19. Oktober 2007 Der Titel schmeichelt der 22 Jahre alten Miss Wiesbaden 2007. Doch das Architekturstudium steht bei Agatha Toth an erster Stelle. Im Interview spricht sie über ihr Leben zwischen Hörsaal und Laufsteg.
Sie sind Miss Wiesbaden 2007. Ihr erster Titel?
Nein, ich war auch schon Miss Taunus 2005 und Miss Gießen 2006. Und Vize-Miss-Hessen.
Wo bleibt der regionale Bezug? Treten Sie im nächsten Jahr zur Wahl der Miss Castrop-Rauxel an?
Wiesbaden war für mich als Idsteinerin schon immer meine Stadt“ zum Bummeln und Ausgehen. In der Tanzschule Weber habe ich Standard-Lateintänze gelernt. Aber ich wundere mich auch ein bisschen. Zur Wahl im Liliencarré ist eine Kandidatin aus Kassel angereist. Eine andere kam aus Bingen.
Warum stellt man sich im Bikini auf die Bühne und gibt sich den Blicken frei?
Es hat einen gewissen Reiz, als Studentin zu einer Misswahl anzutreten. Die meisten Mädchen sind Azubis oder Schülerinnen. Mir schmeichelt der Titel. Aber das Architekturstudium an der TU Darmstadt steht für mich an erster Stelle.
Keine Scheu vor der Fleischbeschau“? Es gibt auch Vorurteile.
Die Leute, die mich nicht kennen, runzeln vielleicht die Stirn. Soso, Miss Wiesbaden – also ein Dummchen. Hat die das nötig? Aber die mich kennen, wissen das einzuordnen.
Neben Ihnen stand Mister Wiesbaden auf der Bühne. Ihr Typ?
Er ist nett und sieht gut aus, aber über seine Persönlichkeit habe ich in der kurzen Zeit leider nicht mehr erfahren können.
Binden Sie anderen auf die Nase, dass neben ihnen Miss Wiesbaden im Hörsaal sitzt?
Na ja, manchen Kommilitonen gegenüber erwähne ich das lieber nicht. Trotzdem, was ist daran falsch? Im Studium präsentiere ich ein Projekt, hier mich. Überzeugen möchte ich in beiden Fällen. Außerdem kann man später vielleicht ganz gut verdienen.
Ist der Titel dotiert?
Nein, es gab fünf, sechs Einkaufsgutscheine über 25 Euro in verschiedenen Boutiquen des Liliencarrés, einen Mietwagen für ein Wochenende und etwas Schmuck. Später, als Miss Germany, ist man aber ganz gut im Geschäft. Sie gewinnt ein Auto, Reisen, Kosmetik und Mode. Allerdings hat man dann auch so viele Verpflichtungen, dass ich ein Jahr mit dem Studium pausieren müsste.
Können Sie als Model nebenher etwas verdienen, um ihr Studium zu finanzieren?
Es gab bisher einige Angebote. Ein Modegeschäft daheim in Idstein möchte, dass ich die neue Kollektion präsentiere. Ich laufe auf kleinen Modenschauen und trete als Haarmodel auf. Meine Frisur stammt von der Hair & Beauty“-Messe. Aber bezahlte Praktika in Architektenbüros bringen mich beruflich natürlich weiter.
Die eine oder andere Miss Germany hat richtig Karriere gemacht. Petra Schürmann ging zum Fernsehen, Dagmar Wöhrl in die Politik. Zwei Vorbilder?
Wenn es mit der Architektur nicht klappt, könnte ich mir eine Karriere als Moderatorin vorstellen. Aber lieber möchte ich als Architektin berühmt werden. Wenn es dann hieße die Architektin, die mal Miss Germany war“, könnte ich damit gut leben.
Es gibt außerdem die Miss Deutschland, die Queen of Germany und, für Verheiratete, den Wettbewerb um die Mrs. Germany. Ist das nicht ein bisschen inflationär?
Die Miss Germany Corporation“, die auch den Wettbewerb in Wiesbaden veranstaltete, hat sich die Marke Miss Germany“ sichern lassen. Sie ist meiner Ansicht nach der seriöseste Anbieter. Zu viele Wettbewerbe entwerten den Titel.
Wie geht es weiter?
Im Januar steht die Wahl zur Miss Hessen an, außerdem habe ich das Recht, mich um den Titel der Miss Mitteldeutschland“ und der Miss Westdeutschland“ zu bewerben. Aber zum Miss Mitteldeutschland“-Wettbewerb kann ich leider nicht. Wir haben eine Studienfahrt in die Schweiz.
Die Fragen stellte Rainer Schulze.
Text: F.A.Z.
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