Organspende

Streit um Spendepraxis

03. Juni 2007 In der Union zeichnet sich ein Streit über die Regelung von Organspenden ab. Das Bayerische Sozialministerium kündigte an, dass es sich für die unlängst vom Nationalen Ethikrat vorgeschlagene Einführung der sogenannten Widerspruchslösung in Deutschland einsetzen wolle. Danach sollen künftig Organe von Verstorbenen entnommen werden können, wenn diese einer Entnahme zu Lebzeiten nicht ausdrücklich widersprochen haben und auch die Angehörigen keine Einwände haben.

Die bayerische Sozialministerin Christa Stewens (CSU) hatte sich in der vergangenen Woche dafür ausgesprochen, die Vorschläge des Nationalen Ethikrats sorgfältig zu prüfen. Am Samstag teilte ihr Staatssekretär Jürgen Heike mit, das bayerische Sozialministerium werde sich „in Übereinstimmung mit dem Nationalen Ethikrat für die gesetzliche Widerspruchslösung einsetzen“. Man wolle diese Lösung mitgehen, um den vielen wartenden Patienten endlich wirksam zu helfen.

Kauder gegen die Widerspruchslösung

Der Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Volker Kauder (CDU), wies dagegen im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung den Vorstoß des Ethikrates ausdrücklich zurück. „Ich bin gegen diese Widerspruchslösung. Der Mensch darf auch über seinen Tod hinaus nicht zum Objekt gemacht werden.“ Wer sich nicht ausdrücklich erklärt habe, dessen Zustimmung dürfe nicht einfach vorausgesetzt werden. Allerdings wolle er sich dafür einsetzen, so Kauder weiter, dass künftig mehr Menschen in Deutschland zu einer Organspende bereit seien. Er werde sich deshalb bei der Bundesregierung für eine neue Werbekampagne unter dem Motto „Organe spenden, Leben retten“ stark machen.

Auch der Ärzteverband Marburger Bund sprach sich gegen eine Änderung des Transplantationsgesetzes aus. „Die gute Idee, die Organspenden zu erhöhen, würde durch die faktische Abschaffung der Freiwilligkeit und die Einführung einer Widerspruchslösung ins Gegenteil verkehrt“, warnte der Vorsitzende des Verbands, Frank Ulrich Montgomery.

Nur 46 Prozent wollen spenden

Nach einer aktuellen Eurobarometer-Umfrage sind derzeit nur 46 Prozent der Deutschen dazu bereit, nach ihrem Tod ein Organ zu spenden. Im EU-Durchschnitt sind es 56 Prozent, in Schweden sogar 81 Prozent. Der Organentnahme bei einem verstorbenen Angehörigen würden ebenfalls nur 46 Prozent der Deutschen zustimmen, jedoch mehr als 70 Prozent der Schweden und Finnen.

Große Aufmerksamkeit hatte in den vergangenen Tagen ein niederländischer TV-Sender erregt, der in einer Fernsehshow drei Kandidaten um eine Spenderniere konkurrieren ließ. Wie mittlerweile bekannt wurde, war die Sendung inszeniert, die angeblich dem Tod geweihte Spenderin eine Schauspielerin (siehe auch: „Große Spendershow“ in Holland: Totalspektakel).

Text: elo./nwo. / F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

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