Von Thorsten Winter
23. Juli 2008 Nichts – das findet ein Investor, der auf der Internetseite der regionalen Marketing-Gesellschaft eine Gewerbefläche in Frankfurt sucht. Zwar bietet die Frankfurt/Rhein-Main GmbH auf ihrer Startseite eine virtuelle Standortsuche an. Doch während etwa für Offenbach und Hanau eine Reihe von Treffern aufgelistet werden und Gießen und Limburg vertreten sind, bleibt ausgerechnet das wirtschaftliche Herz der Region ausgespart. Auch vermag die Marketing-Gesellschaft nicht auf Anhieb zu sagen, in welchen regionalen Gewerbegebieten eine Fläche von 15 Hektar verfügbar ist, wie sie vom Frankfurter Brauereikonzern Radeberger-Gruppe gesucht wird. Um solche Fragen zu beantworten, muss Frankfurt/Rhein-Main zuerst die einzelnen kommunalen Wirtschaftsförderungen um Auskunft bitten. Dies mag einen Investor wundern. Ob es auch für schlechte Vernetzung spricht, ist jedoch umstritten.
Dass Frankfurt bei der Standortsuchfunktion nicht vertreten ist, hat einen einfachen Grund: Die Wirtschaftsförderung der Stadt greift auf diese von der Hessen-Agentur zur Verfügung gestellte Plattform bisher nicht zurück – anders als Wirtschaftsförderer anderer Kommunen, die Daten einstellen. Dabei ist die virtuelle Standortsuche ein Medium, das die Frankfurter nur zu nutzen brauchen“, wie es bei der Hessen-Agentur in Wiesbaden heißt. Aus Sicht der landeseigenen Gesellschaft wird die Internetplattform von der Mainmetropole sehr nachlässig“ behandelt. Darauf haben wir mehrfach hingewiesen“, sagt ein Sprecher. Wenigstens die wichtigsten Gewerbeflächen sollten von den Kommunen eingestellt werden.
Gleichheitsverhältnis zwischen Frankfurt und der Region
Die Frankfurter Wirtschaftsförderung sieht das anders. Würde sie nur eine Auswahl von Flächen aufführen, käme der Einwand, warum nicht auch andere Areale genannt würden. Vor allem aber sei das Angebot an Gewerbeflächen in Frankfurt so komplex, dass es auf der Plattform nicht darstellbar sei. Darüber hinaus wäre es aufgrund der Fülle zu dominant“ im Verhältnis zu den Eintragungen aus den anderen Kommunen, wie es heißt. Zumal die Mainmetropole schon jetzt im Namen der regionalen Marketing-Gesellschaft, zu deren Teilhabern Frankfurt zählt, hervorgehoben ist – als einzige Stadt in der Region. Doch spricht nicht gerade dies dafür, sich auf der Plattform zu präsentieren? Diese Frage berührt das Gleichheitsverhältnis“ zwischen Frankfurt und der Region, wie es bei der Wirtschaftsförderung weiter heißt. Doch scheint das Problem lösbar zu sein: Es gibt bei der Stadt Planungen, die Plattform in Zukunft zu bedienen“. Im Übrigen wartet die Wirtschaftsförderung Frankfurt nach den Worten von Geschäftsführer Peter Kania weiter darauf, dass sie bei der Standortsuch-Funktion als Kontakt angegeben wird – so wie es ist mit Hessen-Agentur und Frankfurt/Rhein-Main verabredet worden sei.
Derweil erheben Wirtschaftsförderer in der Region grundsätzliche Einwände gegen Datenbanken mit Angaben zu Gewerbegebieten. Aus Sicht von Jürgen Amberger aus Offenbach stehen und fallen Flächenbörsen mit der Frage, ob sie aktuell sind. Denn es gibt kaum etwas Schlimmeres als ein Angebot an einen Investor, das im Internet genannt wird, aber tatsächlich nicht mehr besteht, wie er meint. Mithin müsse die Datenbank regelmäßig gepflegt werden, im Zweifelsfalle täglich. Da jedoch gerade kleinere Kommunen dies aus Mangel an Personal kaum leisten könnten, bestehe das Risiko, eine suboptimale“ Flächenbörse zu präsentieren.
Weniger ist mehr
Der von Amberger geforderte Takt ist jedoch zumindest technisch nicht vorgesehen. Jene Kommunen, die die Plattform nutzen, werden zwar regelmäßig automatisch gebeten zu prüfen, ob ihre Angaben noch stimmen – aber nur alle sechs Monate. Auf diese Weise soll ein Mindestmaß an Aktualität sichergestellt und verhindert werden, über Monate Datenleichen“ mitzuschleppen, wie der Sprecher der Hessen-Agentur sagt. Doch das Auffrischen selbst bleibt den Adressaten überlassen. Und an welchen Stellen die Datenbank nicht auf der Höhe der Zeit ist, lässt sich von außen kaum beurteilen. Davon abgesehen, sind die Wirtschaftsförderer auf direkten Kontakt mit Investoren aus.
Dass die einzelnen Kommunen nicht von sich aus der regionalen Marketing-Gesellschaft ihre freien Gewerbeflächen melden, ist aus Sicht von Horst Hupke kein Mangel. Bisher erhielten schon der für die übergeordnete Flächenplanung zuständige Planungsverband Rhein-Main und die Hessen-Agentur mindestens einmal im Jahr entsprechende Meldungen. Diese zudem der Frankfurt/Rhein-Main GmbH zuzuleiten wäre übertrieben, findet der Leiter der Wirtschaftsförderung von Hanau: Weniger ist da mehr“ – zumal die Zusammenarbeit von Kommunen mit der Marketing-Gesellschaft gut funktioniere, wenn diese für einen Investor Daten zu Gewerbeflächen abfrage.
Größtmögliche Transparenz bei Gewerbeflächen wünschenswert
Dabei gibt Hupke zu bedenken, dass Frankfurt/Rhein-Main laut Gesellschaftervertrag keine Wirtschaftsförderung in der Region betreiben, sondern vielmehr international für die Region werben soll. Die in einem Arbeitskreis des Hessischen Städtetags vereinten Wirtschaftsförderer sind sich nach seinen Worten wiederum einig, die Region durch die Ansiedlung von Unternehmen bereichern zu wollen. Wobei jeder für sich in Anspruch nimmt, eine Firma bei sich selbst anzusiedeln“, sagt er schmunzelnd. Dies indes kann kaum verwundern, geht es doch letztlich immer um die Gewerbesteuer, die in die Kassen der Kommune fließt.
Dessen ungeachtet hält Hupke eine größtmögliche Transparenz bei Gewerbeflächen für wünschenswert“. Dies wiederum spreche für eine ausführlich bestückte Datenbank. Nur muss die nicht bei Frankfurt/Rhein-Main angesiedelt sein.“ Derweil arbeitet die Hessen-Agentur daran, eine andere Internet-Plattform auszubauen, die über die Seite der Marketing-Gesellschaft verfügbar ist. Auf dem sogenannten Sight Board sollen Nutzer künftig virtuell über Kommunen und Gewerbegebiete in ganz Hessen fliegen können. Für den Ballungsraum besteht dieses Angebot schon – und Frankfurt ist dabei.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Rainer Wohlfahrt