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| Finanzportfolios verwalten - das darf nicht jeder |
20. November 2009
So richtig hart setzt die Finanz- und Wirtschaftskrise den Angestellten in den Banken nicht mehr zu. Man hat den Eindruck, das Schlimmste ist überstanden, und Boni fließen auch schon wieder. Eberhard Heck vom Privatbankier Hauck & Aufhäuser glaubt aber dennoch gerade in den Großbanken einige unzufriedene Mitarbeiter zu entdecken, die nach Jahren auf derselben Stelle noch mal etwas Neues wagen wollen. Und weil Heck das Geschäftsfeld Unabhängige Vermögensverwalter leitet, hat er zumindest für die in der Betreuung gehobener Kundschaft erfahrenen Mitarbeiter auch gleich eine Lösung parat: die Selbständigkeit als Vermögensverwalter.
Wer auf dem Konto des Kunden disponieren will, muss hohe Qualitätsstandards erfüllen. Verwalter, das ist die Königsdisziplin, sagt Heck. Aber gemach, auf dem Weg stehen einige Hürden. Die Finanzmarktrichtlinien ziehen Grenzen, man braucht drei oder mehr Jahre Berufserfahrung als Anlageberater in verantwortlicher Position. Mindestens 50.000 Euro Eigenkapital sind erforderlich und eine Vermögensschadenshaftpflichtversicherung, man braucht einen guten Geschäftsplan, ein einigermaßen präsentables Büro, eine Sekretärin mindestens halbtags, ebenso einen Buchhalter, einen Steuerfachmann auch für das Wirtschaftsprüfertestat, juristischen Beistand für saubere Verträge und die Einhaltung der Compliance-Vorschriften sowie eine leistungsfähige Informationstechnologie (IT).
Die Faustformel: 50 Millionen Euro sollte man unter Management haben
Die IT kann man eventuell auslagern, dann aber sollte man wissen, wie Outsourcingverträge auszusehen haben. 150.000 Euro Jahresaufwand ohne Personalkosten, also auch ohne eigenes Gehalt, sind die Untergrenze, sagt Heck, womit die Frage bleibt, wie viel Geld dafür verwaltet werden muss. Heck nennt eine Faustformel: 50 Millionen Euro sollte man unter Management haben. Mit rund 0,75 Prozent Verwaltungsgebühr bleiben 370.000 Euro. Ist es weniger, wird es knapp. Das allerdings sei eine verlockende Größenordnung, denn ein Anlageberater, der 80 Millionen Euro verwalte, verdiene in einer Großbank etwa 85.000 Euro im Jahr inklusive 15.000 Euro Bonus, schätzt Heck. Zudem sei er ständigem Druck der Vertriebsabteilung ausgesetzt, habe Rennlisten mit Mengenorientierung vor der Nase.
Wer nun im für dieses Geschäft typischen Alter von 38 bis 45 Jahren mit dem Gedanken spielt, seinem Arbeitgeber Großbank den Rücken zu kehren, sollte jedenfalls nach Ansicht des Hauck-Vermögensverwalters keine Gewissensbisse haben. Die Depots bleiben der Bank erhalten. Wer vermögende Kunden betreuen will, braucht ohnehin drei Bankverbindungen: eine Privatbank, eine Großbank und eine Direktbank, meint Heck. Schließlich gehe es um ganzheitliche Betreuung, da dürfe man sich nicht zu schade für den Verkauf eines Sparplans für die Kinder sein, und ein Unternehmer wolle auch mal eine Finca auf Mallorca erwerben.
Heck gibt unumwunden zu, dass das Umfeld wegen der enger werdenden Regularien nicht gerade förderlich für den Schritt in die Selbständigkeit ist. Aber die Nachfrage sei da: Der Markt der Finanzportfolioverwalter ist derzeit grob geschätzt 40 Milliarden Euro groß. Und das Volumen nimmt zu, denn das Etikett unabhängig wird von der Kundschaft mehr denn je geschätzt, sagt er. Völlig altruistisch macht er den angestellten Anlageberatern natürlich nicht Mut. Hauck & Aufhäuser bietet in der Gründungsphase Begleitung an und hofft so auf neue Geschäftsbeziehungen in einem recht exklusiven Zirkel.