25. Mai 2005 In Deutschland erkranken nach Einschätzung von Experten jährlich etwa 600 Passivraucher an Lungenkrebs. Tabakrauch sei eines der schädlichsten Umweltgifte, sagte der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Nikotinforschung, Knut-Olaf Haustein, am Mittwoch in Erfurt.
In der Thüringer Landeshauptstadt kommen an diesem Freitag bis zu 100 Ärzte und Wissenschaftler zur 8. Deutschen Nikotinkonferenz zusammen. Laut Haustein treten bei Passivrauchern 30 bis 50 Prozent der gesundheitlichen Schäden auf, die aktive Raucher bekommen. So steige bei Erwachsenen, die langzeitig Tabakrauch ausgesetzt seien, das Risiko eines Herzinfarktes um 31 Prozent. Auch erhöhe sich die Gefahr von gehäuften Schlaganfällen und chronischen Atemwegserkrankungen.
Kinder besonders betroffen
Besonders betroffen seien Kinder, die den Zigarettenkonsum ihrer Eltern jahrelang ertragen müßten und dann öfter erkrankten, kritisierte Haustein. Rund 30 bis 40 Prozent der Kinder lebten in Deutschland in Raucher-Haushalten. Kleinkinder im ersten und zweiten Lebensjahr liefen bei rauchenden Eltern Gefahr, doppelt so häufig wegen Lungenentzündung ins Krankenhaus zu müssen als Kinder in Nicht-Raucher-Haushalten. Passivrauch schädige die Schleimhäute von Kindern. Auch Mittelohr- und Gehirnhautentzündungen seien auf das Passivrauchen zurückzuführen. Zudem befördert nach Worten des Nikotinforschers das Rauchen der Eltern den plötzlichen Kindstod und erhöht das Risiko von Narkosezwischenfällen bei Operationen.
Der Staat wendet für die Behandlung von raucherbedingten Krankheiten zwischen einer halben und einer Million Euro pro Kind auf. Das Gesundheitssystem sei auch auf Grund derartiger vermeidbarer Krankheiten inzwischen nicht mehr bezahlbar, sagte Haustein. Wir würden Milliarden-Ausgaben sparen, wenn wir das Rauchen zurückdrängen. Raucher sollten daher ebenso wie Alkoholiker für diese suchtbedingten Krankheiten selber aufkommen oder von den Krankenkassen mit einem höheren Beitrag zur Kasse gebeten werden, forderte Haustein.
Rauchen auch in Schulen thematisieren
Auf der zweitägigen Konferenz in Erfurt befassen sich die Fachleute auch mit dem Thema Rauchen in der Schule und Rauchentwöhnung. In Deutschland gibt es nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Nikotinforschung mehr als 20 Millionen Raucher. Jährlich würden rund 140 000 Tabaktote und 27 000 Lungenkrebsfälle bei Rauchern verzeichnet.
Text: dpa
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