EU verbietet Weichmacher in Spielzeug

Giftiger Spaß? Scoubidou-Bänder

Giftiger Spaß? Scoubidou-Bänder

05. Juli 2005 Kinder in der Europäischen Union werden künftig besser vor gesundheitsgefährdenden Weichmachern im Spielzeug geschützt. Das Europaparlament stimmte an diesem Dienstag in Straßburg einer Richtlinie zu, nach der sechs so genannte Phthalate verboten werden, die etwa in Scoubidou-Bändern, Schnullern, Beißringen oder bei Barbie-Puppen vorkommen.

Die Stoffe können freigesetzt werden, wenn Babys und Kleinkinder zu lange an ihrem Spielzeug nuckeln oder kauen. Sie stehen im Verdacht, Leber, Nieren und Fortpflanzungsorgane zu schädigen und Krebs auszulösen. In Deutschland sind diese Weichmacher nach den Worten der EU-Abgeordneten Hiltrud Breyer (Grüne) bereits für Spielzeug verboten, das für Kinder bis zum Alter von drei Jahren bestimmt ist. In der EU-Richtlinie gibt es hingegen keine Altersbegrenzung. Der Abstimmung ist eine Einigung mit dem Rat der europäischen Fachminister vorausgegangen. Dessen Zustimmung gilt daher als sicher.

Großen Erfolg für den Verbraucherschutz

Enthällt ebenfalls Phthalate: Barbie-Puppe

Enthällt ebenfalls Phthalate: Barbie-Puppe

Damit könnte die Richtlinie spätestens im Herbst 2006 in Kraft treten. Breyer wertete das Votum als großen Erfolg für den Verbraucherschutz. „Mit dieser Entscheidung ist der Anfang von Ende von Weich-PVC in Spielzeug eingeläutet“, sagte sie. Alternativen wie Zitronensäure als Weichmacher in Schnullern seien seit langem vorhanden. In der EU derzeit jährlich fast eine Million Tonnen von Phthalaten produziert, unter anderem für Spielzeug.

Die giftigen Weichmacher machen Plastik so elastisch, daß es geknautscht werden kann und dennoch in seine Ausgangsform zurückkehrt. Die Verbraucherschutzexpertin der Sozialisten im Europaparlament, Dagmar Ruth-Behrendt (SPD), begrüßte die Regelung ohne Altersbegrenzung. „Das macht einfach keinen Sinn. Wir können nicht von den Eltern verlangen, ständig darauf zu achten, ob jüngere Kinder nicht die Barbie-Puppe vom großen Bruder in den Mund nehmen.“

Auch Schwangere sind gefährdet

Das EU-Parlament forderte die Europäische Kommission dazu auf, auch mögliche Gefahren der Substanzen in medizinischen Produkten wie Infusionsschläuchen oder Blutbeuteln zu überprüfen. Besorgnis erregend sei vor allem die Verwendung von DEHP, sagte Breyer. Dieses Phthalat könne zu Veränderungen in den Hoden, zu geringerer Spermienproduktion der Nachkommen sowie zu Geburtsfehlern und Fehlfunktionen in den Eierstöcken führen. Gefährdet seien zum Beispiel Schwangere, Früh- und Neugeborene und Dialysepatienten.

Text: dpa
Bildmaterial: picture-alliance / dpa/dpaweb

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