13. Mai 2005 Ein Gerichtsverfahren gegen den deutschen Mediziner Matthias Rath in Kapstadt (Südafrika) ist am Freitag gleich zu Beginn wegen Krawallen unterbrochen worden. Mit dem Verfahren will die Anti-Aids-Gruppierung Treatment Action Campaign (TAC) Rath per Einstweiliger Verfügung verbieten lassen, sie als eine Art Propagandainstrument der Pharmaindustrie zu bezeichnen.
Lautstarke Demonstranten vor dem Gebäude machten eine Verständigung im Gericht weitgehend unmöglich. Polizisten mußten erst mehrere hundert Anhänger der TAC und des Verbands der traditionellen Heiler trennen. Rath hatte die modernen antiretroviralen Medikamente für Aidskranke in Anzeigen seiner Stiftung für giftig erklärt und stattdessen Multivitaminpräparate propagiert.
Die einzige Hoffnung auf Überleben
Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen und der Gewerkschafts-Dachverband COSATU kritisierten die durch Raths Äußerungen entstandene Verwirrung bei den zahlreichen Aids-Opfern des Landes und riefen die Regierung zu einer klaren Stellungnahme auf. In Südafrika gelten mehr als fünf Millionen Menschen als HIV-infiziert. Ärzte ohne Grenzen betonte, antiretrovirale Mittel blieben für Menschen in fortgeschrittenem Stadium ihrer HIV-Infektion ... die einzige Hoffnung auf Überleben.
Rath selber, der kurz im Gericht erschien, bezeichnete sich durch seinen Anwalt als Opfer einer Hetzkampagne, an der auch die Medien beteiligt seien. Was wir machen und behaupten hat einen soliden wissenschaftlichen Hintergrund, sagte Rath im öffentlich-rechtlichen Rundfunk SAFM.
Erinnerungen an den Fall Dominik
Sein Vertreter warf der TAC in einem Schriftsatz vor, mit ähnlichen Methoden wie die Nazis zur Zeit der Weimarer Republik die Freiheiten des demokratischen Südafrika zu mißbrauchen. Die TAC, die seit Jahren für den flächendeckenden Einsatz von antiretroviralen Medikamenten kämpft, wirft Rath illegale Experimente in den Townships rund um Kapstadt vor. Die medizinischen Kontrollgremien haben eine Untersuchung von Raths Aktivitäten am Kap gestartet.
Im Herbst 2004 hatte in Deutschland der Fall des neunjährigen Dominik bundesweit für Aufsehen gesorgt, weil der Krebs des Kindes von Matthias Rath nur mit Vitaminpräparaten behandelt worden war. Dominiks Eltern hatten ihren Sohn nach ersten Operationen nur noch von Rath mit dessen Zellular-Medizin behandeln lassen. Der Junge starb daraufhin Anfang November.
Text: dpa