15. Oktober 2007 Die Verbraucher im Rhein-Main-Gebiet werden sich auf einen abermaligen drastischen Anstieg der Strom- und der Erdgaspreise in den nächsten Monaten einstellen müssen. Nachdem schon in der vergangenen Woche mit der Süwag Energie AG das regionale Tochterunternehmen des RWE-Konzerns eine Erhöhung der Strompreise um durchschnittlich neun Prozent zu Beginn des nächsten Jahres angekündigt hatte, zog mit Eon der zweite Konzern nach, der in der Region vertreten ist.
Die Kasseler Eon-Mitte AG, die Hanau und Umgebung versorgt und als Eigentümerin der Stadtwerke Gelnhausen auch deren Tarife mitbestimmt, ließ wissen, zu Jahresbeginn würden die Strompreise um 9,8 Prozent steigen. Anders als die Süwag liefert die Eon-Mitte zudem Erdgas. Auch diese Preise sollen zum 1. Januar erhöht werden; das Unternehmen gab an, bei einem Verbrauch von 8000 Kilowattstunden – das entspricht dem eines kleinen Haushalts – stiegen die Kosten um 5,6 Prozent.
Erhöhung Anfang 2008
Die Eswe Versorgungs AG, die Grundversorgerin in Wiesbaden ist, wird die Strom- und Erdgaspreise Anfang 2008 ebenfalls anheben, wie ein Sprecher auf Anfrage sagte. Die Höhe stehe allerdings noch nicht fest. Bei der Energieversorgung Offenbach AG wurde eine Strom- und Erdgaspreiserhöhung als wahrscheinlich bezeichnet, ein Unternehmenssprecher hob aber hervor, eine Entscheidung sei noch nicht gefallen. Ähnliches verlautete von der Entega Vertrieb GmbH & Co. KG, die Darmstadt und Mainz mit Strom versorgt, und von der Frankfurter Mainova AG. In beiden Unternehmen hieß es jedoch, der Markt werde aufmerksam verfolgt.
In der Mainmetropole verlautete weiter, mit einer Entscheidung sei im November zu rechnen. Ein Sprecher sagte, eine Erhöhung müsse nicht zwangsläufig zum 1. Januar vorgenommen werden. Die Mainova hatte die Strompreise erst im Juli heraufgesetzt, die meisten anderen Unternehmen hingegen bereits im Januar. Anders ist es bei den Erdgaspreisen: Diese waren von der Mainova zuletzt im Oktober 2005 erhöht worden, was damals zu erheblichen Diskussionen geführt hatte.
Einhellig verweisen die Unternehmen auf steigende Beschaffungskosten, vor allem aber auf die Aufwendungen für den Ausbau erneuerbarer Energien. Ein Teil dieser Kosten wird über die Strompreise auf die Kunden umgelegt. Bei der Süwag, die unter anderem im Taunus und in Frankfurt-Höchst Strom-Grundversorger ist, hatte es in der vergangenen Woche geheißen, werde alles addiert, so seien drei Viertel des Strompreises durch Steuern, Abgaben und Netzentgelte vorgegeben.
Kunden können den Anbieter wechseln
Vor allem der starke Ausbau von Wind- und Biomassekraftwerken führe zu steigenden Kosten. Die Ausgaben dafür erhöhen sich der Süwag zufolge allein in diesem Jahr in ganz Deutschland von gut drei auf mehr als vier Milliarden Euro. Eon-Mitte berichtete, während das Unternehmen 2004 noch 35 Millionen Euro für die Förderung der Stromgewinnung aus erneuerbaren Energien ausgegeben habe, seien es im nächsten Jahr 125 Millionen.
Sowohl beim Strom wie auch beim Erdgas können die Kunden allerdings zu anderen Unternehmen wechseln und dadurch sparen. Die großen Konzerne Eon und RWE haben mit der E wie Einfach Strom & Gas GmbH und der Eprimo GmbH selbst als Konzerntöchter günstigere Anbieter aufgebaut, die auf ein dichtes Vertriebsnetz verzichten. Sie sind im Internet zu finden.
Bisweilen lässt sich außerdem sparen, wenn man zwar beim angestammten Anbieter bleibt, jedoch in einen anderen Tarif wechselt. So bietet die Mainova einen etwas günstigeren Online-Tarif an. Generell ist der Wettbewerb beim Strom ausgeprägter als beim Erdgas. Preisvergleiche sind auf verschiedenen Seiten im Internet möglich, zum Beispiel auf www.verivox.de.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP