31. August 2006 Die Deutsche Bahn AG will nach Informationen der F.A.Z. zum Fahrplanwechsel den ICE-Verkehr auf der Neubaustrecke zwischen Frankfurt und Köln deutlich verdichten. Künftig soll es zwischen beiden Städten einen echten Halbstundentakt geben, wie es hieß. Unter anderem reagiert die Bahn damit auf zusätzlichen Verkehr auch auf dieser Strecke durch die Inbetriebnahme der neuen Hochgeschwindigkeitslinie im Süden zwischen Nürnberg und München.
Es soll mehr Linien geben; außerdem sollen Züge, die bislang in Köln nur den Bahnhof Deutz und in Frankfurt nur den Südbahnhof anfuhren, in beiden Städten bis zum Hauptbahnhof durchfahren. Das solle den Komfort auf der Strecke verbessern, hieß es aus Bahnkreisen. Bis 2008 solle außerdem der Bahnknoten in Köln so umgebaut werden, daß sich die Fahrzeit zwischen Frankfurt und Köln um weitere zehn Minuten verringere.
2500 Reisende pro Tag in Limburg
Die Bahnhöfe in Limburg und Montabaur, die bei der Planung der 177 Kilometer langen Neubaustrecke umstritten gewesen waren, sollen inzwischen gut angenommen werden. Beim Start der Strecke im Jahr 2002 hatte die Bahn auf Druck der Länder Hessen und Rheinland-Pfalz zunächst garantiert, daß man bis 2007 mit einem Teil der ICE-Züge zwischen Frankfurt und Köln jeweils entweder in Limburg oder Montabaur Station machen werde. Danach wolle man prüfen, ob es sich lohne, und neu entscheiden. Die Fachzeitung Eisenbahn-Magazin berichtet jetzt, mittlerweile seien beide Bahnhöfe nicht mehr in ihrer Existenz gefährdet. Die Bahn hatte mehr als 2000 Reisende pro Tag als Minimum gefordert. Limburg soll mittlerweile bei 2500, Montabaur bei 2200 Reisenden am Tag liegen. Viele von ihnen sind offenbar Pendler, die vor allem nach Frankfurt und Köln, zum Teil aber auch nach Wiesbaden zur Arbeit fahren.
Zu den Berufsverkehrszeiten soll es durch die Pendler in den eigentlich für weite Strecken gedachten ICE-Zügen schon eng werden. In einer aufwendigen Diplomarbeit Der ICE als Pendler- und Vorortzug? hat sich eine Studentin an der Universität Trier bei dem renommierten Verkehrsexperten Heiner Monheim mit dem Thema befaßt - und, unterstützt vom Westerwaldkreis, eine repräsentative Reisendenbefragung organisiert. Das Ergebnis: Von 300 Reisenden in Montabaur, die morgens zur Stoßzeit dort ein- oder abends dort ausstiegen, gaben 288 an, täglich mit dem ICE zur Arbeit zu pendeln. Die Mehrheit arbeitete in Frankfurt in der Stadt oder am Flughafen.
Eigene ICE-Linie für den Regionalverkehr
Das widerspricht dem ursprünglich von der Bahn angestrebten Konzept der ICE-Züge als Punkt-zu-Punkt-Verbindung zwischen den Großstädten. Unter anderem aus solchen Erwägungen heraus hatte sich die Deutsche Bahn AG bei der Planung der Strecke gegen die Zwischenhalte in Limburg und Montabaur ausgesprochen.
Offenbar will man bei der Bahn nun die Pendlerströme und die Fernreisenden langfristig trennen, damit sie sich nicht in die Quere kommen. Schon zum 10. Dezember sollen deshalb Züge eingeführt werden, die nur zwischen Köln und Frankfurt fahren - gleichsam eine eigene ICE-Linie für den Regionalverkehr. Auf der anderen Seite sollen bei einigen Fernzügen die Halte in Limburg und Montabaur gestrichen werden, damit für Fernreisende weniger Unbequemlichkeiten durch zusätzlich einsteigende Pendler entstehen.
Unter dem Strich werden in Limburg und Montabaur damit - nach allem, was man hört - nicht mehr ICE-Züge halten als bisher. Im Gegenteil: In Limburg soll es im Fahrplan künftig nur noch 40 ICE-Halte geben statt 42, und in Montabaur soll die Zahl bei 39 bleiben. Allerdings sollen Pendler davon profitieren, daß sie durch die Veränderung einiger Linien in Frankfurt und Köln öfter als bisher zu den Hauptbahnhöfen durchfahren können. Offiziell gab man sich bei der Deutschen Bahn AG zu den Plänen gestern sehr bedeckt; in der nächsten Woche werde es eine Pressekonferenz geben, hieß es.
Text: F.A.Z., 01.09.2006
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