22. Juli 2006 Der Zustand eines am gefährlichen Lassa- Fieber erkrankten Afrikaners, der seit dem frühen Samstag in der Frankfurter Universitätsklinik liegt, bleibt kritisch. Der 68 Jahre alte Mann aus Sierra Leone sei bewußtlos und werde in der Hochsicherheitsstation intensivmedizinisch behandelt, teilte das Klinikum mit. Auch seine Frau, eine Deutsche, und seine erwachsene Tochter seien zur Beobachtung nach Frankfurt gebracht worden. Die Ärzte rechnen bei dem Mann mit einem längeren Krankheitsverlauf.
Der Afrikaner war am 11. Juli über Brüssel nach Deutschland eingereist. Passagiere der von ihm benutzten Flüge sind aufgefordert, sich vorsorglich mit dem Robert-Koch-Institut in Berlin unter der Rufnummer 0172-6955458 (tagsüber) in Verbindung zu setzen. Den Behörden zufolge handelt es sich um einen Flug der Gesellschaft Sabena am 10. Juli von Freetown über Abijan nach Brüssel (Flugnummer SN207) sowie den Flug am 11. Juli von Brüssel nach Frankfurt (Flugnummer SN2607).
Tropeninstitut bestätigt Diagnose
Unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen war der Mann von der Universitätsklinik Münster zum Zentrum für Infektologie am Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität verlegt worden. Die Ärzte in Münster hatten bei dem 68 Jährigen das seltene, gefährliche und hochansteckende Lassa-Fieber festgestellt. Der aus Sierra Leone stammende Mann war bis vor kurzem als Chirurg in seinem Heimatland tätig.
Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg hatte die Lassa-Infektion bei dem Mann am Freitagnachmittag bestätigt. Um den Patienten in einer vollständigen Quarantäne behandeln zu können, wurde er in die besonders ausgerüstete Hochsicherheitsstation in Frankfurt verlegt. Neben der Expertise im Bereich der Behandlung solcher seltenen Krankheiten, die schon bei der Behandlung der SARS- Patienten 2003 unter Beweis gestellt wurden, haben wir hier vor Ort ein erstklassiges Krisenmanagement, sagte der Leiter des Schwerpunktes Infektologie am Uniklinikum Frankfurt, Prof. Hans- Reinhard Brodt. Dies habe sich auch am schnellen Isoliertransport gezeigt. Wir werden alles in unserer Macht stehende tun, um den Patienten erfolgreich zu behandeln, sagte der Mediziner. Derzeit sei der Zustand allerdings als kritisch zu bewerten.
Das Lassa-Fieber ist eine seltene, aber sehr gefährliche Infektionskrankheit, die in Westafrika verbreitet ist. Menschen können sich dort vor allem bei Nagetieren anstecken, wie das Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin erläutert. Schon durch Einatmen von Urintröpfchen eines infizierten Tieres oder beim Essen von mit Urin verunreinigten Speisen kann sich ein Mensch anstecken. Auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch durch Blut, Speichel, Erbrochenes, Urin oder abgehustete Bluttröpfchen ist möglich.
Inkubationszeit von bis zu 17 Tagen
Erstmals nachgewiesen wurde das Lassa-Fieber bei Menschen, die 1969 in der nigerianischen Stadt Lassa erkrankt waren. In Deutschland kommt die Krankheit nur äußerst selten vor, wenn sie durch Reisende aus Afrika eingeschleppt wird. Im Januar 2000 starb in der Würzburger Tropenklinik eine 23 Jahre alte Studentin aus Schwäbisch Hall, die sich auf einer Afrikareise angesteckt hatte. Insgesamt wurden in Deutschland bisher vier Lassa-Fälle registriert, von den zwei tödlich verliefen.
Drei bis 17 Tage nach der Infektion mit dem zur Gruppe der Arena- Viren zählenden Erreger können Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen sowie Halsentzündungen auftreten. Später kann es zu Hautblutungen, Durchfall und Erbrechen kommen. Mit Medikamenten können die Symptome gelindert und die Sterberate vermindert werden. Die große Mehrheit der Krankheitsfälle verläuft nach Expertenschätzungen relativ harmlos und wird nicht einmal erkannt.
Blutsturz-Fieber
Lassa zählt wie Ebola und das Dengue-Fieber zu den so genannten hämorrhagischen Fiebern. Hämorrhagisch (griechisch von Blutfluß/Blutsturz) beschreibt die Krankheitssymptome: Außer an hohem Fieber können Infizierte an Blutungen und Gewebeschäden leiden.
Text: FAZ.NET mit Material von dpa und AP
Bildmaterial: dpa