03. November 2005 Im zweiten Prozeß um das umstrittene Schmerzmittel Vioxx ist der amerikanische Pharmakonzern Merck & Co am Donnerstag freigesprochen worden. Ein Gericht in New Jersey sah keine Schuld des drittgrößten Pharmaunternehmens Amerikas am Herzinfarkt eines
Postangestellten aus Idaho.
Für Merck war dies eine wichtige Entscheidung: Es stehen nach Angaben der Wirtschaftsagentur Bloomberg 6400 Klagen an. Das Unternehmen hatte das Schmerzmittel im vergangenen Jahr vom Markt genommen, nachdem sich herausgestellt hatte, daß das Risiko von Herzinfarkten bei Langzeitpatienten stieg. Der Aktienkurs des Unternehmens stieg in New York sofort um gut fünf Prozent. Wir sind sehr zufrieden, sagte der Leiter der Merck-Rechtsabteilung, Kenneth Frazier. Es wird weitere Vioxx-Prozesse geben und wir werden uns in einem nach dem anderen rigoros verteidigen.
Ein Geschworenengericht in Texas hatte dem Konzern im ersten Vioxx-Prozess im August Mitschuld am Tod eines Marathonläufers gegeben. Es verurteilte das Unternehmen, der Witwe eines Patienten 253,5 Millionen Dollar (210 Millionen Euro) Schadensersatz zu zahlen. Das Unternehmen hat dagegen Berufung eingelegt.
Anfang Oktober hatten auch vier deutsche Vioxx-Patienten Klage gegen Merck eingereicht. Die Zahl der Vioxx-Geschädigten wird in Deutschland auf 7000 geschätzt. Merck & Co. aus Whitehouse Station (New Jersey) hat mit der Darmstädter Merck KGaA gemeinsame Wurzeln. Rechtlich und wirtschaftlich sind sie aber eigenständig.
Die Geschworenen in Atlantic City (New Jersey) wiesen die Behauptung des Klägers zurück, der Herzinfarkt sei durch die Einnahme von Vioxx verursacht worden. Sie sprachen das Unternehmen auch von dem Vorwurf frei, es habe Patienten und Ärzte nicht genügend vor den möglichen Risiken bei der Einnahme des Medikaments gewarnt. Der Mann habe das Mittel aber nur kurzzeitig genommen. Vielmehr sei der Herzinfarkt des heute 60jährigen 2001 durch Stress ausgelöst worden.
Merck hatte Ende 2004 für künftige Verteidigungskosten eine Rückstellung von 675 Millionen Dollar vorgenommen. Die Gesellschaft habe aber noch keinerlei Rückstellungen im Hinblick auf Vioxx-Klagen vorgenommen, hieß es. Merck sieht sich nach Branchenschätzungen möglichen Milliardenforderungen gegenüber.
Text: dpa
Bildmaterial: AP