12. Oktober 2007 Jede Minute stirbt auf der Welt eine Frau an den Folgen von Schwangerschaft und Geburt. Dies geht aus einem am Freitag erschienenen Bericht mehrerer Organisationen der Vereinten Nationen hervor. Demnach starben im Jahr 2005 insgesamt 536.000 Frauen im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt. Betroffen waren vor allem Frauen in Entwicklungsländern, wie das UN-Kinderhilfswerk (Unicef) mitteilte. Die Frauen sterben dem Bericht zufolge an Blutungen, Bluthochdruck, Infektionen und Verengungen des Geburtskanals sowie durch chronische Mangelernährung und Eisenmangel.
Die Zahl der Todesfälle sei zwar gegenüber 576.000 im Jahr 1990 leicht gesunken, teilte Unicef mit, allerdings gebe es Fortschritte nur in Schwellenländern, während es bei den Ärmsten der Armen überhaupt keine Verbesserungen gebe. So sei mehr als die Hälfte der Todesfälle im Afrika südlich der Sahara registriert worden, an zweiter Stelle liegt Südasien.
Die Ärmsten sterben zuerst
Im Bereich der Mutterschaft sei das Gefälle zwischen Arm und Reich besonders groß, kritisierte der Bericht. Die ärmsten Frauen tragen das höchste Risiko, ihr Leben zu verlieren, wenn sie ein Kind erwarten. Sie könnten gerettet werden, wenn sie Zugang zu einfacher medizinischer Hilfe während der Schwangerschaft und der Geburt bekommen, sagte Heide Simonis, Vorsitzende von Unicef Deutschland.
In der sogenannten Millenniumserklärung hatten sich die Regierungen 2000 weltweit das Ziel gesetzt, die Müttersterblichkeit gegenüber 1990 um zwei Drittel zu reduzieren. Dieses Ziel wird nach Einschätzung der Organisationen beim gegenwärtigen Tempo des Fortschritts nicht erreicht werden.
42 Millionen Schwangerschaftsabbrüche
Außer bei Geburten droht Frauen und Mädchen auch durch Schwangerschaftsabbrüche Schaden an Leib und Leben. Schätzungsweise 70.000 werdende Mütter sterben jährlich an den Folgen unsachgemäßer Abtreibungen, wie eine aktuelle Studie des Wissenschaftsmagazins The Lancet besagt. Millionen Frauen tragen lebenslange Beschwerden oder gesundheitliche Schäden davon.
Die Studie hat außerdem ermittelt, dass sie Rate der Schwangerschaftsabbrüche in armen und reichen Ländern ähnlich sei. So würden in Westeuropa zwölf von 1000 Schwangerschaften abgebrochen, in Osteuropa 44 von 1000. Die Vereinigten Staaten und Europa zusammengenommen hätten eine Rate von 21 Abbrüchen von 1000 und in Asien und Afrika kämen auf 1000 Schwangerschaften 29 Abtreibungen.
Für das Jahr 2003 zählte die Studie insgesamt 42 Millionen Schwangerschaftsabbrüche, von denen fast die Hälfte lebensgefährlich gewesen sei. Dabei würden unsachgemäße Abtreibungen zu 97 Prozent in den Entwicklungsländern vorgenommen, hieß es.
Besserer Zugang zur Gesundheitsversorgung nötig
Angesichts der hohen Zahl an Todesfällen fordern die UN-Organisationen weitere Schritte zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung von Frauen und Mädchen. In ländlichen Gebieten der Entwicklungsländer bräuchten Frauen besseren Zugang zu Gesundheitsversorgung und Familienplanung. Auch müssten in diesen Ländern dringend mehr Hebammen, Krankenschwestern und Ärzte für Geburtshilfe ausgebildet werden. Doch nicht nur Armut, auch Diskriminierung von Frauen sei weiterhin eine Ursache von Müttersterblichkeit, kritisierte Unicef.
Text: epd, AFP, AP, FAZ.NET
Bildmaterial: dpa