Weingut J. Koegler

Riesling „Johannes G.“

Von Oliver Bock

“Johannes G.“, Eltviller Kalbspflicht Riesling Qualitätswein trocken

"Johannes G.", Eltviller Kalbspflicht Riesling Qualitätswein trocken

17. Juni 2007 Verliert ein feinfruchtiger, eleganter, zarter Weißwein in jungem Eichenholz seinen Charakter? Riesling aus dem Barrique, geht das? „Das geht nicht“, sagen die meisten deutschen Winzer. „Das muss gehen“, meint der Eltviller Ferdinand Koegler, der ein experimentierfreudiger Nonkonformist seiner Branche ist und sich nicht fürchtet, bei Kollegen und der Weinkritik anzuecken.

Vor sieben Jahren begann der Weinbauingenieur damit, jungen Riesling mit jungem Holz in Berührung zu bringen. Das frustrierende Ergebnis schien die Zweifler zu bestätigen. „Es geht nicht“, räumte Koegler am Ende vieler Experimente ein, denn die Rieslinge aus dem kleinen, 225 Liter fassenden Eichenholzfass waren ihrer Frucht, Eleganz und Finesse beraubt und vom Holz dominiert.

Traditioneller Ausbau im Fass

„Es geht doch“, sagt Koegler heute, aber eben nicht mit und in diesen kleinen Fässern. Koegler fand in der Nähe von Cognac in Frankreich einen Fasshersteller, der 500 Liter fassende „Doppel-Barriques“ aus Eichenholz herstellt – und das deutlich günstigere Verhältnis zwischen Fassoberfläche und Weininhalt brachte den Durchbruch. Das schmeckbare Resultat ist „Johannes G.“: ein vom Holz nach acht bis neun Monaten Reife vorsichtig, aber schmeckbar aromatisierter Wein, der erkennbar ein Riesling geblieben ist. Die sonst üblichen Pfirsicharomen des Rieslings werden freilich von Vanille- und Ananastönen überlagert.

Der Name ist eine Reminiszenz an Johannes Gutenberg, der um das Jahr 1467 im Weingut Koegler, dem historischen Hof Bechtermünz in der Eltviller Altstadt, den Brüdern Bechtermünz beim Druck des lateinischen Wörterbuchs Vocabularis ex quo geholfen haben soll. Der Wein, mit hohem Qualitätsanspruch erzeugt nach den Richtlinien für ein „Erstes Gewächs“, muss nach der Überzeugung des Winzers indes immer eine „dicke Spätlese“ sein, wenn er seinen Charakter über die Monate im Holzfass bewahren soll. Aber Koegler ist ohnehin von den Vorzügen des traditionellen Ausbaus im Fass gegenüber modernen, computergesteuerten Edelstahltanks überzeugt – und sieht sich dadurch bestätigt, dass vermehrt gerade Spitzenweingüter für ihre besten Tropfen wieder Holzfässer in die Keller zurückholen, um den Weinen Langlebigkeit und Struktur zu verleihen.

„Johannes G.“ ist ein Wein mit Substanz, Dichte und Tiefgang. Innere Werte, die das Terroir der kleinsten Eltviller Lage, der „Kalbspflicht“, mit ihren schweren Tonböden fördert und den Weinen ihre Cremigkeit verleiht. Ein Wein, der eine Stunde vor dem Genuss dekantiert werden will, um seinen Charakter voll zu entfalten. Ein Liebling der Massen ist und wird „Johannes G.“ allerdings schon wegen seines Preises nicht werden. Er bleibt eine ungewöhnliche Weinpersönlichkeit, die polarisiert und nach jeder Verkostung Anlass für heftige Diskussionen gibt. Eine exklusive Rarität, die Weingenießer in genau zwei Lager spaltet: Freund oder Feind.

„Johannes G.“, Eltviller Kalbspflicht Riesling Qualitätswein trocken 2005, 15 Euro. Weingut J. Koegler, Eltville, Telefon 0 61 23/24 37, Internet www.weingutkoegler.de.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z. - Rüchel

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
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