14. Oktober 2004 Anwälte der Hinterbliebenen möglicher Opfer des Rheumamittels Vioxx haben bei der Staatsanwaltschaft München erste Strafanzeigen gestellt. Es gebe den Anfangsverdacht der fahrlässigen Tötung und der Körperverletzung, sagte am Donnerstag der Berliner Anwalt Andreas Schulz, der nach eigenen Angaben zahlreiche mögliche Vioxx-Opfer vertritt. Die Ermittler sollen herausfinden, ob der in den Vereinigten Staaten ansässige Vioxx-Hersteller Merck Informationen über gravierende Nebenwirkungen wie Schlaganfälle oder Herzinfarkte zurückgehalten habe.
Das weltweit millionenfach verordnete Schmerz- und Rheumamittel war zum 30. September vom Markt genommen worden. Grund war nach Darstellung des Unternehmens eine neue Langzeitstudie, nach der Herzinfarkte und Schlaganfälle bei einer Vioxx-Einnahme von 18 Monaten oder mehr erheblich zunahmen. Nach Hochrechnungen von Experten könnte es auch in Deutschland bis zu 2700 Fälle von Herzinfarkten oder Schlaganfällen im Zusammenhang mit Vioxx gegeben haben. Vermutet werden dabei zahlreiche Todesfälle.
Anfangsverdacht gründet auf Expertenaussagen
Anwalt Schulz sagte, er habe inzwischen etwa 500 Anfragen von besorgten Vioxx-Patienten und ihren Angehörigen gehabt. Diese müßten nun geprüft werden. Die Strafanzeige in München - am Firmensitz des deutschen Merck-Ablegers MSD - solle zur Aufklärung des Sachverhalts und der Vorwürfe möglicher Versäumnisse des Unternehmens dienen.
Der Anfangsverdacht der Vertuschung gründe sich auf Expertenaussagen. Konkret handele es sich zunächst um den Fall eines 62jährigen inzwischen verstorbenen Vioxx-Patienten. Sollte dem Unternehmen tatsächlich mangelhafte Informationen über bekannte Risiken nachgewiesen werden, wäre dies relevant für zivilrechtliche Schadenersatzansprüche. Dazu laufen bereits Sammelklagen in den Vereinigten Staaten. Schulz dämpfte allerdings grundsätzlich die Erwartung deutscher Patienten an große Abfindungssummen. Es handele sich um ein schwieriges Verfahren.
Text: FAZ.NEt mit Material von AP
Bildmaterial: AP