Italien

Koma-Patientin darf sterben

Eluana Englaro

Eluana Englaro

03. Februar 2009 Nach jahrelangem juristischen Tauziehen ist eine italienische Koma-Patientin zum Sterben in eine Privatklinik verlegt worden. Eine kleine Gruppe Demonstranten versammelte sich in der Nacht zum Dienstag vor dem ursprünglichen Krankenhaus der 36 Jahre alten Frau in Lecco am Comer See, um den Transport nach Udine zu verhindern. Eluana Englaro sollte dort von den lebenserhaltenden Schläuchen getrennt werden. Der Fall hat in der katholischen Kirche Italiens sowie beim Vatikan Empörung ausgelöst.

Eluana war nach einem Autounfall 1992 im Alter von 20 Jahren ins Koma gefallen. Zwei Jahre später erklärten die Ärzte, ihr Zustand sei irreversibel. Seitdem hat ihr Vater Beppino Englaro für das Sterberecht seiner Tochter gekämpft. Ein Gericht in Mailand gab ihm schließlich Recht, das Verfassungsgericht in Rom bestätigte diese Entscheidung im vergangenen November. Der Vater berief sich darauf, dass seine Tochter kurz vor ihrem Unfall künstliche lebensverlängernde Maßnahmen von Koma-Patienten für sich abgelehnt habe. Das katholische Krankenhaus in Lecco lehnte es dennoch ab, die Patientin sterben zu lassen, weshalb die Familie die Verlegung in eine Privatklinik beschloss.

Aktive Sterbehilfe ist in Italien verboten

Die italienische Regierung erließ im vergangenen Monat eine Verfügung, wonach staatliche Kliniken zur fortwährenden Versorgung von Koma-Patienten verpflichtet sind. Aktive Sterbehilfe ist in Italien verboten, doch haben Patienten das Recht, eine Behandlung zu verweigern. Es gibt aber keine Möglichkeit, verbindliche Vorabentscheidungen für den Fall von Bewusstlosigkeit zu treffen.

Papst Benedikt XVI. hat erst am Wochenende wieder betont, es sei der falsche Weg, Eluana sterben zu lassen. Kardinal Javier Lozano Barragan sprach von einem „abscheulichen Mord“ an der Patientin. Ihr Schicksal erinnert an die Kontroverse über die Amerikanerin Terry Schiavo, die 2005 nach 15 Jahren im Koma sterben konnte, nachdem ihr Ehemann vor Gericht ein Ende der künstlichen Ernährung erwirkt hatte.

(siehe auch: Blog zur Biopolitik: Ein bißchen Patientenverfügung für Italien)

Text: FAZ.NET mit AP
Bildmaterial: AP

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