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Wie schütze ich mich vor dem Virus?

An der Wittower Fähre: Szenen wie aus einem Science-Fiction-Film

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26. Februar 2006 Nach den ersten Vogelgrippe-Fällen in Deutschland fragen sich viele Verbraucher, wie man sich vor dem Virus schützen kann. Was muß man beim Verzehr von Geflügelfleisch beachten? Wie ist das auch für den Menschen gefährliche Virus H5N1 übertragbar? FAZ.NET gibt Antworten auf die dringendsten Fragen.

Wie kann man sich mit der Vogelgrippe infizieren?
Die Vogelgrippe wird vor allem durch Ausscheidungen wie Kot oder Nasensekrete übertragen, aber auch durch den Verzehr von Fleisch oder Eiern. Für eine Ansteckung müßten Personen aber in direkten Kontakt mit infizierten Tieren kommen. In Asien gab es auch deshalb so viele Infektionen, weil Mensch und Tier oft auf engstem Raum zusammenleben.

Ist das Virus von Mensch zu Mensch übertragbar?
Nein. Bislang ist keine Übertragung von Mensch zu Mensch bekannt. Das Virus könnte allerdings mutieren und dadurch auch die Eigenschaft erlangen, sich auch von Mensch zu Mensch weiter zu verbreiten. Noch ist aber unklar, ob das Virus überhaupt das Potential besitzt, sein Erbgut entsprechend zu ändern.

Was sind die klassischen Symptome einer Erkrankung?
Die Symptome sind ähnlich wie bei einer normalen Grippe: Hohes Fieber, Husten, Halsschmerzen. Die Hälfte der Patienten bekommen Durchfall. Im weiteren Verlauf entwickelt sich meist eine Lungenentzündung.

Wie ist das Virus bei Vögeln zu erkennen?
Erkrankte Vögel machen nach Angaben von Fachleuten einen apathischen Eindruck und leiden unter Atemnot. Sie schwanken häufig, und ihr Gefieder ist gesträubt. Die Krankheit ist unter Vögeln hoch ansteckend, verläuft dramatisch und rafft die Tiere innerhalb von Stunden dahin.

Gibt es einen Impfstoff gegen die Vogelgrippe?
Nein, bislang keinen Impfstoff für den Fall einer Grippepandemie. Auch an einem Impfstoff für Geflügel wird derzeit noch gearbeitet. Die antiviralen Medikamente Tamiflu und Relenza gelten aber als vielversprechendste Mittel bei der Bekämpfung der Seuche. Sie sollten bei den ersten Anzeichen einer Vogelgrippe-Erkrankung eingenommen werden und können auch präventiv eingesetzt werden. Das Bundesgesundheitsministerium rät Privatleuten jedoch davon ab, sich antivirale Medikamente selbst zu kaufen. Tamiflu und Relenza sollte nur unter ärztlicher Kontrolle eingenommen werden. Die deutschen Bundesländer wollen bis Ende 2006 mehr als acht Millionen Dosen beider Medikamente als Vorsichtsmaßnahme kaufen. Sie sollen die Monate zwischen einem Pandemie-Ausbruch und der Entwicklung eines Impfstoffs überbrücken.

Kann man noch guten Gewissens Geflügelfleisch essen?
Grundsätzlich ist eine Ansteckung über die Nahrung möglich. Geflügel aus Deutschland ist jedoch nach Einschätzung des Friedrich-Loeffler-Instituts für Tiergesundheit aber ungefährlich. Hähnchenfleisch sollte gut durchgebraten werden, denn bei 70 Grad Celsius stirbt das Virus ab. Das Einfrieren von Speisen vernichtet den Erreger hingegen nicht. Andere Experten sehen derzeit ebenfalls keinen Grund, sich beim Verzehr von Geflügel zurückzuhalten, denn bislang wurde der Virus in Deutschland nur bei Wildvögeln nachgewiesen. Die bei Züchtern gehaltenen Geflügelbestände seien virusfrei, teilte der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft mit. „Es besteht überhaupt keine Gefahr für den Verbraucher, er kann ohne weiteres Geflügel essen“, sagte Präsident Gerhard Wagner. Der Verein unterstützt die wiedereingeführte Stallpflicht.

Was ist zu tun, wenn man im Freien einen toten Vogel findet?
Tote Tiere sollten grundsätzlich nicht mit bloßen Händen angefaßt werden. „Auf keinen Fall anfassen“, sagt Hiltrud Schrandt vom Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES). Die Entdeckung toter Vögel sollte der örtlichen Polizei oder der Gemeinde gemeldet werden, die die Veterinäramter einschalten. In Spezialbehältern werden die Tiere dann zur Untersuchung ins Labor gebracht.

Welche Vögel sind besonders gefährdet?
Hühner, Enten, Gänse und Schwäne sind wohl besonders empfänglich für das Virus H5N1. Tauben sind nach Informationen des Friedrich-Loeffler-Instituts des Bundes für Geflügelpest viel weniger empfänglich als Hühner und anderes Geflügel. Eine experimentelle massive Infektion mit dem H5N1-Virus aus Asien führte jedoch auch bei einem Teil der Tauben zur Erkrankung und zu Todesfällen. Von infizierten Tauben werde der Erreger allerdings nur in sehr geringem Maße ausgeschieden, so daß das Verbreitungsrisiko für Geflügelbestände „auf der Basis der bisherigen Daten als gering eingeschätzt wird“. Ein Infektionsrisiko für Menschen sei nahezu ausgeschlossen.

Woher kommen die toten Schwäne auf Rügen?
Zugvogel-Experten halten es für sehr unwahrscheinlich, daß die Schwäne selbst das Virus aus Asien nach Deutschland eingeschleppt haben, weil diese nicht so viele Kilometer zurücklegen. Möglicherweise haben es andere Vogelarten mitgebracht, die zwar infiziert sind, aber selten erkranken, wie zum Beispiel Enten.

Sind Haustiere gefährdet?
Solange Hausvögel nicht mit Wildvögeln in Berührung kommen, sind sie nicht weiter gefährdet. Der Kontakt sollte aber, zum Beispiel bei Volieren im Freien, vermieden werden. Daher sind viele Gehege in Zoo und Tierparks mit Planen abgedeckt. Experten halten das Ansteckungsrisiko für Hunde und Katzen in Deutschland für gering. In Zoos in Asien haben sich aber schon Tiger und Jaguare angesteckt, denen infiziertes Vogelfleisch verfüttert worden war.

Kann man sich beim Baden anstecken?
Gewässer können durch Kot von Zugvögeln belastet sein. Die Verdünnung ist aber so hoch, daß beim Schwimmen in Badeseen oder auch in der Ostsee vor Rügen keine Gefahr besteht.

Wann ist die Vogelgrippe zum ersten Mal aufgetreten?
Im Jahr 1997 treten die ersten Fälle von Vogelgrippe des Subtyps H5N1 auf. Im Mai stirbt ein dreijähriger Junge an der Erkrankung. Ende 2003 grassiert die Seuche in Thailand, Vietnam, Südkorea und Japan. Danach breitet sich das Virus von Asien über Rußland nach Europa aus. Schon vor 2003 hatte es auch in Deutschland Fälle von Geflügelpest gegeben, allerdings verursacht von wesentlich weniger aggressiven Subtypen des Virus, etwa H7N7.

Wieviele Menschen sind bislang an der Vogelgrippe gestorben?
Bislang sind weltweit etwa 90 Menschen, darunter viele Kinder, an der Erkrankung gestorben. Einige Patienten haben die Infektion aber auch überlebt.

Welche Länder sind bislang betroffen?
Tote gab es in China, Thailand, Vietnam, Südkorea, Japan, Indonesien, Kambodscha. Auch in Kasachstan, Rußland, Rumänien, Griechenland, Italien, Slowenien, Iran, Ukraine, Bulgarien, Österreich und der Türkei wurden Fälle bereits nachgewiesen. Nach dem deutschen Fall gibt es auch Verdachtsfälle in Dänemark.

Muß man Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, wenn man in diese Länder reist?
In den europäischen Ländern sind derzeit keine besonderen Vorsichtsmaßnahmen empfohlen. Man sollte jedoch überall freilaufendes Geflügel und Wildvögeln meiden. Allein Asien-Reisenden wird momentan geraten, sich vor Abflug Medikamente wie Tamiflu zu besorgen.

Text: @one mit Material von Reuters, dpa, AP, AFP
Bildmaterial: AP, dpa, dpa/dpaweb, picture-alliance/ dpa/dpaweb

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