09. September 2003 Der Blick von der Terrasse aus zeigt Afrika in seiner ganzen Pracht. Zum Eis in der Hand oder zu der Bockwurst auf dem Teller bietet sich dem Auge der Besucher mitten im Taunus gar Wunderbares: Giraffen und Elefanten streifen durch das Gelände, Flußpferde plantschen im Wasser und stören sich wenig an den Neugierigen. Noch ist die Verwirklichung dieser Afrika Lodge, die im nächsten Jahr entstehen soll, als "Zoozielplanung Zoo-Vision" fest im Zeitplan von Opel-Zoo-Direktor Thomas Kauffels vermerkt. Die Stadtversammlungen von Kronberg und Königstein haben mit dem ersten Bebauungsplan für einen bundesdeutschen Zoo ebenfalls bereits ihren Beitrag geleistet. Und im gerade fertiggestellten Modell wird die Lodge den Besuchern unter Plexiglas gezeigt. Doch damit aus dem Erweiterungsbau für fünf Millionen Euro tatsächlich Wirklichkeit werden kann, ist die vermehrte Unterstützung von Sponsoren notwendig. Derzeit muß der Zoodirektor allerdings ein Fragezeichen hinter den Baubeginn setzen.
Erhebliche Investitionen in das 27 Hektar große Freigehege zwischen Kronberg und Königstein sind aber unumgänglich. Das derzeitige Entree zum Beispiel bietet ein eher tristes Bild: In einer schlichten Blockhütte ist die obere Kasse untergebracht. Der Bau eines Gebäuderiegels im Stil einer afrikanischen Lodge als neues Portal zum Tierpark und die Gestaltung des zweiten Bauabschnitts "Afrika" stehen deshalb auf der Wunschliste ganz oben. Die sogenannte Savannen-Zone mit Gehegen und Stallungen für Strauße, Zebras, Antilopen und einem Schauhaus für Giraffen soll ebenso wie das neue Zoo-Portal eigentlich bis 2004 auf einem 5000 Quadratmeter großen Grundstück realisiert werden - "dies kann der Zoo nicht aus eigener Kraft", weiß Kauffels.
Denn mitnichten gehöre der von einem privaten Verein - "Georg von Opel - Freigehege für Tierforschung" - getragene Tierpark einer Stiftung, werde gar von der Adam Opel AG finanziert oder erhalte wie der Frankfurter Zoo finanzielle Unterstützung von Stadt oder Land. Der Opel-Zoo habe gelernt, sein Geld selbst zu erwirtschaften. Die Betriebskosten und Reparaturen ließen sich aus den Eintrittsgeldern von jährlich 600000 Besuchern finanzieren - aber eben keine Afrikalandschaft im Taunus. Die Investition in den ersten Teil der Savannenlandschaft, in dem groß und klein nun hautnah wie auf einer Safari Tiefland-Nyalas oder den flinken Erdmännchen begegnen können, sei für den Verein ein Kraftakt und nur mit Unterstützung durch Zuschüsse der Fraport AG und einer Familienspende möglich gewesen.
Die Idee indes, durch den Verkauf von symbolischen Afrika-Quadratmetern Geldgeber für die dringend benötigten neuen Lebensräume für Giraffen, Elefanten und Flußpferde zu finden, zündet nicht so recht. 100 Sponsoren, die bereit seien, dem Zoo zehn Jahre lang jeweils 500000 Euro zu leihen, wären nach Kauffels' Idee eine weitere Möglichkeit, den Umbau zu finanzieren. Das Geld bekämen die Spender nach Ablauf der Frist zurück, und für den Ausfall der Zinsen könnte der Zoo Spendenquittungen ausstellen.
Der 250000 Quadratmeter große Landschaftszoo ist mit mehr als 1000 Tieren und rund 200 Arten aus allen fünf Kontinenten - vom Meerschweinchen bis zur Giraffe, vom Eisfuchs bis zum Pelikan - besonders für Kinder eine Attraktion. Im Gegensatz zum Frankfurter Zoo gibt es im Taunus sogar noch Elefanten zu sehen. Der Zoo beteiligt sich an europäischen Erhaltungs-Zuchtprogrammen; die Mesopotamischen Dammhirsche des Tierparks sind die wichtigste Zuchtgruppe dieser Hirschart auf der ganzen Welt. Von Kronberg aus gingen schon Tiere nach Amerika, Neuseeland, Frankreich, Großbritannien, in den Iran und in andere deutsche Zoos.
Der Opel-Zoo wird auch in Zukunft auf Eigenständigkeit setzen, denn Frankfurter Tierpark und Opel-Zoo seien gemeinsam mit 1,3 Millionen Besucher immerhin die größte Freizeiteinrichtung Hessens, sagt Kauffels selbstbewußt. Er hält von Plänen eines Regionalzoos wenig. Es gebe überhaupt keinen Grund, zwei so gut besuchte Tierparks in einem neuen Großgebilde zusammenzuführen. Davon verspreche er sich keine Vorteile: "Der Besucher will überschaubare Einheiten." Wandlungen und Anpassungen an Moden seien ohnehin nicht immer den tierpflegerischen Notwendigkeiten, sondern oftmals vor allem dem Zeitgeist geschuldet. Als Beispiel führt Kauffels die Umstellung von Gittern auf Glastrennwände an. Auch wenn der ungehinderte Weitblick Besucher gegenüber der Zoo-Tierhaltung vielleicht milder stimme, so hätten die Affen zuvor mehr Spaß am Klammern an den Stäben gehabt. Da sowohl Gitter wie auch Plexiglas im Opel-Zoo der Zukunft mehr und mehr Mangelware sein, der Sicherheitsabstand zu den wilden Tieren mittels natürlicher Hindernisse gewahrt werden soll, ist der Umbau eine Notwendigkeit. Nur dann werden die Besucher weiter strömen, von denen der Zoodirektor sagt: "Sie kommen erstmals als Jungtier, dann lange nicht, aber wenn sie sich verpaaren und selber Nachwuchs kriegen, sind sie alle wieder da."Heike LATTKA