Von Werner Breunig
14. Mai 2008 Nachdem das zehn Hektar große sogenannte Miag-Gelände mitten in Ober-Ramstadt rund 15 Jahre ungenutzt brach gelegen hat, hat es jetzt die Bundesrepublik an die SEG Stadtentwicklungsgesellschaft Ober-Ramstadt mbH verkauft. Auf dem verkehrsgünstig gelegenen Areal sollen in den nächsten acht bis zehn Jahren sukzessive rund 170 Wohnungen in meist Ein- und Zweifamilienhäusern entstehen, zudem einige Geschosswohnungsbauten und Gewerbeimmobilien.
Für die Stadt war das Gelände zu groß, um eine Entwicklung und Vermarktung aus eigener Kraft zu leisten. Deshalb wurde 2005 die Stadtentwicklungsgesellschaft in Form einer Public-Private-Partnership gegründet. Die Stadt ist daran zur Hälfte mit einer Einlage von 100 000 Euro beteiligt und nimmt somit an der Entwicklung maßgeblich Anteil. Die andere Hälfte übernahmen zwei Planungsbüros. Die Vermarktung und der Verkauf der Flächen und Gebäude liegen in der Hand der Gesellschaft. Die Verhandlungen mit der Bundesrepublik hatten sich über Jahre hingezogen.
Im nördlichen Teil entstehen Wohnungen in Einfamilien- und Doppelhäusern
Das Gelände lag zunächst außerhalb der Stadtgrenzen, nördlich der Bahngleise. Während des Ersten Weltkriegs wurde dort eine Munitionsfabrik angesiedelt, von 1926 bis 1935 entwickelten und produzierten die legendären Röhr-Automobilwerke dort Fahrzeuge. 1947 übernahmen die Amerikaner die Fläche und bauten sie aus. Ein unter Einfluss des Militärs stehendes privates amerikanisches Unternehmen nutzte es industriell. Es erneuerte dort bis 1993 Reifen und Panzerketten. Zu Zeiten großer Militärübungen in Westdeutschland benötigten die Panzerketten Gummiüberzüge, um große Schäden auf den Straßen zu verhindern. Als die Truppenbewegungen in Deutschland abnahmen, verlangte die Armee kaum noch die runderneuerten Panzerreifen. Die amerikanische Firma Mainz Industries Panzer AG (Miag) war auch als MIP bekannt.
Über den Kaufpreis für die zehn Hektar wollte die Gesellschaft keine Angaben machen, deutete aber an, dass es wegen der Altlasten Abschläge vom ortsüblichen Verkehrswert gegeben habe. Aus der Zeit der Röhr-Nutzung sollen die Fabrikantenvilla, der Verwaltungsbau und der frühere Anlieferungsteil erhalten bleiben und neu genutzt werden. Im nördlichen Teil, angrenzend an die Bebauung entstehen Wohnungen in Einfamilien- und Doppelhäusern. Hierfür wird die Stadt kurzfristig einen Bebauungsplan erstellen.
Neuer Name für Gelände wird noch gesucht
Mitte des Jahres sollen die Abriss- und Entsiegelungsarbeiten auf der früheren Industriefläche beginnen. Gut die Hälfte der Fläche soll für Wohnbau verwendet werden, etwa 10 000 Quadratmeter für Gewerbe und die verbleibenden Areale für öffentliche Nutzung, Grünflächen und Wege. Laut Bürgermeister Werner Schuchmann (SPD) wird eine vergleichsweise lockere Bebauung angestrebt. Ein Drittel bis die Hälfte der Häuser sollen die späteren Eigentümer individuell gestalten können.
Zur besseren Anbindung und weil die Bahn-Überführung am Neuweg ohnehin saniert werden muss, erneuert die Deutsche Bahn AG die Brücke. Darüber wird künftig nur noch ein Gleis führen, der Durchlass wird auf zwei Fahrspuren verbreitet. Zugänglich sein wird das neue Gelände, für das noch ein neuer Name gesucht wird, auch von Norden her.
Schuchmann: Die Altlastenbeseitigung wird gewährleistet
Schuchmann zufolge besteht in Ober-Ramstadt weiterhin Nachfrage nach Wohnraum, zumal das Miag-Gelände in der Innenstadt und nicht weit entfernt vom Bahnhof liegt. Die Stadt verspreche sich Zuzüge von jungen Familien. Sie profitiere vor allem davon, dass über die neue Odenwaldbahn Frankfurt in 35 Minuten ohne Umsteigen erreichbar sei. Somit zahlt sich die Idee aus, die hinter dem Ausbau der Odenwaldbahn steht: ein Entwicklungsband entlang der Strecke zu knüpfen und Wohnungen und Gewerbe in Nähe der Bahnhöfe anzusiedeln.
Schuchmann versprach, dass auf dem neuen innerstädtischen Areal auch Einrichtungen des betreuten Wohnens errichtet würden. Eine kleine Fläche solle Kunst und Kultur vorbehalten sein. Vor allem wolle man dort an die Automobilgeschichte Ober-Ramstadts erinnern. Wohnungen entstünden nur auf dem Teil des Geländes, das zuvor als Parkplatz und Abstellfläche genutzt worden sei, fügte Schuchmann an. Käufer könnten sich darauf verlassen, dass sie ein sauberes Gelände“ erwürben. Die Altlastenbeseitigung werde gewährleistet.
Text: F.A.Z.
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