Beschäftigung

Bei den Renten ist der Osten vorne

Von Sven Astheimer

02. April 2007 Arbeitnehmer in Ostdeutschland gehen im Durchschnitt früher in Rente und erhalten höhere Bezüge als ihre Kollegen im Westen. In Potsdam zum Beispiel liegen die monatlichen Beträge im Durchschnitt bei 830 Euro, im Landkreis Bitburg-Prüm sind es dagegen nur 495 Euro. Das hat eine Untersuchung des Internationalen Instituts für Empirische Sozialökonomie (Inifes) ergeben.

Die Wissenschaftler haben für alle 439 deutschen Landkreise das Zugangsalter und die durchschnittliche Rentenhöhe ermittelt. Die Übersichtskarten weisen frappierende Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland auf. Während in den alten Ländern nur in Ballungsgebieten wie Rhein-Main, den Großräumen Stuttgart, München oder Düsseldorf Werte von mehr als 700 Euro erreicht werden, ist dies in den sechs neuen Ländern durchgehend der Fall. Im Saarland dagegen lag der höchste Wert bei gerademal 608 Euro. Die Arbeitnehmer in dem kleinen Bundesland müssen ähnlich wie in Nordrhein-Westfalen die Kosten für den Strukturwandel tragen, schreiben die Autoren.

Bis zu vier Jahre länger arbeiten im Westen

Ähnlich günstig ist die Entwicklung des Renteneintrittsalters für Arbeitnehmer zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen. Die jüngsten Neu-Renter hatte demnach im Jahr 2004 der vorpommersche Kreis Demin, wo im Schnitt mit 57,3 Jahren die Arbeit beendet wird. An diesen Punkt gelangten Erwerbstätige im schwäbischen Landkreis Alb-Donau erst vier Jahre später, nämlich mit 61,6 Jahren.

Als Grund für die Dissonanzen zwischen West und Ost führen die Inifes-Forscher vor allem die stärkere Frauenerwerbstätigkeit und die konstanteren Erwerbsbiographien zu DDR-Zeiten an, aus denen nach der Wiedervereinigung die Rentenanwartschaften erwuchsen. So erhalten zwar auch im Osten Männer im Ruhestand mehr Geld als Frauen. Die Abstände sind jedoch wesentlich geringer. Während in Ostdeutschland Frauen 75 Prozent der Bezüge von Männern erhalten, kommen sie im Westen nur in Ballungsgebieten in den Genuss von etwa 60 Prozente. Auf dem Land nehmen die Unterschiede dann zu. Am größten ist die Differenz im Landkreis Kusel (Rheinland-Pfalz) mit gerademal 37 Prozent.

Wer Eintrittsalter und Bezugshöhe in seinem Landkreis erfahren will, kann dies im Internet auf der Seite der gewerkschaftseigenen Hans-Böckler-Stiftung (siehe auch: interaktive Karte) herausfinden.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Quelle und Grafikdateien: Hans-Böckler-Stiftung / Andreas Ebert, Ernst Kistler und Falko Trischler

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