Landwirtschaft

Feld mit Gen-Mais zerstört

Von Thorsten Winter

21. Mai 2007 Ein Feld am Rande von Gießen, auf dem unter anderem gentechnisch veränderter Mais ausgesät worden war, ist in der Nacht zum Montag in Teilen verwüstet worden. Dort wollten Forscher der Universität bis zum Herbst auf rund 700 Quadratmetern 60 Maissorten wachsen lassen, darunter acht gentechnisch veränderte Saaten, um deren die Anbau- und Verwertungseigenschaften zu testen. Doch nach dem Überfall können sie ihren Plan, der auf einem Auftrag des Bundessortenamts in Hannover fußt, zu den Akten legen. Auf etwa der Hälfte des Feldes sind die jungen Kornpflanzen in einem Ausmaß geschädigt worden, dass die sogenannte Wertprüfung abgebrochen wird. Dies sagte Volker Klemm, der beim Bundessortenamt für Wertprüfungen von Mais und Futterpflanzen zuständig ist, gestern dieser Zeitung. Die Behörde verantwortet die Zulassung von Pflanzensorten, ohne die es nicht möglich ist, das jeweilige Saatgut in Deutschland zu vertreiben.

Wie eine Sprecherin der Universität mitteilte, wurde der Zaun um das Versuchsfeld an zwei Stellen aufgeschnitten, bevor es zu den Übergriffen kam. Der Überfall auf das Maisfeld kam nicht überraschend. Die Wissenschaftler um Professor Wolfgang Friedt vom Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung mussten nach einer Drohung auf einer einschlägigen Internetseite mit Übergriffen rechnen. Angesichts dessen war die Polizei gebeten worden, regelmäßig auf dem Maisfeld nach dem Rechten zu sehen. Um den Acker aber rund um die Uhr bewachen zu lassen, fehlte es den Forschern nach seinen Worten am nötigen Geld. Im Gegensatz dazu lässt Friedts Kollege Karl-Heinz Kogel vom Gießener Institut für Pflanzenkrankheiten ein Feld auf Universitätsgelände, auf dem ein Versuch mit gentechnisch veränderter Gerste im zweiten Jahr läuft, ständig bewachen. Denn am Pfingstwochenende des vergangenen Jahres war es auch dort zu Übergriffen gekommen.

Polizei fehlen noch Hinweise auf Täter

Die nun zwangsweise abgebrochene Wertprüfung in Gießen war einer von drei Feldversuchen mit gentechnisch veränderten Getreidesorten in Hessen. Ziel war, Maissorten deutscher Hersteller zu untersuchen, die ein von dem amerikanischen Unternehmen Monsanto entwickeltes Gen gegen den Schädling Maiszünsler enthalten: Diese Pflanzen erzeugen ein Gift und wehren sich damit gegen den Maiszünsler, einen bräunlichen Falter, dem Mais sonst als Nahrungsquelle dient. Der Freilandversuch war von verschiedener Seite, so von Imkern und auch anderen Forschern, kritisiert worden. Friedt hatte ihn aber mit dem Hinweis auf den Nutzen für die Landwirtschaft verteidigt.

Wer für den Überfall verantwortlich ist, liegt noch im dunkeln. Die Gießener Polizei hat nach Angaben eines Sprechers noch keine Erkenntnisse, die auf die oder den Täter hindeuten. Die Universität und das Bundessortenamt wollen dessen ungeachtet Strafanzeige wegen Sachbeschädigung und Hausfriedensbruchs stellen.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: picture-alliance / dpa/dpaweb

 
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