25. Januar 2008 Das Hamburger Gesetz zum Schutz der Nichtraucher treibt immer neue Blüten. Jetzt hat die Nichtraucherinitiative Wiesbaden Strafanzeige wegen Körperverletzung erstattet – gegen Hannelore, genannt Loki, und Helmut Schmidt. Anlass war ein Foto, das beide im Fährhaus Winterhude bei einem Neujahrsempfang rauchend zeigt.
Die beiden rauchen immer wieder rücksichtslos im Beisein Unbeteiligter“, heißt es zur Begründung. Und weil beiden trotz Rauchverbots ein Aschenbecher gereicht wurde, geht es nun auch gegen das Fährhaus selbst. Aus der Hamburger Staatsanwaltschaft allerdings hieß es nur lapidar, man werde die Anzeige prüfen. Loki Schmidt, 88 Jahre alt, und Helmut Schmidt, der in diesem Jahr neunzig Jahre alt wird, haben schon immer geraucht. Es gehört zu ihnen wie ihre lange Ehe (65 Jahre) und wie Hamburg. Es wäre für jeden peinlich, der ihnen nicht den Aschenbecher reichte.
Rauch für die Medien
Schmidts Tabaksucht hat sogar den Journalismus belebt – in Form der Kolumne Auf eine Zigarette mit Helmut Schmidt“ im Magazin der Wochenzeitung Die Zeit“. Da kann der Leser vom früheren Bundeskanzler und Mitherausgeber der Zeit“ viel lernen über Politik und fürs Leben. Einem Mann wie Schmidt ungesetzliches Verhalten“ vorzuwerfen, nur weil er tut, was er sein ganzes Leben getan hat – das ist schon kurios.
Was sich da für Allianzen auftun! Kurios ist nämlich ebenso, was etwa die Wirte auf St. Pauli alles unternehmen, um trotz Rauchverbots zu ihrem Geschäft zu kommen. Und kurios ist die Lösung, die auch Hamburgs Innensenator Udo Nagel fand, der sein Arbeitszimmer zum Raucherzimmer erklärt hat, nur um weiter ungestört Pfeife rauchen zu dürfen.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, ASSOCIATED PRESS, dpa