14. Januar 2008 Die Gewaltdelikte von Jugendlichen in Hessen haben nach Angaben des Hessischen Landeskriminalamts (LKA) in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich zugenommen. Bei der schweren und der gefährlichen Körperverletzung habe es zwischen 1999 und 2006 einen Anstieg der Fallzahlen von 30 Prozent bei den 14- bis 18- Jährigen gegeben, teilte das LKA in Wiesbaden mit. Bundesweit habe die Zunahme bei 24 Prozent gelegen. Seit 2005 entwickele sich die Gewaltkriminalität insgesamt jedoch rückläufig.
Der Hannoveraner Kriminologe Christian Pfeiffer hatte eine Zunahme der gefährlichen schweren Körperverletzung bei den 14- bis 18- Jährigen von 66 Prozent in Hessen genannt. Es ist auch unseren Experten im Landeskriminalamt nicht gelungen, diese Zahlen nachzuvollziehen, sagte der hessische Landespolizeipräsident Norbert Nedela .
Anstieg in Hessen überdurchschnittlich
Den Angaben zufolge sind die Fälle von Gewaltkriminalität insgesamt - also nicht nur der von Jugendlichen - zwischen 1999 und 2006 gestiegen. Während im Bund die Zahlen um 31,7 Prozent auf 150.874 kletterten, stiegen sie in Hessen um 40,9 Prozent auf 10.615. Genaue Zahlen zur Entwicklung der Gewaltkriminalität bei den 14- bis 18-Jährigen konnte das LKA nicht vorlegen.
LKA-Präsident Peter Raisch erklärte die Steigerungen unter anderem mit mehr Anzeigen, die beispielsweise von Schulseite, Eltern aber auch Jugendlichen erstattet würden. Er verwies aber auf eine Aufklärungsquote von knapp 80 Prozent bei der Jugendkriminalität im Bereich der Körperverletzung sowie der schweren und gefährlichen Körperverletzung.
65 Straftaten pro Kopf bei Intenstivtätern
Mit Stand vom 9. Januar waren in Hessen 1511 Mehrfach- und Intensivstraftäter polizeilich erfasst, sagte Nedela. Ihnen könnten rund 100.000 Straftaten zugeordnet werden, also im Schnitt 65 pro Kopf. Nach einer noch unveröffentlichten Untersuchung seien knapp die Hälfte der Intensivtäter Jugendliche mit Migrationshintergrund. Rund 70 Prozent davon seien allerdings in Deutschland geboren und aufgewachsen. Die noch nicht komplett abgeschlossene Studie habe er vor einigen Tagen auch Ministerpräsident Roland Koch (CDU) zur Verfügung gestellt, sagte Nedela.
Text: FAZ.NET mit dpa/lhe
Bildmaterial: AP