisch, per Mail? Zu festgelegten Zeiten oder ist der Coach rund um die Uhr ansprechbar? Bei persönlichen Treffen ist es hilfreich, die besprochenen Sachverhalte aufzuzeichnen, etwa in Form von Soziogrammen, Mind Maps oder ähnlichen Methoden. Allein durch die Visualisierung wird vieles klarer.

In welchen Situationen empfiehlt sich Coaching?

Insbesondere dann, wenn eine große berufliche Veränderung oder Herausforderung ansteht. Meiner Meinung nach muss der Anlass aber nicht zwingend ein beruflicher sein. Beispiel: Die Ehe eines Mitarbeiters zerbricht, Frau und Kinder verlassen ihn. Wenn ich als Unternehmer merke, dass er und seine Arbeit stark unter dieser Situation leiden - was liegt näher, als ihm ein Coaching anzubieten?

Dazu braucht es eine Menge Vertrauen.

Ja, das ist die grundlegende Voraussetzung. In den Gesprächen darf natürlich kein Aushorchen stattfinden. Und: Coaching kann nur auf freiwilliger Basis erfolgen.

Wie kann ein Coach dieses Vertrauen gewinnen?

Indem er sich nicht über den Coachee stellt - auch wenn er erfahrener ist als dieser. Die Gespräche sollten in gleicher Augenhöhe geführt werden. Vertrauen schafft der Coach, indem er sich selbst ein Stück weit outet und auch von eigenen Niederlagen erzählt. In der Regel fassen die Mitarbeiter zu einem externen Coach schneller Vertrauen, da er keine Vergangenheit im Unternehmen hat.

Was macht Ihrer Meinung nach einen guten Coach aus?

Er verfügt über eine gewisse Lebenserfahrung, hat in verschiedenen Branchen und Beschäftigungsverhältnissen gearbeitet, ist psychologisch geschult und hat auch seine eigenen Denkmodelle schon mal hinterfragt. Ein guter Coach leistet Hilfe zur Selbsthilfe - und macht sich damit irgendwann überflüssig.

Das Gespräch führte Birgit Obermeier



Buchtipp:

Elisabeth Haberleitner, Elisabeth Deistler, Robert Ungvari: Führen, Fördern, Coachen, Verlag Redline Wirtschaft, 24,90€



Text: @ober

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Neuer Job, neues Zuhause! Unter immobilien.faz.net finden sicher eine Immobilie, die Ihren Wünschen entspricht! Wählen Sie aus über 960.000 Angeboten.

FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche