Von Katrin Rössler
24. März 2008 Ich bin frustriert über schlechte Promotionsbedingungen und die schlechten Perspektiven.“ Svenja Kaufmann steht kurz vor dem Abschluss ihrer Dissertation in einem literaturwissenschaftlichen Fach an einer hiesigen Universität. Ihr Name ist geändert, wie die ihrer Kolleginnen, die über ihr Leben nach dem Uni-Abschluss berichten: Kaufmann ist nicht die einzige, die mit Frust in ein Berufsleben mit relativ wenigen Gewissheiten außer jener startet, dass es weitaus länger dauern und weit weniger einbringen wird, als man das früher von Akademikern erwartet hatte.
Ihr Studium hat sie mit Bestnote abgeschlossen, trotzdem sagt sie, ihre beruflichen Aussichten seien sowohl an der Uni als auch in der Wirtschaft schlecht. Ein anderes Studium zu absolvieren oder auf die Doktorarbeit zu verzichten und schon früher in die Arbeitswelt einzusteigen kam aber nie in Frage für die 30 Jahre alte Geisteswissenschaftlerin. Sie wollte schon immer an der Uni arbeiten, Geld steht bei ihr nicht im Vordergrund.
Weniger Lohn als ein Kfz-Meister
Gerne aber wäre Svenja Kaufmann während ihrer Promotion wissenschaftliche Assistentin geworden, doch entsprechende Stellen sind rar. Stattdessen hat sie etwa die Hälfte der Dissertationszeit mit einem Stipendium finanziert. Monatlich musste sie mit weniger als 900 Euro auskommen. Nebenarbeiten durfte sie nicht annehmen – das war eine an das Stipendium gebundene Bedingung. In der übrigen Zeit als Doktorandin, in der ihr kein Stipendium zur Verfügung stand, verdiente sie sich mit Jobs, Publikationen und Lehraufträgen an der Uni ihren Lebensunterhalt. Für einen Lehrauftrag habe sie im Schnitt acht Stunden in der Woche gearbeitet.
Von vier parallelen Aufträgen sei nur einer bezahlt gewesen – mit 500 Euro im Semester. Nicht Geld, sondern Neigung hat auch bei Katja Eismar den Ausschlag bei der Berufswahl gegeben. Die 31 Jahre alte Germanistin hat während ihres Studiums sieben Praktika absolviert. Nach ihrem Abschluss war sie zunächst als freie Mitarbeiterin bei einem öffentlich-rechtlichen Sender tätig. Dort folgte ein zweijähriges Volontariat. Während dieser Zeit habe sie monatlich zwischen 1400 und 1600 Euro brutto verdient. Diese Bezahlung empfindet sie als ungerecht: Nach einem abgeschlossenen Studium war es trotzdem nur ein Ausbildungsgehalt.“
Heute arbeitet sie wieder als freie Journalistin. Eine Festanstellung ist für mich illusorisch, auch auf lange Sicht.“ Das habe sie für sich akzeptiert, so sehe die Realität im Journalismus nun einmal aus. Unzufrieden sei sie nicht, aber sie habe einen mühsamen Weg hinter sich. Um mich über Wasser zu halten, habe ich in den ersten sechs Monaten nebenher noch als Sekretärin gejobbt.“ Mittlerweile hat sich ihre Situation stabilisiert, und sie verdient rund 2500 Euro brutto im Monat. Damit liegt sie deutlich unter dem Gehalt eines Kfz-Meisters, der nach Angaben der Handwerkskammer Rhein-Main im Durchschnitt 3286 Euro brutto verdient. Andere Akademiker, etwa Ingenieure, können sich auf monatliche Einstiegsgehälter freuen, die bei bis zu 4194 Euro brutto liegen. Eismar sagt, sie sei ein wenig neidisch, aber es sei ihre freie Entscheidung gewesen, in den Journalismus zu gehen, und sie bereue es nicht.
Jeder siebte Absolvent zunächst als Praktikant tätig
Auch bei den Architekten sind unbefristete Verträge für Absolventen eine Seltenheit. Sonja Tannert, 27, ist seit zwei Jahren Diplom-Ingenieurin für Architektur und verdient für ihre Forschungstätigkeit an einer Universität etwa 2300 Euro brutto im Monat. Wenn die Projekte, an denen sie mitarbeitet, auslaufen, muss sie sich neu orientieren. Sie ist zufrieden mit ihrer Bezahlung. Immerhin verfüge man als Absolventin noch über vergleichsweise geringe Berufserfahrung. Die Zeit unmittelbar nach dem Studium sehe ich vor allem als Weiterbildungsphase.
Unbefriedigend fand sie nur, dass sie vor ihrer Forschungsarbeit, als sie in Architekturbüros angestellt war, zum Teil wie eine Praktikantin behandelt und bezahlt worden sei. Nicht gerecht entlohnt fühlt sich Sabine Elcher. Die 30 Jahre alte Ärztin hat ihr Studium im Jahr 2002 abgeschlossen und arbeitet derzeit als Assistenzärztin. Monatlich verdient sie 4000 Euro brutto, dazu kommen Zuschläge für Bereitschaftsdienste. Das sei keine angemessene Bezahlung für die hohe körperliche wie psychische Belastung und die Verantwortung, die sie täglich im Umgang mit den Patienten übernehme. Im Vergleich dazu wird für einen Zahntechniker-Meister ein Monatsgehalt von bis zu 4300 Euro brutto empfohlen.
Anders allerdings als bei den jungen Ärzten, deren Weg relativ strukturiert ist, schaffen viele junge Akademiker nach dem Studium nicht gleich den Sprung zum vollwertigen Mitarbeiter. Nach einer Umfrage der Hochschulinformations GmbH ist jeder siebte Absolvent zunächst als Praktikant tätig. Gerade diese Arbeitsverhältnisse sind derzeit in der Diskussion. Rund 34 Prozent der Magister beginnen ihr Berufsleben als Praktikanten.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes zahlt sich ein Studium aber nach wie vor aus. Fortschätzungen einer Gehaltserhebung für die alten Bundesländer aus dem Jahr 2001 haben für 2006 ergeben, dass ein Abiturient mit einer abgeschlossenen Ausbildung rund 1295 Euro weniger verdient als der Absolvent eines Hochschulstudiums.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa