Spanien

Eine Million Wohnungen stehen leer

Von Peter Odrich, Madrid

Vor der Kulisse unverkaufter Neubauhäuser macht Golfen in Aranjuez in Spanien...

Vor der Kulisse unverkaufter Neubauhäuser macht Golfen in Aranjuez in Spanien auch nicht mehr Spaß

04. Januar 2009 Zum Jahresbeginn 2009 hat sich in Spanien eine Halde von nahezu einer Million unverkauften Neubauwohnungen und Einfamilienhäusern angehäuft. Bis dieser Bestand auf ein normales Maß zurückgeführt sein dürfte, werden nach Ansicht von Banken mindestens fünf bis sechs Jahre vergehen. Der Neubau ist zwar nicht zum Erliegen gekommen, aber in seiner Dynamik erheblich gebremst. Ruhe ist eingekehrt. Das schlägt sich im Erscheinungsbild der Straßen nieder. Jahrelang waren an den Baustellen die Straßen zugeparkt. Heute lässt es sich bequem parken.

Zu den arbeitslosen Bauarbeitern zählen nicht nur Hunderttausende von Marokkanern, die der lange andauernde Bauboom nach Spanien gelockt hat. Sie sind zu Löhnen zu haben, zu denen kein spanischer Fachmann nach seinem Werkzeug greifen würde. Deshalb sind immer noch Marokkaner auf den hiesigen Bauplätzen zu sehen - allerdings erheblich weniger als zuvor. Viele spanische Baufirmen wollen ihre Projekte fertigstellen, obwohl relativ sicher ist, dass die meisten der neuen Wohnungen und Häuser viele Jahre leer stehen werden.

Ein wesentlicher Grund sind die Bauvorschriften. Sie erfordern selbst für kleinere Umbaumaßnahmen eine Bearbeitungszeit von sechs Monaten und mehr. Außerdem haben die meisten Baugenehmigungen eine zeitlichen Begrenzung - so wird oft weitergebaut, ehe die Gültigkeit der Baugenehmigung erlischt. Hinzu kommt, dass mancher Grundstücksverkauf eine vorhandene Baugenehmigung einschließt, die der bisherige Besitzer aus finanziellen Gründen nicht nutzen konnte. Wird sie vom Käufer nicht innerhalb der normalen Fristsetzung genutzt, erlischt sie.

Auch Feriendomizilien sind betroffen

Der Baumarkt unterscheidet sich allerdings je nach Segment: So gibt es eine erhebliche Zahl von Wohnobjekten, die für spanische Käufer konzipiert sind. Hier sind die größten Absatzschwierigkeiten zu beobachten. Und diese Probleme werden auch in diesem neuen Jahr nicht nachlassen - weil es an Käufern mangelt und die Banken in der Hypothekenbewilligung äußerst zurückhaltend geworden sind. Auf der anderen Seite gibt es das große Segment der Wohnungen und Häuser, die mit Blick auf Käufer aus dem Ausland geplant wurden.

Dabei geht es von den Standorten her vor allem um die spanische Mittelmeerküste, die Balearen und die Kanarischen Inseln. Hier ist eine Teilung des Marktes zu beobachten. Neu errichtete Ferienwohnungen klassischen Zuschnitts sind kaum gefragt. Hier gibt es ein großes und äußerst preiswertes Angebot aus zweiter oder dritter Hand.

Ganz anders bietet sich der Markt für gehobene Wohnungen und Einfamilienhäuser, die von ihrer Ausstattung und Anlage her als Dauerwohnsitze konzipiert sind. Hier gibt es - vor allem entlang der Küsten und auf den Inseln - ein beachtliches Käuferinteresse aus dem Ausland; das berichten Banken und Immobilienmakler.

Deutsche und Briten suchen immer noch Alterssitze

Für den Käuferkreis der Ausländer, die sich dauerhaft in Spanien niederlassen wollen, werden nach wie vor komfortable, vielfach sogar recht große und teure Wohnungen und Häuser gebaut, obwohl es auch hier ein nennenswertes Angebot an Gebrauchtobjekten gibt.

Das Interesse von Mitteleuropäern - vor allem von Deutschen und Briten -, einen Alterswohnsitz in der Sonne zu haben, ist unverändert groß. Diese Einschätzung wird auch von den regionalen Behörden geteilt, die sich intensiv um die Ansiedlung solcher Ausländer bemühen.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP

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