08. Mai 2007 Kindergärten oder Horte in Betrieben können nach der Untersuchung eines Kasseler Unternehmens wirtschaftlich sinnvoll sein. Betriebskitas rechnen sich in der Regel für Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten, in denen hoch qualifizierte Mitarbeiter gebraucht werden oder Fachkräftemangel herrscht, teilte die Kasseler Firma Impuls mit. Von 25 untersuchten Unternehmen habe 16 Firmen auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht die Einrichtung einer eigenen Tagesstätte empfohlen werden können. Impuls erstellt Konzepte für Betriebskindergärten und betreibt selbst 21 Kindertagesstätten.
Die Kita rechnet sich wirtschaftlich, weil die Neubesetzung eines Arbeitsplatzes etwa 25.000 Euro kostet, zitiert die Studie die Projektleiterin des Chemie- und Pharmaunternehmens Solvay, Brigitte Borchers. Nachdem das Unternehmen eine eigene Kindertagesstätte eingerichtet habe, seien 17 Mitarbeiterinnen vorzeitig zum Dienst zurückgekehrt. Damit übertrifft die Kostenentlastung die mit 170.000 Euro bezifferten Betriebskosten der Kita, sagte Borchers.
Deutsche Bank mit mehreren Kitas
Gleichwohl: Eigene Kindertagesstätten bieten in Hessen nur die wenigsten Betriebe an. Dies ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa. Selbst Unternehmen mit mehreren tausend Mitarbeitern wie die Autobauer Opel und Volkswagen oder der Flughafenbetreiber Fraport besitzen keine dauerhaften Betreuungseinrichtungen.
Anders dagegen die Deutsche Bank. Sie unterhält gleich mehrere Krippen und Kindergärten in Frankfurt und Eschborn - der älteste wurde vor mehr als 30 Jahren eröffnet. Knapp 230 Kinder im Alter ab der achten Woche werden in den Einrichtungen ganztags betreut. Das Angebot soll nach Angaben der Bank in der zweiten Jahreshälfte besonders für Kleinkinder nochmals deutlich ausgeweitet werden. Die Kosten für die Eltern richten sich nach deren Gehalt.
Die Commerzbank betreibt seit zwei Jahren eine Einrichtung mit 100 Krippen- und Kindergartenplätzen, in der derzeit 168 Kinder halb- oder ganztags betreut werden. Trotz staatlicher Zuschüssen kostet das Angebot die Bank jährlich 1,4 Millionen Euro. Zusätzlich zahlen die Eltern für ein Kleinkind bis drei Jahre 373 Euro pro Monat, für einen Vollzeit-Kindergartenplatz 200 Euro.
Merck-Kita von 6.30 Uhr an geöffnet
Die Kita des Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzerns Merck öffnet bereits um 6.30 Uhr ihre Pforten für 100 Klein-, Kindergarten- und Hortkinder bis 12 Jahre. Die Eltern eines Kleinkindes müssen für diesen Service 6,5 Prozent des Familienbruttoeinkommens zahlen, maximal jedoch 360 Euro. Ab einem Alter von drei Jahren sind 3,25 Prozent bis zu einer Höchstgrenze von 250 Euro fällig. Merck unterhält zudem fünf Plätze für Krippenkinder in einer kommunalen Einrichtung.
Im Bau befindet sich derzeit ein Familienzentrum des Edelmetall- und Technologiekonzerns Heraeus in Hanau, wo 60 Kinder im Alter von sechs Monaten bis sechs Jahren betreut werden sollen. Die Baukosten trägt eine Stiftung, während sich Heraeus an den laufenden Kosten beteiligt. Der Beitrag der Eltern richtet sich nach der in Anspruch genommenen Stundenzahl.
Das Kasseler Energieunternehmen Wintershall subventioniert seit sechs Jahren ein Kinderhaus, in dem 70 Kinder zwischen sechs Monaten und zwölf Jahren tagsüber oder nach der Schule versorgt und gefördert werden. Im Notfall können die Kleinen auch in der Einrichtung übernachten. Im Child Care Centre des Europäischen Raumflugkontrollzentrums in Darmstadt erhalten die Kinder zwischen sechs Monaten und zwölf Jahren an gar eine dreisprachige Erziehung. Die Einrichtung wurde 2004 eröffnet und wird seitdem von der Arbeiterwohlfahrt betrieben.
Monatlich 130 Euro plus 50 Euro Essensgeld
In Wiesbaden hat lediglich die Zusatzversorgungskasse der Bauwirtschaft eine eigene Kindertagesstätte. Sie hat 30 Plätze, davon 10 für Krippenkinder. Die Firma kostet dies knapp 130.000 Euro im Jahr, die Eltern müssen monatlich 130 Euro plus 50 Euro Essensgeld beisteuern.
Einige Unternehmen bieten selbst zwar keinen Betriebskindergarten an, beteiligen sich aber an den Kosten für eine externe Betreuung. So zahlt die Medizintechnikfirma B. Braun Melsungen ihren Mitarbeitern die Hälfte der Kosten für einen Krippen- oder Kindergartenplatz in deren Nachbarschaft. Der Gesundheitskonzern Fresenius zahlt Eltern einen monatlichen Zuschuss von 38 Euro pro Kind. Zudem erhalten die Mitarbeiter in einer Bad Homburger Ganztagseinrichtung deutlich ermäßigte Tarife.
Andere Firmen bieten eine Notfallbetreuung an, wenn das Kind oder auch dessen Tagesmutter krank wird oder die Kita geschlossen hat. So gibt es im Regierungspräsidium Gießen ein Eltern-Kind- rbeitszimmer, im Fluggi-Land können Fraport-Mitarbeiter ihre Kinder für fünf Euro am Tag unterbringen.
Text: FAZ.NET mit dpa/lhe
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa/dpaweb
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