31. Mai 2005 Eines der berühmtesten und schönsten Bergrennen Deutschland soll - zumindest für ein Wochenende im Hochsommer - wieder aufleben. Vom 15. bis zum 17. Juli dieses Jahres werden die Piloten historischer Renn- und Tourenwagen sowie die Fahrer von Rennmotorrädern bis Jahrgang 1961 auf der Kasseler Wilhelmshöhe den Wettkampf um den Herkules-Bergpreis für Historische Fahrzeuge austragen.
Heinz Jordan, Dietrich Krahn und der Kurhessische Motorsport-Club Kassel im ADAC werden die Oldtimer-Schau präsentieren. Jordan, gelernter Schlosser, Diplom-Ingenieur und einer der Väter des Netzes von Erdgastankstellen in Deutschland, hatte sich die Renaissance des Bergrennens zum Ziel gesetzt. Sein Vater hatte ihm häufig von den Rennen berichtet. Wenn er Mitstreiter für eine Neuaustragung mit historischen Fahrzeugen zu gewinnen versuchte, lobten diese zwar sein Engagement, winkten aber ab: Das schaffst du nie. Jordan, selbst ein Liebhaber alter Sportwagen, gab nicht auf. Im August 2004 begann er die Vorbereitungen, entfachte rasch die Begeisterung von Kassels Oberbürgermeister Georg Lewandowski (CDU) und gewann Schlösser und Gärten als Unterstützer, aber auch Opel und die Kasseler Mercedes-Niederlassung.
Rennen weckt weltweit Interesse
In den Archiven hatte Jordan zuvor recherchiert: Neben der Solitude bei Stuttgart und der Schauinsland-Strecke bei Freibrug war die Kasseler Route durch den Bergpark eine der ersten und vor allem schönsten in Deutschland. Von 1923 bis 1927 gingen hier Renn- und Tourenwagen sowie Motorräder an den Start. Sie fuhren bis zum Herkules und legten die letzten, kurvenreichen Kilometer auf einer Strecke mit 18 Prozent Steigung zurück. Zu den Fahrern gehörten Größen des Rennsports wie Rudolf Carraciola und Fritz Rosenberg. Als Ende der zwanziger Jahre der Trend zu Hochgeschwindigkeits- statt Bergrennen ging, fehlten Fahrzeuge für den Herkules-Preis. Es soll aber Überlegungen gegeben haben, die Kasseler Strecke als eine führende Rennanlage in Deutschland auszubauen. Der Nürburgring wurde damals erst gebaut.
In den Jahren 1951 bis 1954 wurden im Park reine Motorradrennen ausgetragen. Bis zu 80000 Zuschauer kamen. Wieder stand zur Diskussion, die Strecke auszubauen, vielleicht sogar für Rennwagen der Formel III tauglich zu machen, doch das hätte aus betriebswirtschaftlichen Gründen die Austragung von bis zu acht Rennen im Jahr erfordert. So blieb die Wilhelmshöhe, was die war und ist: Ein Park. Diesen Park will Jordan mit seinem Projekt unterstützen. Alle Einnahmen, die Mitte Juli übrigbleiben, sollen in die Nachpflanzung alternder Bäume im Park investiert werden.
Jordan rechnet zwar nicht it der historischen Besucherzahl, aber doch mit 30000 Oldtimerfreunden. Teilnehmer des Herkules-Bergpreises können sich noch melden, vorausgesetzt, sie bringen das richtige Motorrad oder Auto mit. Das Fahrerlager wird, wie ehedem, im Marstall und an der Reithalle neben Schloß Wilhelmshöhe sein. Wer mit dem eigenen historischen Fahrzeug bis Baujahr 1971 anreist, darf sogar in der Nähe des Schlosses parken, die anderen müssen Busse und Bahnen nehmen.
Das Rennen weckt längst weltweit Interesse. Nicht nur aus Europa kommen die Anfragen. Sogar auf der größten chinesischen Website für Oldtimer wurde über den Herkules-Bergpreis berichtet.
Weitere Informationen im Internet unter www.herkules-bergrennen.de .
Text: cpm., F.A.Z.