Von Ewald Hetrodt
01. November 2007 Das strengste Rauchverbot Deutschlands wird vom nächsten Jahr an voraussichtlich in Bayern gelten – und die meisten Gastwirte scheinen sich damit anfreunden zu können. Wenn es nach dem Gleichheitsgrundsatz geht, ist es so das Beste“, meint zum Beispiel der Miltenberger Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes, Theo Keller. Landtagsabgeordnete der CSU hatten zwar in der vergangenen Woche versucht, den Kabinettsentwurf der Regierung Stoiber zum Nichtraucherschutz aufzuweichen.
Sie erreichten jedoch das glatte Gegenteil: Überraschend beschloss die Fraktion ein Rauchverbot, das keinerlei Ausnahmen mehr zulässt. Es soll, anders als ursprünglich vorgesehen, für alle Räume in Lokalen und sogar für Bierzelte gelten. Dass die CSU nicht einmal das Münchner Oktoberfest verschonen will, trägt ihr zwar stürmische Proteste der Wiesn-Wirte ein, im Nordwesten des Freistaates aber sieht man dies gelassener.
Rauchfrei im Verein
Es sei kaum möglich, die Interessen aller Wirte und Hoteliers in dieser Frage unter einen Hut zu bringen und zu vertreten, erklärt Keller. Denn sie seien nun einmal unterschiedlich. Er selbst ist der Seniorchef der Hotel-Brauerei“ in der Miltenberger Fußgängerzone. Weil das Haus über mehrere Räume verfügt, hätte er mit der ursprünglich vorgesehenen Regelung, die das Rauchen in abgetrennten Zimmern weiterhin erlauben sollte, gut leben können. Denn dies sei in seinem Haus schon heute so üblich. Die kleinen Kneipen aber, die nur über einen einzigen Raum verfügten, wären benachteiligt worden. Das nun vorgesehene Gesetz behandle alle Gastronomen gleich, indem es das Rauchen ausnahmslos verbiete.
Die Gleichbehandlung gelte aber nicht nur für die Wirte untereinander, sondern schließe auch deren private Konkurrenten ein. Jetzt werde dafür gesorgt, dass auch bei Feiern in Vereins- oder Pfarrheimen nicht geraucht werden dürfe, sagt Keller. Diese Aussicht gefällt naturgemäß sämtlichen Gastronomen gut. Ellen Albert-Stein vom Gasthof Zur Krone“ in Waldaschaff weist darauf hin, dass die Vereine bisher schon davon profitiert hätten, keine Gewerbesteuern zahlen zu müssen. Wenn man dort nun auch noch rauchen dürfte, wäre das aus ihrer Sicht eine zusätzliche Verzerrung des Wettbewerbs.
Unerwartete Gäste
Auch Evelyn Bachmann, die mit ihrer Familie in Bürgstadt das Landhaus Adler“ betreibt, verweist darauf. Außerdem berichtet sie von unerwarteten Gästen, die neuerdings aus dem nahen Baden-Württemberg nach Bürgstadt kämen. Dort ist vor zwei Monaten ein Nichtraucherschutzgesetz in Kraft getreten, das das Rauchen nur in abgetrennten Räumen erlaubt. Dies veranlasse zum Beispiel Bürger aus Freudenberg im Main-Tauber-Kreis, nun regelmäßig in das fünf Kilometer entfernt gelegene Bürgstadt im bayerischen Kreis Miltenberg zu fahren, erzählt Bachmann. Diese Gäste qualmen bei uns dann eine nach der anderen.“
Grundsätzlich schätzt sie Raucher nach wie vor als Gäste, die zu genießen verstünden. Die stecken auch schon mal ein Zigärrchen an, und dann kommt ein guter Rotwein auf den Tisch.“ Die Entwicklung, die sich nun abzeichnet, wollen die Vertreter des Hotel- und Gaststättenverbandes vom bayerischen Untermain genau im Auge behalten. Bisher handele es sich ja nur um ein Vorhaben der CSU-Fraktion, sagt Keller. Immerhin habe eine Minderheit selbst der Union gegen den Plan gestimmt, und in dem anstehenden Gesetzgebungsverfahren könne sich ja noch einiges ändern. Allerdings pflege der mit seiner Zentrale in München angesiedelte Hotel- und Gaststättenverband gute Kontakte zur Politik, so dass die Gefahr, von plötzlichen Entwicklungen überrascht zu werden, nicht allzu groß sei.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa