23. April 2008 Deutschlands Kinderärzte fordern ein Verbot von Tätowierungen und Piercings für Minderjährige.
Der Präsident ihres Berufsverbands, Wolfram Hartmann, begründete dies mit der großen Gefahr von Komplikationen. Gegenüber einem Verbot jeglicher Schönheitsoperationen bei Kindern und Jugendlichen zeigten sich Ärztevertreter aber skeptisch.
Der Bundestag hat für Mittwochnachmittag eine Anhörung zu einer Gesetzesinitiative angesetzt, die Missbräuche bei Schönheitsoperationen verhindern soll. Mehrere Politiker von Union und SPD haben sich hinter die Forderung nach einem Verbot solcher Eingriffe bei Minderjährigen gestellt.
Unerträglicher Medienhype um den Schönheitskult
So sagte die CDU-Abgeordnete Gitta Connemann im Deutschlandradio Kultur, Kinder und Jugendliche dürften nur dann behandelt werden, wenn wirklich ein medizinischer Grund vorliege. Neben neuen Gesetzen sei auch eine breite gesellschaftliche Diskussion nötig.
Dafür sprach sich auch die Bundesärztekammer aus. Dem unerträglichen Medienhype um den Schönheitskult
müssen wir eine nachhaltige Wertediskussion entgegensetzen, sagte Kammer-Vizepräsidentin Cornelia Goesmann.
Selbstwertgefühl der Jugendlichen stärken
Wir müssen das Selbstwertgefühl gerade der Jugendlichen stärken; wir brauchen aber auch einen vernünftigen ordnungspolitischen Rahmen. Die Bundesärztekammer stelle sich hinter die Forderung von Abgeordneten, dass nur ausreichend qualifizierte Ärzte plastisch-chirurgische Eingriffe vornehmen dürfen.
Entsprechende Vorschriften für die Qualifikation von Spezialisten hätten die Ärzte bereits 2005 beschlossen. Patienten müssten qualifizierte Fachärzte von selbst ernannten Schönheitschirurgen unterscheiden können.
Fachärzte nicht gegen Verbot
Ähnlich äußerte sich auch der Präsident der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC), Günter Germann. Der Markt selbst ernannter Schönheitschirurgen und dubioser Fernsehärzte sei kaum zu durchschauen.
Germann stellte in Berlin klar, dass sich die Fachärzte nicht gegen ein Verbot von Schönheits-OPs bei Minderjährigen sperren würden. Doch wies er darauf hin, dass es durchaus medizinisch indizierte Eingriffe gebe, die von rein ästhetischen kaum zu unterscheiden seien.
Text: AP
Bildmaterial: AP, REUTERS
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