Masern

Ärzte fordern Impfpflicht für Kita-Kinder

03. Juli 2008 Weil Eltern ihren Sohn nicht gegen Masern impfen ließen, drohen nun zwei weitere Kinder zu sterben. In Bad Salzuflen sind ein zehn Jahre altes Mädchen und ein neun Jahre alter Junge an der durch Masern verursachten chronischen Gehirnentzündung SSPE erkrankt. Die subakute sklerosierende Panenzephalitis ist nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) eine Spätkomplikation der Masern. Sie mache sich oft erst nach sechs bis acht Jahren schleichend durch psychische Veränderungen bemerkbar. Im weiteren Verlauf der Krankheit treten neurologische Störungen und Ausfälle auf. Der Verlust von Gehirnfunktionen führt schließlich zum Tod.

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) forderte am Mittwoch, dass Eltern vor der Aufnahme ihrer Kinder in eine Gemeinschaftseinrichtung wie Kindertagesstätten oder Kindergärten alle von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Impfungen nachweisen müssen. Da immer mehr Betreuungsplätze entstünden und Säuglinge und Kleinkinder besonders gefährdet seien, müsse eine Masernimpfung Pflicht werden.

Die beiden Kinder aus Bad Salzuflen hatten sich 1999 im Säuglingsalter bei einem Routinebesuch in der Praxis eines Kinderarztes angesteckt. Die Infektion ging von einem Elfjährigen aus, bei dem erst einen Tag später Masern diagnostiziert wurden. Dieser Junge, dessen Eltern die Masernimpfung abgelehnt hätten, habe in der Praxis sechs weitere Kinder angesteckt, unter ihnen drei Säuglinge, teilte der BVKJ mit.

In Italien sind mehr als 1500 Menschen an Masern erkrankt

Kleinkinder sind einer Infektion weitgehend schutzlos ausgeliefert. Die erste Gabe des Masern-Mumps-Röteln-Kombinationsimpfstoffs wird im Alter von elf bis 14 Lebensmonaten, die zweite im Alter von 15 bis 23 Lebensmonaten empfohlen. Der Verband warnte Eltern ungeimpfter Kinder sowie vor allem Schwangere vor Reisen in Feriengebiete, wo die hoch ansteckenden Masernviren grassieren. Dazu gehörten die Schweiz, Österreich, Irland, Großbritannien und Italien, wo seit Jahresbeginn mehr als 1500 Menschen, meist Jugendliche, erkrankt seien.

Nach BVKJ-Informationen gab es seit 2003 insgesamt 18 Fälle der Gehirnentzündung SSPE in Deutschland, sechs Fälle allein in Nordrhein-Westfalen. 17 Kinder seien im Säuglingsalter erkrankt. Noch gefährlicher aber ist nach Angaben des RKI die akute Enzephalitis. Sie beginne bei jedem tausendsten Masernpatienten während der Krankheit. In zehn bis 20 Prozent der Fälle ende sie tödlich, 20 bis 30 Prozent der Betroffenen müssten mit bleibenden Schäden des zentralen Nervensystems rechnen. Gemäß Weltgesundheitsorganisation sollten die Masern in Europa bis 2010 eliminiert sein. Nach Angaben des RKI sind aber noch 24 von 53 europäischen Staaten, darunter Deutschland, weit davon entfernt.



Text: F.A.Z. pps.
Bildmaterial: AP

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