Weltaidstag

Fast vierzig Millionen sind infiziert

Sieh hin: Aids ist überall

Sieh hin: Aids ist überall

01. Dezember 2006 In diesem Jahr haben sich etwa 4,3 Millionen Menschen auf der Welt mit dem HI-Virus infiziert. "Diese Zahl enthält schätzungsweise 3,8 Millionen Erwachsene und 530 000 Kinder, die jünger als 15 Jahre alt sind. Alle acht Sekunden infiziert sich ein Mensch mit dem Virus", sagte der Regionaldirektor von UN-Aids, Bertil Lindblad, in Berlin bei der Vorstellung des Aids-Statusberichts 2006. Damit lebten jetzt 39,5 Millionen Menschen auf der Welt mit dem Virus, davon seien 17,7 Millionen Frauen und 2,3 Millionen Kinder. Im Vergleich zu 2004 sei die Zahl der mit der Immunschwächekrankheit infizierten Menschen um 2,6 Millionen gestiegen, heißt es in dem Bericht. Ungeschützter Sex, Geschlechtsbeziehungen zwischen Männern und der Konsum injizierbarer Drogen seinen die Gründe für den Anstieg der Erkrankungen.

Vor allem die südlich der Sahara gelegenen afrikanischen Länder litten unter der Epidemie: Mit 24,7 Millionen Menschen lebten zwei Drittel aller Infizierten in dieser Region. Dabei trügen in der gesamten Region die Frauen einen unverhältnismäßig hohen Anteil der Aids-Last. Sie infizierten sich nicht nur mit einer höheren Wahrscheinlichkeit mit dem Virus, sondern sie betreuten auch in den meisten Ländern die infizierten Menschen. Auf zehn Männer mit dem HI-Virus kämen in der Region südlich der Sahara 14 erkrankte Frauen. Im vergangenen Jahr sei in Swasiland jeder dritte Erwachsene mit dem HI-Virus infiziert gewesen.

Es fehlen sechs Milliarden Dollar

Seit 2004 sei auch in Ost- und Zentralasien sowie in Osteuropa die Zahl der Menschen mit HIV um 21 Prozent gestiegen. Neunzig Prozent der Infizierten lebten in Rußland und der Ukraine. In der Mehrzahl der Fälle hätten sie sich durch die Nutzung nicht sterilen Drogenbestecks mit der Immunschwächekrankheit angesteckt. In Deutschland gibt es nach Auskunft der Aids-Stiftung 49.000 HIV-Infektionen, 6000 Personen seien an Aids erkrankt. Seit Ausbruch der Epidemie zu Beginn der achtziger Jahre seien in Deutschland 26.000 Personen an Aids gestorben. Jährlich infizierten sich 2500 Personen neu, teilte die Aids-Stiftung mit.

Nach Schätzungen von UN-Aids werden 2006 etwa 15 Milliarden Dollar für den Kampf gegen Aids benötigt, zur Verfügung stünden auf der Welt allerdings nur neun Milliarden Dollar.

Die größte Herausforderung unserer Generation

Aus Anlaß des Welt-Aids-Tags am Freitag rief auch der Generalsekretär der Vereinten Nationen Kofi Annan die Staatengemeinschaft zum engagierten Kampf gegen die Immunschwächekrankheit auf. "Wir müssen wie nie zuvor dagegen mobilisieren", sagte Annan in einer Kirche in New York unter Hinweis auf die weiter steigenden Infektionszahlen. Aids sei "die größte Herausforderung unserer Generation", sagte Annan. Es gebe aber Anlaß zur Hoffnung, das von den Vereinten Nationen beschlossene Ziel zu erreichen, die Epidemie bis zum Jahr 2015 zum Stillstand zu bringen und dann zurückzudrängen.

Auf der ganzen Welt machten Aktivisten am Freitag auf die Gefahren von Aids aufmerksam und zeigten Solidarität mit den Opfern. Große Kundgebungen gab es unter anderem in Indien, dem Land, das in absoluten Zahlen die meisten Infektionen registriert hat, und in Kenia. In China, wo noch bis vor wenigen Jahren das Problem heruntergespielt wurde, berichteten staatliche Medien am Freitag von Aufklärungsaktionen in Schulen.

Die tatsächliche Zahl der Infektionen liegt viel höher

In der Hauptstadt Peking verteilten Tausende Taxifahrer Informationen über den Schutz vor Ansteckung mit Adressen von Gesundheitsstationen und dem Aufruf, HIV-Infizierte nicht zu stigmatisieren. Nach den jüngsten Veröffentlichungen des chinesischen Gesundheitsministeriums stieg die Zahl der registrierten HIV-Infektionen in den ersten zehn Monaten dieses Jahres um 30 Prozent auf mehr als 180 000. Fachleute nehmen an, daß eine Großzahl der Fälle nicht bekannt ist und beziffern die tatsächlichen HIV-Infektionen auf das Vier- bis Fünffache.

Auch Nordkorea wies in seinen staatlichen Medien auf die Notwendigkeit hin, gegen die Immunschwächekrankheit vorzugehen. Die nordkoreanische Strategie von Prävention und Kontrolle habe bislang Infektionen in dem Land verhindert, hieß es in einem von der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA übermittelten Artikel der Zeitung "Minju Joson". Unabhängige Angaben aus dem isolierten Nordkorea gibt es dazu nicht.

Text: mmue./ami./wer. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2. Dezember 2006
Bildmaterial: AFP, AP, dpa, REUTERS

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