Aids

Zahl der HIV-Infektionen in Deutschland gestiegen

Aufklärung als wirksamste Strategie

Aufklärung als wirksamste Strategie

05. Oktober 2005 Die Zahl der HIV-Neuinfektionen in Deutschland ist im ersten Halbjahr 2005 dramatisch angestiegen. Nach den jüngsten Berechnungen des Berliner Robert-Koch-Instituts (RKI) steckten sich von Januar bis Juli 1164 Menschen mit dem Aids-Virus an. Das waren rund 20 Prozent mehr registrierte Fälle als im ersten Halbjahr 2004. Es seien auch die meisten Neuansteckungen seit Beginn der detaillierten Berechnungen des Instituts im Jahr 1993, sagte RKI-Experte Ulrich Marcus am Mittwoch in Berlin. Nach wie vor infizierten sich vor allem homosexuelle Männer.

Die meisten neu diagnostizierten HIV-Fälle gab es in Großstädten wie Köln, Berlin, München, Hamburg oder Frankfurt am Main. Doch auch Münster oder Mannheim weisen im Vergleich zu den Vorjahren deutliche Steigerungen bei Erstdiagnosen auf. In den ostdeutschen Städten Leipzig, Dresden oder Halle liegen die Zahlen der HIV-Neuansteckungen inzwischen ähnlich hoch wie im Westen. Die wenigsten Neuinfektionen gibt es dagegen in den bevölkerungsarmen östlichen Bundesländern wie Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg oder Sachsen-Anhalt. Im Westen weist Niedersachsen eine ähnliche geringe Quote auf.

Risikogruppe homosexuelle Männer

Die Sorglosigkeit im Umgang mit Aids nimmt zu

Die Sorglosigkeit im Umgang mit Aids nimmt zu

Rund 58 Prozent der neu gemeldeten Fälle im Jahr 2005 haben sich beim Sex zwischen Männern angesteckt. Ein Großteil der Homosexuellen infizierte sich in Deutschland. Nur 17 Prozent der neuen Virusträger haben sich bei heterosexuellen Kontakten infiziert. Sechs Prozent sind Drogenkonsumenten, die sich durch Spritzen infizieren, heißt es in der Veröffentlicheung des RKI. Die übrigen Betroffenen, rund 18 Prozent, stammen aus Ländern mit hohen HIV- und Aidsraten.

„Die Entwicklung dieser vermeidbaren Infektion gibt Anlaß zur Sorge“, sagte RKI-Präsident Reinhard Kurth. Die Ursachen sehen die Forscher vor allem im zunehmend ungeschützten Geschlechtsverkehr. Selbst bei neuen oder kaum bekannten Sexpartnern werde in wachsendem Maß auf Kondome verzichtet. HIV-Fachmann Ulrich Marcus vermutet, daß sich homosexuelle Männer auch zu stark auf regelmäßige Aids-Tests verlassen. „Diese Tests schützen nicht vor Ansteckung“, sagte er. Wirksamen Schutz gebe es nur durch „safer sex“.

„Ernste Entwicklung“

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) bezeichnete die neuen HIV-Zahlen am Mittwoch als „ernste Entwicklung“. Jeder müsse wissen, daß Aids trotz der medizinischen Fortschritte eine unheilbare Krankheit sei, sagte sie in Berlin. Aufklärung und Information sei die wirksamste Strategie gegen die Ausbreitung des HI-Virus. Die Bundesregierung wende hierfür und für Forschungs- und weitere Anstrengungen jährlich 12,6 Milliarden Euro auf. Seit Beginn der Aids-Epidemie in den achtziger Jahren sind in Deutschland rund 24.000 Menschen am Vollbild Aids erkrankt. Jedes Jahr kommen laut RKI-Berechnungen rund 800 neu diagnostizierte Fälle hinzu. Zu 80 Prozent sind Männer betroffen.

Text: FAZ.NET mit Material von AP
Bildmaterial: picture-alliance / dpa/dpaweb, picture-alliance/ ZB

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Sportverletzung? Sorgen Sie vor - mehr Leistung für weniger Geld. Vergleichen Sie jetzt online die Leistungen verschiedener privater Krankenversicherungen!

FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche