Von Markus Schug
07. April 2008 Selbstverständlich wird es auch beim 34. Open Ohr Festival, das an Pfingsten in der Mainzer Zitadelle stattfinden soll, wieder Verkaufsstände geben, an denen wahlweise Thüringer Bratwürste, aber auch Bücher und Ringe erworben werden können. Wer allerdings nur zum Konsumieren kommt und sich ausschließlich von der Musik berieseln lassen möchte, der ist zweifellos fehl am Platz bei einem der ältesten Jugend- und Politfestivals Deutschlands. Denn zum kompletten Open-Ohr-Erlebnis gehört auch der Besuch von Diskussionsrunden und Workshops, bei denen sich Publikum und Podiumsteilnehmer mal mehr und mal weniger stark in die Haare geraten.
Die Freie Projektgruppe, die das rund 200.000 Euro teure Festival zusammen mit der Stadt organisiert, wählte ein Thema, das jeden angeht: Geld, Gut, Güter – von Konsum und anderen Notwendigkeiten.“ So lautet die Vorgabe, unter der den mehreren tausend Besuchern vier Tage lang auf Haupt- und Nebenbühnen einiges geboten werden soll: Dazu gehören Konzerte, Kabarett- und Theaterauftritte, Lesungen und Filmvorführungen.
Rolle der Werbung hinterfragen
Die meisten Menschen ahnen nicht, welche Verantwortung und Macht ihr Konsum birgt“, sagt Vanessa Palm von der Projektgruppe. Die Welt sei nicht nur technisch vernetzt, sondern auch sozial, politisch und ethisch. Obwohl niemand alle Folgen seines Kaufverhaltens überblicke, könne auch Otto Normalverbraucher Einfluss auf Entwicklungen nehmen – wie die Art der Tierhaltung oder die Arbeitsbedingungen in Herstellerländern. Beim Open-Ohr-Festival soll zudem die Rolle der Werbung hinterfragt werden, die dem signalisiere: Du bist, was Du isst – oder trägst – oder irgendwie sonst konsumierst.“
Mit der Frage, was existenzieller, normaler oder übermäßiger Konsum ist, sollen sich die Besucher am Pfingstwochenende 9. bis 12. Mai ebenfalls beschäftigen; und nicht zuletzt damit, ob man sich dem zunehmenden Konsumzwang überhaupt noch entziehen kann.
Internet: www.openohr.de
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z. - Cornelia Sick
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