Hochschule für Gestaltung

Am schillernden Fluss der schöpferischen Energie

Von Michael Hierholzer

Ausblick auf den Tag der offenen Tür: zwei Studentinnen der Hochschule für Gestaltung

Ausblick auf den Tag der offenen Tür: zwei Studentinnen der Hochschule für Gestaltung

10. Juli 2009 Der Kutter „Gaby“ verkehrt zwischen dem Campus und dem Hafen 2, wo dereinst einmal das neue, größere, womöglich baukünstlerisch einzigartige Gebäude der Offenbacher Hochschule für Gestaltung stehen soll. Man kann jedoch auch mit den Leihfahrrädern der Deutschen Bahn vom einen zum anderen Hauptschauplatz des diesjährigen „Rundgangs“ gelangen. Statt wie im vorigen Jahr nach Osten zu expandieren, führt die Schau 2009 die Besucher tief in den Offenbacher Westen und sogar bis über die Stadtgrenze hinaus zum Atelierschiff, das schon auf Frankfurter Gebiet dümpelt. Ein symbolischer Akt. Es geht um die Region. Und um die Vision einer umfassenden kulturellen Kraftbündelung. Dass sich die Selbstdarstellung der Hochschule so nah ans Wasser geschoben hat, ist auch ein Hinweis auf künftige Möglichkeiten: Zum Main hin schließlich drängt es die HfG.

Ein „Platzhalter“ sei die ehemalige „Ölhalle“ gewissermaßen, sagt Präsident Bernd Kracke, der das Vergrößerungs- und Verlagerungsprojekt vorantreibt. Und mit exakter Phantasie in die Zukunft einer Hochschule blickt, die nicht nur mit anderen namhaften Kunstinstitutionen des Rhein-Main-Gebiets in räumlich-architektonischer Verbindung stehen, sondern auch Firmen anlocken wird, die von der schöpferischen Arbeit an den Nahtstellen von Kunst, Technik, Design, Neuen Medien zehren. Nicht mehr auf die Mole, sondern auf das Ufer konzentrieren sich derzeit die Pläne. Und die Lage der „Ölhalle“, wo früher Schmiermittel für Schiffe und Hafenanlagen gehortet wurden, bezeichnet ungefähr den Wunschort für das künftige Domizil der in alle künstlerischen und designtechnischen Richtungen offenen Akademie.

Auch diese Werke zählen zu den Arbeiten, die beim Tag der offenen Tür der Hochschule für Gestaltung zu sehen sind

Auch diese Werke zählen zu den Arbeiten, die beim Tag der offenen Tür der Hochschule für Gestaltung zu sehen sind

Im Augenblick jedoch ist der gewaltige Lagerraum unmittelbar am Main Ausstellungsstätte beim Rundgang 2009. Studenten präsentieren ihre Arbeiten, schaffen eine monumentale Momentaufnahme ihrer Hochschule, bilden sämtliche Aktivitäten ab, die gegenwärtig dort stattfinden. Von heute an bis zum 12. Juli sind auf dem Campus, im Gemeindesaal des Evangelischen Kirchengemeindeverbandes, auf dem „Kulturgleis“, im Klingspor-Museum, auf dem Atelierschiff der Stadt Frankfurt Ergebnisse des kreativen Geistes, der in Offenbach waltet, zu erleben. In der „Ölhalle“ am Hafen aber haben Maler, Bildhauer, Fotokünstler Gelegenheit, ihre zum Teil riesigen Formate zu zeigen. Dabei bleiben der Werkstattcharakter, die Ateliersituation, das Prozesshafte der künstlerischen Tätigkeit erhalten. Von Patrick Raddatz etwa, der bei Fotografieprofessor Martin Liebscher studiert, sind Aufnahmen aus einer Serie zu sehen, in der es um Erinnerung und Wahrnehmung geht: Mit verschwommenen Fotos versucht er Bilder herzustellen, wie sie in den Köpfen entstehen, wenn wir uns bestimmte Situationen vergegenwärtigen.

Oder Peter Pypec und Christoph Becker: „Retablisement“ nennen sie ihr skulpturales Werk aus Teppichrollen, die früher den Boden eines Modegeschäfts geziert haben und in dessen Schaufenster vorübergehend abgelegt waren. Franz Dittrich schuf eine raumgreifende Arbeit aus Sperrholz, das er mit Acrylfarbe besprühte, von Gökhan Erdogan stammen große figurative Gemälde.

An der Hochschule für Gestaltung markieren derlei Objekte ein Feld, das einen wichtigen Pol in deren gattungsübergreifender Arbeit bildet: autonome und angewandte Kunst, Handgefertigtes und Computergeneriertes, Digitales und Analoges stehen hier nebeneinander, fügen sich oft auch zusammen und ergeben eine nicht mehr entwirrbare Einheit.

Zwei Fachbereiche gibt es: „Produktgestaltung“ und „Visuelle Kommunikation“. Abschlüsse sind in fünf Fachrichtungen möglich: Kunst, Kommunikationsdesign, Medien, Bühnenbild und Produktgestaltung. Es gibt viele Verbindungen und Parallelen. Und eine überall spürbare schöpferische Energie.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.-Wolfgang Eilmes

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