20. Mai 2008 Britische Forscher dürfen künftig Embryonen aus menschlichem Erbgut und tierischen Eizellen schaffen. Nach einer heftigen Debatte stimmte das Unterhaus in London mit 336 zu 176 Stimmen gegen einen Antrag, der die Produktion solcher Misch-Embryonen verbieten sollte. Auch ein Antrag, der die Erzeugung sogenannter Retter- oder Helfer-Geschwistern hätte verbieten sollen, wurde abgelehnt. Bei den Retter- oder Helfer-Geschwistern (Saviour Siblings) geht es um die künstliche Zeugung vom Erbgut her weitgehend übereinstimmender Geschwisterkinder, die einem erkrankten Kind Zellen oder genetisches Material für die Behandlung liefern sollen.
Wissenschaftler erhoffen sich durch die Schaffung menschlich-tierischer Embryonen neue Erkenntnisse im Kampf gegen bislang unheilbare Krankheiten. Kritiker ziehen dies in Zweifel und bezeichnen diese Form der Stammzellenforschung als monströs und pervers. Der konservative Politiker Edward Leigh sprach von einer Frankenstein-Wissenschaft und sieht Großbritannien auf dem Weg zum Schurkenstaat der Wissenschaft zu werden. In Deutschland, Österreich, Italien und Frankreich ist die Erzeugung menschlich-tierischer Embryonen verboten.
Gewissensentscheidung der Abgeordneten
Premierminister Gordon Brown hatte sich vor der Abstimmung vehement für die Ausweitung der gesetzlichen Grundlagen zur Stammzellenforschung ausgesprochen. Es sei eine moralische Anstrengung, mit der Tausende und langfristig Millionen Leben gerettet werden könnten. Wegen der stark abweichenden Meinungen durften die Abgeordneten unabhängig von Partei- und Fraktionszugehörigkeit votieren.
Großbritannien untermauert mit dieser Entscheidung seinen Ruf als weltweit liberalstes Land in der Embryonen-Forschung. Die Erzeugung von Mensch-Tier-Embryonen, auch Chimären genannt, ist höchst umstritten. Bislang sollen solche Chimären nur in den Vereinigten Staaten, Südkorea und China zu Forschungszwecken produziert worden sein. In Europa hatten vor wenigen Wochen britische Forscher der Universität Newcastle bekannt gegeben, ein solches Mischwesen erzeugt zu haben. Die britischen Forscher hatten ihre Forschungen mit einer Sondergenehmigung der zuständigen britischen Behörde HFA durchgeführt. Nun soll die Erzeugung von Chimären-Embryonen zu Forschungszwecken generell erlaubt werden. Das entsprechende Gesetz könnte bereits 2009 in Kraft treten.
Text: Reuters
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