09. November 2004 Gesundheitsgefährdender dioxinhaltiger Ton (Kaolonit) in Futtermitteln ist am Dienstag bei einem zweiten Kartoffel verarbeitenden Betrieb der Niederlande gefunden worden. Dies teilte der Staatssekretär im Bundesagrarministerium, Alexander Müller, mit. In Nordrhein-Westfalen erhöhte sich die Zahl der gesperrten Mastbetriebe um einen auf fünf, in den Niederlanden um 76 auf 197. In Bayern stünden unverändert 30 Schweinemastbetriebe unter Beobachtung, hieß es. In Niedersachsen wurde entgegen ersten Angaben kein Bauernhof gesperrt. Ein ursprünglicher Dioxin-Verdacht habe sich nicht bestätigt.
Die bisherigen Proben der niederländischen Behörden zeigen laut Müller inzwischen ein klareres Bild: Wir wissen jetzt, daß es belastetes Futtermittel gibt. Aber es gibt bisher keine Belastungen bei Fleisch und Pommes frites. Also auf der Lebensmittelseite hat es keine Warnungen oder Rückrufe geben müssen. Bei Fleisch gebe es eher Entwarnung.
Allein wegen der Verseuchung des Kartoffelfutters mit dem Krebserzeuger Dioxin und aus Vorsicht blieben die Bauernhöfe in NRW zunächst gesperrt. Milch sei in Deutschland anders als in den Niederlanden bisher nicht belastet. Aber dort gebe es eine Milchliefersperre.
Die Holländer hätten die Deutschen über das internationale Schnellwarnsystem über weitere betroffene Betriebe informiert, betonte Müller. Sie griffen dabei auf eine deutsche Liste zurück, in der die möglichen Empfänger des Tonlieferanten aus Rheinland-Pfalz aufgeführt seien. Hierzu gehörten auch Firmen, die mit der Erzeugung von Lebensmitteln nichts zu tun hätten, betonte Müller.
Eine Sprecherin des Landwirtschaftsministeriums in Den Haag hatte zuvor mitgeteilt, daß jetzt 197 Betriebe der Niederlande ihre Schweine, Rinder, Schafe oder Ziegen weder verkaufen noch schlachten dürfen. Nach ersten alarmierenden Dioxinwerten im Fleisch von Schweinen liefen weitere Untersuchungen. Bis zum Vorliegen aller Ergebnisse werde keiner der gesperrten Betrieb wieder freigegeben, sagte die Sprecherin. Nach Auslösen des Dioxin-Alarms in den Niederlanden wurden auch Bauernhöfe in Belgien und Frankreich gesperrt.
Text: FAZ.NET mit Material von dpa
Bildmaterial: dpa