Immunschwäche

40 Millionen wissen nicht, daß sie Aids haben

31. Mai 2006 Die Ausbreitung der Immunschwächekrankheit Aids hat sich nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) im vergangenen Jahr verlangsamt. Die Aids-Behörde der UN (Unaids) warnte am Dienstag bei der Vorlage ihres Jahresberichts 2005 aber vor verfrühtem Optimismus und verwies auf zahlreiche Probleme vor allem in Afrika, die es bei der Behandlung und der Vorbeugung von Aids nach wie vor gebe.

Im vergangenen Jahr hätten sich auf der ganzen Welt noch 4,1 Millionen Menschen neu mit Aids infiziert, teilte die UN-Behörde mit. Im Jahr 2004 hatte es noch 4,9 Millionen neue Infektionen gegeben. Die Zahl der an der Krankheit Verstorbenen ging ebenfalls zurück auf 2,8 Millionen 2005 nach 3,1 Millionen 2004. Insgesamt sind seit 1981 - in dem Jahr wurde Aids erstmals medizinisch beschrieben - 25 Millionen Menschen an der Krankheit gestorben.

Dramatische Lage im südlichen Afrika

Aids-Brennpunkt südliches Afrika: Anti-Aids-Gruppe TAC

Aids-Brennpunkt südliches Afrika: Anti-Aids-Gruppe TAC

Dramatisch ist der Kampf gegen Aids der UN zufolge im südlich der Sahara gelegenen Afrika. Dort lebten nur etwa zehn Prozent der Weltbevölkerung, aber mit 25,8 Millionen etwa 60 Prozent aller weltweit Infizierten. Im vergangenen Jahr hätten sich allein dort 3,2 Millionen Menschen neu infiziert und 2,4 Millionen Erwachsene und Kinder seien der Krankheit erlegen.

In Deutschland stieg dem Bericht zufolge die Zahl der neu Infizierten an. Genaue Zahlen wurden dazu aber nicht genannt. Einen Anstieg habe es vor allem bei Männern gegeben, die Sex mit Männern gehabt hätten. Etwa 49 Prozent der Neu-Infektionen seien darauf zurückzuführen. 2001 seien es noch 37 Prozent gewesen.

In den Vereinigten Staaten sei die Zahl der Menschen, die mit Aids infiziert sind, auf ein Rekordhoch von 1,2 Millionen gestiegen, hieß es. Hier zeige sich, daß sich die frühen Erfolge bei der Vorbeugung nicht verstetigt hätten. Allerdings lebten Infizierte angesichts der verbesserten Behandlungsmöglichkeiten auch länger.

Fortschritte nicht ausreichend

Der UN-Behörde zufolge gibt es bei der Bekämpfung von Aids auf vielen Feldern Fortschritte. Insgesamt aber seien die Ergebnisse nicht befriedigend. „Trotz einiger bemerkenswerter Fortschritte ist die Antwort auf die Aids-Epidemie bislang nirgends auch nur annähernd angemessen“, heißt es in dem Bericht.

Kritisiert wird unter anderem die Menge des Geldes, die für den Kampf gegen Aids zur Verfügung steht. So würden 2006 in den Entwicklungsländern 14,9 Milliarden Dollar benötigt, zur Verfügung stünden aber nur 8,9 Milliarden Dollar. Bis 2008 werde der Finanzbedarf auf 22,1 Milliarden Dollar ansteigen, wovon allein 11,4 Milliarden für Vorbeugung ausgegeben werden müßten.

Keine Kondome, keine Ahnung

Aids-Medikamente: Fortschritt, aber keine Antwort

Aids-Medikamente: Fortschritt, aber keine Antwort

Problematisch mit Blick auf die Ausbreitung von Aids sei zudem, daß die Versorgung mit Kondomen nicht einmal halb so umfangreich sei wie eigentlich notwendig. Weniger als die Hälfte der jungen Menschen hätten darüber hinaus ausreichend Kenntnis über Aids.

Besorgniserregend sei, das von den derzeit etwa 40 Millionen weltweit infizierten Menschen die meisten nichts von ihrer Krankheit wüßten, weil sie niemals untersucht worden seien, teilte die Unaids mit. Viele, bei denen die Erkrankung bekannt sei, müßten mit Ausgrenzung und Diskriminierung rechnen.

Text: FAZ.NET mit Material von Reuters
Bildmaterial: dpa

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