Von Holger Dell
05. Mai 2008 Die Storchenschützer des Vogel- und Naturschutzvereins Rodenbach (VNR) und des Arbeitskreises Main-Kinzig der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) sprechen von einer kleinen Sensation. Im Ortskern von Rückingen brütet wieder ein Weißstorchenpaar, und auch die ersten Jungstörche sind inzwischen gesichtet.
Mehr als 20 Jahre lang war der Horst auf dem Schornstein der ehemaligen Bäckerei Bär, auf dem sich die beiden Großvögel derzeit beim Brüten abwechseln, verwaist. Als in den achtziger Jahren die Storchenpopulation in Hessen auszusterben drohte, zog hier 1985 das letzte Paar im Lande Junge groß.
Vögel kreuzen die Autobahn A 45/66
Adebar hatte in den zurückliegenden zwei Jahrzehnten eine deutliche Abneigung gegen Nester in Siedlungen an den Tag gelegt. Waren seine Horste auf den Dächern und Schornsteinen der Ortschaften im Auengebiet Kinzigtal ein gewohnter Anblick, so war es ihm mittlerweile innerorts wohl zu laut und zu gefährlich geworden. Nur am Stadtrand von Steinau auf dem stillgelegten Schlot einer Polsterei ist er seit vielen Jahren heimisch geblieben.
Mit Erfolg haben Vogelschützer dem Storch ob seiner veränderten Nistgewohnheiten Horste auf Masten außerhalb der Wohngebiete errichtet, vorzugsweise in Naturschutzgebieten mit einem reichhaltigen Nahrungsangebot. Insgesamt entstanden so, nachdem jüngst auch auf Hanauer Gebiet zwei weitere Hochsitze“ aufgestellt wurden, 23 von Menschenhand geschaffene Horste im Main-Kinzig-Kreis. Darunter auch einer, den VNR und HGON im Jahre 2003 außerhalb von Rückingen auf einem sechs Meter hohen Mast im Naturschutzgebiet Weideswiesen-Oberwald aus Eichenbohlen und geflochtenen Weiden bauten und mit weißer Farbe bespritzten, die Gebrauchsspuren – Kot – simulieren sollte. Im vergangenen Jahr wurde er erstmals angenommen. Der Brutversuch schlug jedoch wegen der nasskalten Witterung im Frühjahr 2007 fehl.
Niemand hatte jedoch damit gerechnet, dass Ciconia ciconia, wie der Weißstorch von Biologen klassifiziert wird, den neuen Sitz in diesem Jahr verschmähen und sich wieder auf dem Schornstein des Anwesens Bär niederlassen würde. Dass die beiden Vögel hier dem Brutgeschäft nachgehen, ist deutlich zu erkennen. Stets sitzt ein Tier auf den Eiern, während das andere auf Nahrungssuche in den Kinzigauen geht. Regelmäßig findet Wachablösung statt. Mitunter kreuzen die Vögel, recht niedrig fliegend, die Autobahn A 45/66, wo eins der letzten Elterntiere in den achtziger Jahren von einem amerikanischen Truck erfasst und getötet wurde.
Wo Weißstörche siedeln, sind die Feuchtlebensräume in gutem Zustand
Die Rückkehr Adebars nach Rückingen ist nicht die einzige große Freude der Vogelschützer. Nach Recherchen der HGON bei den örtlichen Vogelschutzverbänden sind in diesem Frühjahr wahrscheinlich elf der 23 Horste im Kreis besetzt, so viele wie noch nie seit den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Das Anwachsen der Storchenpopulation gilt als Zeichen, dass sich die Vogel- und Naturschützer bei der oft mühevollen und kostspieligen Rückgewinnung von Auengebieten auf einem erfolgreichen Weg befinden. Der Weißstorch ist das Symbol für den Zustand der Feuchtlebensräume. Wo er verschwindet, können auch andere Wiesenvögel wie Kiebitz, Bekassine oder Uferschnepfe nicht überleben. Dort gibt es weder Frösche noch Kröten, dort ändert sich der Wasserhaushalt im Boden und damit das gesamte Ökosystem.
Jetzt hoffen die Vogelschützer, dass das Wetter Adebar besser gesinnt ist als 2007. Damals starben mindestens fünf Jungtiere durch Nässe und Unterkühlung, ein Storchenpaar brach das Brutgeschäft ab, nur sieben wurden flügge. Die nass-kühle Witterung dieser Tage schadet nach Angaben der Biologin Susanne Hufmann vom HGON in Rodenbach noch nicht. Erst wenn die Jungstörche geschlüpft sind, könne Nässe und Kälte ihnen gefährlich werden.
Nachdem das Kinzigtal über anderthalb Jahrzehnte so gut wie storchenfrei gewesen ist, haben die Bruterfolge von Rückkehrern seit dem Jahre 2000 kontinuierlich zugenommen. Allein im Naturschutzgebiet Röhrig bei Rodenbach haben seitdem 25 Jungstörche das Nest verlassen. Nach dem witterungsbedingten Rückschlag des vergangenen Jahres hoffen die Vogelschützer, dass in diesem Jahr mehr Jungstörche aufwachsen als im Rekordjahr 2006, als 13 Tiere am Ende des Sommers erstmals zu ihren Winterquartieren im Süden aufbrachen.
Storchenpaten und Spender gesucht
Um die Erfolge zu sichern, wollen die Vogelschützer den Lebensraum von Adebar weiter verbessern, vor allem durch die Anlage von Tümpeln und anderen Feuchtbiotopen. Um diese Aufgabe bewältigen zu können, sucht die HGON weitere Storchenpaten“ und Spender. Öffentliche Gelder stünden den Naturschützern nicht zur Verfügung, bedauert Hufmann.
Eine Exkursion Meister Adebar in Rodenbach“ unter der Leitung des Arbeitskreisleiters Herbert Steinhauser veranstaltet die HGON am Sonntag, 8. Juni, um 10 Uhr. Die Teilnehmer können das Familienleben der Störche mit Ferngläsern beobachten. Die Teilnahme kostet drei Euro pro Person (Kinder bis zwölf Jahre sind frei). Treffpunkt ist der Spielplatz an der Kinzigstraße in Rodenbach. Außerdem bietet die HGON von Mai bis Juli auf Anfrage weitere Storchenführungen für Schulklassen und Gruppen aller Art an.
Die HGON sammelt Spenden auf dem Konto 87130 bei der Raiffeisenbank Rodenbach, BLZ 506 636 99. Stichwort: Störche.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa
Nach der Flugzeugkatastrophe: Piloten mussten Aufgaben von Technikern ![]()
Tischtennis: Ein anderer Timo Boll
Das fortgesetzte Nein der SPD-Rebellin Metzger zu einer Duldung durch die Linke ist...
