Robocup 2006

Wir sind Weltmeister!

“Robo Erectus“ tritt gegen “Toin Phoenix“ (r.) an

"Robo Erectus" tritt gegen "Toin Phoenix" (r.) an

19. Juni 2006 In Osnabrück sind die Deutschen schon Fußballweltmeister. Während der Rest der Nation noch hofft und bangt, haben die „Brainstormers Tribots“ von der Universität Osnabrück bei der Weltmeisterschaft der Roboter am Wochenende in Bremen den Titel in der Middle-Size-League erkämpft. Im Finale spielte Deutschland gegen Deutschland, und den Stuttgarter Gegnern nützte es nicht, daß sie „einen Tick schneller“ waren. Osnabrück hatte die bessere Spieltechnik, gewann 4:2.

„Wir können den Ball besser anfahren, setzen eher auf Dribbeleigenschaften und haben einen sehr effektiven Sturm“, erläutert Riedmiller die Mannschaftstaktik. Als eines der wenigen Teams können die Osnabrücker auch Pässe schlagen - zumindest in Ansätzen. „Das ist noch stark verbesserungswürdig, bessere Kooperation ist die größte Herausforderung in unserer Liga.“

„Dann knallen sie gegeneinander“

Spieler und Trainer

Spieler und Trainer

Schwierig ist es auch, bei der Programmierung zwischen Aggressivität und Fairness abzuwägen. „Wenn man jedem anderen Spieler ausweicht, ist das nicht sinnvoll. Zu viele Zusammenstöße dagegen führen zu Schäden an der Hardware.“ Wenn zwei Roboter hart kollidieren, greift der Schiedsrichter ein, der auch hier noch ein Mensch ist. Fouls der 60 Zentimeter hohen Spieler werden mit einer gelben Karte geahndet. Die zweite gelbe Karte ist gelb-rot, dann muß der rabiate Roboter für zwei Minuten vom Platz. Das kommt in den besten Mannschaften vor.

„Menschen nehmen sich nach der ersten gelben Karte zurück“, beschreibt Riedmiller das Problem. „Roboter können das nicht. Die spielen so weiter wie sie programmiert wurden.“ Auf dem Platz sind die Rollroboter auf sich gestellt, müssen den Ball und den Gegner selbst erkennen, auf ihn zulaufen, in Richtung Tor dribbeln oder schießen. Oft foulen sie dabei unabsichtlich. „Wenn beide auf den Ball zurasen und die gleiche Ausweichstrategie haben, dann knallen sie gegeneinander.“

„2007 deutlich weniger Hundeteams“

Insgesamt erzielten die deutschen Mannschaften 11 von 33 Titeln und waren damit die klar dominierende Nation des Robocups. Zweitstärkstes Land war China mit neun Goldmedaillen, Japan erreichte den dritten Rang mit sechs Titeln. Mehr als 15.000 Menschen kamen nach Bremen, um die Spiele zu verfolgen. Samstag und Sonntag waren die Hallen voll. „Vor dem Center Court standen teilweise 50 Meter lange Schlagen von Menschen, die darauf gewartet haben, zusehen zu können“, erzählt Riedmiller. „Die Zuschauer sind mitgegangen, haben die Mannschaften angefeuert. Es war toll!“

In der Lieblingsliga der Zuschauer, bei den Roboterhunden, reichte es trotzdem nur zu einem dritten Platz für die Deutschen. Die „Microsoft Hellhounds“ aus Dortmund verloren gegen die überlegenen Australier, doch der Leiter des Dortmunder Instituts für Roboterforschung, Uwe Schwiegelshohn, nimmt es sportlich. „Die Australier haben einen Top-Fußball gespielt, meine Glückwünsche.“ Die Dortmunder Mannschaft wurde in diesem Jahr bereits Europameister und Sieger der US Open, doch die Australier konnten den Ball einfach besser greifen und kontrollieren. Trotz eines guten dritten Platzes ist Schwiegelshohn nicht sicher, ob seine Mannschaft im kommenden Jahr in Atlanta antreten kann.

Sony hat die Produktion der Aibo genannten Hunde eingestellt, auf denen die Vierbeinliga basiert. Die Aibos kamen ursprünglich als Kinderspielzeug auf den Markt, in Deutschland werden sie hauptsächlich von wissenschaftlichen Instituten für den Roboterfußball gekauft. Ohne die 2000 Euro teuren Hunde fehlt der Liga die Hardware. „Wir wissen nicht, ob wir noch genügend funktionierende Aibos haben“, sagt Schwiegelshohn. „Auf jeden Fall befürchte ich, daß 2007 deutlich weniger Hundeteams antreten werden als dieses Jahr.“

Roboter zum Bierholen

“Die Zuschauer haben die Mannschaften angefeuert“

"Die Zuschauer haben die Mannschaften angefeuert"

Daß der Robocup während der menschlichen Weltmeisterschaft stattfindet, ist kein Zufall. Ziel aller Techniker und Informatiker, die sich an der Roboterweltmeisterschaft beteiligen, ist es, 2050 gegen eine menschliche Mannschaft zu gewinnen. „Menschliches Verhalten nachzuahmen ist extrem schwierig“, sagt Schwiegelshohn. „Dafür beginnen die menschlichen Fußballer mittlerweile mit unseren Methoden zu arbeiten. Sie analysieren Spiele mit statistischen Methoden, um die Taktik der Gegner herauszubekommen und nachzusimulieren.“

Andere Teams gehen einen anderen Weg, um Roboter sinnvoll für die menschliche Fußballweltmeisterschaft einzusetzen. In der neuen Liga Robocup@Home sollten Roboter erstmals ihre Alltagstauglichkeit in einer nachgebauten Wohnung beweisen, Weltmeister wurden die AllemaniACs aus Aachen. Ihr Roboter konnte nicht nur einem Menschen durch die Küche folgen und selbständig den Kühlschrank finden, seine Alltagstauglichkeit für den Fußballfan bewies er ganz anders: Er konnte einen Bierkasten finden, der in der Wohnung versteckt war und ihn ins Wohnzimmer zur Coach bringen. Den tieferen Sinn faßt Teamleiter Stefan Schiffer kurz zusammen. „Damit man das entscheidende Tor nicht verpaßt.“

Text: lika., F.A.Z., 20.06.2006
Bildmaterial: dpa

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