Naturteich am eigenen Haus

Badespaß mit Ente

Von Birgit Ochs

16. Juni 2008 Wenn Gabriele Friedrichs auf ihren Badeteich zu sprechen kommt, gerät sie ins Schwärmen: von der Pracht der Seerosen, der Anmut des Schilfs, den tollkühnen Sturzflügen der Schwalben hinab ins Wasser, vom Liebesspiel der Libellen. Gleich, ob sie auf der Terrasse oder an einem warmen Abend auf dem Holzsteg sitzt: „Der Teich bietet immer ein besonderes Erlebnis“, sagt sie. „Vor allem aber: herrlich weiches Wasser.“

Als die Informatikerin aus Norddeutschland und ihr Mann sich vor zehn Jahren einen Badeteich anlegen ließen, war das noch ungewöhnlich. Der Schwimmteichbau war hierzulande keine weitverbreitete Disziplin, Informationen waren rar, ebenso Anbieter, und entsprechend brauchten die Friedrichs eine Weile, bis sie sich kundig gemacht hatten.

250 Quadratmeter eigener Teich

Ein Landschaftsplaner baute ihnen für ihr 400 Quadratmeter großes Grundstück einen 250 Quadratmeter großen Teich: mit Steg, Sandstrand und einer Schwimmzone, die an ihrem tiefsten Punkt 2,50 Meter misst. „Das ist etwas anderes als ein nach Chlor riechender Swimming-Pool, zumal ich die Chemie auf der Haut nicht vertrage“, sagt Friedrichs.

Mit ihrer Haltung steht sie nicht allein. In Haus und Garten soll es möglichst natürlich zugehen, zumindest theoretisch. „Immer mehr Eigenheimbesitzer verwandeln ihre Gärten in Idyllen mit privaten Teichanlagen“, meldet die BHW Immobilien GmbH und zeichnet damit zugleich ein Bild ungetrübter Freude am Gewässer. Auf Nachfrage hat die BHW zwar keine Zahlen parat, verweist aber auf die Erfahrung aus ihrem Maklergeschäft.

Riesiges Interesse in diesem Jahr

Das Interesse sei in dieser Saison „wirklich irre“, bestätigt auch Carsten Becker von der B & N Naturbäder OHG im nordrhein-westfälischen Lengerich. „Zum ersten Mal kommen wir kaum noch den Aufträgen hinterher“, sagt der Landschaftsarchitekt, der seit 15 Jahren im Teichbaugeschäft tätig ist. Und auch Badeteich-Besitzerin Friedrichs, die eine Homepage zum Thema betreibt, hat in jüngster Zeit eine deutlich gestiegene Zahl von E-Mails gezählt, in denen sie um Rat gefragt wird.

So viel Interesse war nie. „Allerdings auch nicht so viel Fehlinformation“, kritisiert Ralf Glenk, der Schwimmteichbedarf für Selbstbauer anbietet. Die Erwartungshaltung sei enorm hoch - und widersprüchlich: Einerseits soll der Teich naturbelassen sein, andererseits aber das Wasser kristallklar. „In der Werbung sieht das immer alles so proper aus“, hat Glenk beobachtet: Der Sand leuchtet weiß, der Steg ist aus hellem Holz, das Wasser lockend wie in der Karibik.

Entsprechend groß sei oft die Enttäuschung „Die Natur entspricht nun mal nicht diesen ästhetischen Vorstellungen“, gibt der Fachmann zu bedenken. Auch Teichbesitzerin Friedrichs kennt die Klage: „Es ist immer dasselbe, die Leute vergessen, dass die Natur ihren eigenen Gesetzen folgt.“ Zu diesen zählt die Teichblüte im Frühjahr. „Die gehört dazu und vergeht nach zwei, drei Wochen wieder“, sagt Friedrichs.

Ein Teich ist kein gefliestes aseptisches Schwimmbecken

Anders als ein gefliestes Schwimmbecken ist der Teich Lebensraum: für Tiere, Pflanzen, Mikroorganismen, Bakterien. Die Friedrichs hat das nicht geschreckt. Ihren Teich teilen sie mit Kois und kleinen Seebarschen - auch wenn viele Fachleute wegen der Verschmutzung davon abraten, Fische anzusiedeln. Für Friedrichs ist das kein Problem. Die Fische fressen sich nicht nur gegenseitig die Brut auf und nehmen so nicht überhand, sie verspeisen auch kleinere, unangenehme Wasserbewohner wie Blutegel. „Das funktioniert“, sagt die Badeteichbesitzerin.

Als Pioniere wählten sie eine Variante, die noch mit verhältnismäßig wenig Technik auskommt. In ihrem großzügigen Gewässer entspricht das Verhältnis zwischen Badezone und der sogenannten Regenerationsfläche eins zu eins. Im Prinzip ist jede Teichanlage so aufgebaut: ein Abschnitt zum Schwimmen und Plantschen mit entsprechender Tiefe, ein zweiter, flacherer Teil, der bepflanzt ist, in dem Mikroorganismen das Wasser reinigen. „Die Pflanzen sind wichtig, sie nehmen Nährstoffe auf. Fehlen sie, bilden sich Algen“, erklärt die Norddeutsche. Gute Nährstoffverwerter sind ihrer Erfahrung nach Seerosen. „Es empfehlen sich alle Pflanzen, die Masse bilden“, ergänzt Teich-Fachmann Carsten Becker und nennt: Gras, Binsen, Rohrkolben.

Kleine Teiche brauchen Pumpen und Filter

In einem kleinen Teich spielt die Technik eine größere Rolle. „Schon auf 40 bis 60 Quadratmetern kann man einen Teich bauen“, sagt Ralf Glenk: Pumpe, Filter und ein Skimmer, wie ein Gerät heißt, das die Oberfläche absaugt - zählen zu den Standards, wie er berichtet. Pflanzen seien dann weniger wichtig.

Je mehr Technik zum Einsatz kommt, desto weniger Arbeit haben die Besitzer mit ihrem Teich. „Je natürlicher, desto mehr Pflege ist nötig, das ganze Jahr über“, gibt Teichbauer Becker zu bedenken und kennt einige, die damit überfordert sind. Gabriele Friedrichs weiß, wovon die Rede ist. Ihr Grundstück liegt in einer Auenlandschaft. Von den nahen Feldern wehen Rapsblüten, von den Bäumen Laub und Nadeln aufs Wasser.

Doch nicht nur die Oberfläche bedarf der Reinigung, auch der Grund. Dort bildet sich Schlamm, der beim Schwimmen aufgewühlt wird. Friedrichs haben daher in einen Sauger investiert, der regelmäßig den Morast absaugt. Den zeitlichen Einsatz für die Teichpflege schätzt Planer Becker auf eins bis zwei Stunden in der Woche.

Naturbecken werden technisch aufgerüstet

Seiner Beobachtung nach wird im Naturbecken zunehmend mit Technik geklotzt. „Der Aufwand ist immens, nicht immer gerechtfertigt und trägt auch nicht unbedingt zur Kundenzufriedenheit bei“, kritisiert der Landschaftsarchitekt. Denn die Gerätschaften erhöhen nicht nur die Anfangsinvestition, auch die Unterhaltungskosten des Gewässers steigen damit.

Überhaupt die Kosten. Die hängen letztlich von Größe und Ausstattung des Teichs ab. Wer sich das Gewässer selbst anlegt, kann nach Angaben von Teichfachmann Glenk schon mit 5000 Euro auskommen - fürs Material. Als teuerste Anschaffungen nennt er mit je 1500 Euro die Folie, die den Grund abdeckt, und die Technik. Der restliche Betrag entfällt auf den Kauf von Kies und Sand sowie die Miete für den Bagger. In diesem Fall ist allerdings ein Maximum an Eigenleistung nötig und die Ausstattung spartanisch - Holzsteg, Natursteinufer, hübsche Pflanzen fehlen dann noch.

Vorsicht bei zu günstigen Angeboten

Wer einen Fachmann mit Planung und Bau beauftragt, muss im Schnitt nach Angaben Beckers mit einer Investition von 30.000 bis 40.000 Euro rechnen. Dafür sollte er dann aber auch einen komplett angelegten Teich bekommen. „Das ist dann aber schon der obere Preisbereich“, urteilt Christian Klute von der Deutschen Gesellschaft für naturnahe Badegewässer e.V. Auch für den schmaleren Geldbeutel gibt es seinen Angaben nach Angebote - im Schnitt durchaus zum Preis eines Mittelklassewagens. „Vorsicht vor Billigbauweisen. Wenn Teichbauer eine Anlage für 5000 Euro anbieten, dann stimmt etwas nicht“, warnt Klute.

Das Ehepaar Friedrichs hat sowohl viel Geld als auch viel Zeit in seine kleine Anlage gesteckt. Doch der Einsatz hat sich gelohnt. Jetzt, da es auch im Norden heiß ist und die Wassertemperatur im Badeteich bereits bei 24 Grad liegt, schwärmt Gabriele Friedrichs: „Das ist ein Stückchen Urlaub direkt an der eigenen Terrasse.“



Text: F.A.S.
Bildmaterial: dpa, F.A.Z. / Wolfgang Eilmes

 
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