Pharma

Magazin wirft Merck Manipulation um Vioxx vor

Mit Risiken und Nebenwirkungen auch für Merck

Mit Risiken und Nebenwirkungen auch für Merck

09. Dezember 2005 Im Skandal um das vom Markt genommene Schmerzmittel Vioxx hat die amerikanische Fachzeitschrift „New England Journal of Medicine“ schwere Vorwürfe gegen die Autoren einer von dem Pharmariesen Merck finanzierten Studie erhoben. In der in der Zeitschrift bereits im Jahr 2000 veröffentlichten Studie seien drei Herzinfarkte von Vioxx-Patienten nicht erwähnt worden, berichtete das Fachmagazin in einem Leitartikel.

Bis zum vergangenen Monat habe die Redaktion noch angenommen, daß die Autoren bei der Veröffentlichung nichts von diesen Fällen gewußt hätten. Durch eine Zeugenaussage in einem Schadenersatzprozeß sei jedoch bekannt geworden, daß sie die Daten offenbar bewußt unterschlugen.

Merck: „Umgehend und angemessen“

Das amerikanische Unternehmen verteidigte seine Forschungsergebnisse gegen die Vorwürfe. Demnach seien Studienergebnisse „umgehend und angemessen“ veröffentlicht worden.

Das Magazin forderte die Autoren am Donnerstag auf, eine korrigierte Version ihres Artikels zu liefern, da die „Ungenauigkeiten und Auslassungen“ die Resultate der Studie zu den Nebenwirkungen von Vioxx auf das Herz-Kreislaufsystem in Frage stelle. Merck hatte das Blockbuster-Medikament im September vergangenen Jahres wegen des erhöhten Risikos von Schlaganfällen und Herzinfarkten zurückgezogen. Weltweit nahmen mehr als 20 Millionen Menschen das Mittel gegen Schmerzen bei Gelenkentzündungen ein. Vioxx gehört zu den so genannten “Cox-2“-Hemmern, die auch von anderen Pharmaherstellern angeboten werden.

Experten zufolge beschädigen die neuen Vorwürfe die Glaubwürdigkeit des Unternehmens und könnten die Verteidigungsstrategie Mercks in den laufenden juristischen Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit Vioxx erschweren.

Die Aktie von Merck fiel nach Bekanntwerden der Vorwürfe im nachbörslichen Handel in New York um mehr als drei Prozent. Wegen des Vioxx-Skandals sind gegen den Konzern mehr als 6000 Schadenersatzklagen anhängig. Allein die Prozeßkosten könnten sich Experten zufolge auf mehrere Milliarden Dollar belaufen. Die Kläger wollen nachweisen, daß Merck das fehlerhafte Medikament fahrlässig und vorsätzlich auf den Markt brachte.

Text: FAZ.NET mit Material von AFP, Dow Jones
Bildmaterial: AP

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Medikamente günstig einkaufen Preisvergleich für Medikamente und Apotheken-Produkte. Mehr als 90 Apotheken im Vergleich.

FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche