Karben

Tunnellösung doppelt so teuer wie Ortsumgehung

Von Jens Joachim

17. Juli 2008 Die Planung für den Weiterbau der Bundesstraße 3 zwischen dem Karbener Stadtteil Kloppenheim und Wöllstadt sind einen Schritt vorangekommen. Das Amt für Straßen- und Verkehrswesen Gelnhausen hat dem Bundesverkehrsministerium in Berlin zwei Varianten vorgeschlagen, wie die Bundesstraße in nördliche Richtung weitergebaut werden sollte.

Alternativlösung doppelt so teuer

Nach Angaben von Behördensprecher Helmut Klein bevorzugt das Amt eine enge Umfahrung westlich der Okarbener Siedlung Am Straßberg. Diese Vorzugsvariante würde laut Projektleiter Lutz Dathe rund 16 Millionen Euro kosten. Die zweite Variante sieht eine Streckenführung auf der vorhandenen Trasse der B3 sowie den Bau eines etwa 400 langen Tunnels westlich der S-Bahn-Haltestelle von Okarben vor.

Zwischen der Bundesstraße und der Main-Weser-Bahn müsste bei dieser Lösung jedoch noch eine weitere Erschließungsstraße für den örtlichen Verkehr gebaut werden, die auch an die geplante Nordumgehung angebunden werden soll. Die Alternativlösung würde nach den Worten Dathes jedoch mit rund 33 Millionen Euro zu Buche schlagen. Verworfen hat die Behörde Überlegungen, die Trasse direkt in nördliche Richtung mit einer riesigen Brückenkonstruktion durch das östlich von Petterweil gelegene Heitzhöfer Bachtal zu bauen.

Unterstützung aus Berlin für Unterflurtrasse

Nach den Planungen soll die neue B3 vom Knotenpunkt bei Kloppenheim zunächst ein Stück in nördliche Richtung, dann östlich des Berufsbildungswerks vorbei und weiter in Richtung Wöllstadt gebaut werden. In der Nähe des Toom-Marktes ist geplant, die alte und die neue Trasse der Bundesstraße, die künftige Nordumgehung für Groß-Karben sowie die aus Richtung Petterweil kommende Kreisstraße miteinander zu verbinden.

Vorgesehen ist dort auch, die neue Trasse auf der alten verlaufen zu lassen, so dass direkt daneben eine neue Straße für den örtlichen Verkehr gebaut werden müsste. Für die wesentlich teurere Unterflurtrasse setzt sich auch die aus Karben stammende Bundestagsabgeordnete Nina Hauer (SPD) in Berlin ein. Hauer sagte, sie sei darüber verärgert, dass die hessische Landesbehörde dem Bundesverkehrsministerium die kostengünstigere enge Ortsumfahrung von Okarben als Vorzugsvariante empfohlen habe, obwohl in Karben die Tunnellösung favorisiert werde. Die Landesbehörde habe offenbar „die Situation der Anwohner in Okarben nicht genügend zur Kenntnis genommen“, sagte Hauer.

Mitfinanzierung durch die Stadt: Differenzen zwischen SPD und CDU

Auch der Karbener SPD-Fraktionsvorsitzende Thomas Görlich und der CDU-Fraktionsvorsitzende Mario Beck halten die Tunnel- und Trogvariante für „die bessere Lösung“, weil sie gegenüber der engen Ortsumgehung den Vorteil geringerer Belastungen für Anwohner und Landschaft biete und dennoch eine Verbesserung der Verkehrssituation schaffe. Den anderen Fraktionen haben die Sozialdemokraten bereits vorgeschlagen, eine „Allparteien-Resolution“ im Stadtparlament zu beschließen.

Laut einem von der SPD verbreiteten Entwurf sollen sich die Stadtverordneten für die Trogvariante aussprechen und erklären, dass die Stadt bereit sei, einen Teil der zusätzlichen Baukosten gegenüber der Ortsumfahrung zu übernehmen, „wenn eine Aufteilung der Mehrkosten auf den Bund, das Land Hessen, den Wetteraukreis und die Stadt Karben notwendig werden sollte“. Die CDU spricht sich zwar auch für die Tunnellösung aus, lehnt aber eine städtische Mitfinanzierung an dem Straßenbauprojekt ab. Beck äußerte, angesichts des Schuldenberges der Stadt wäre dies nicht zu verantworten.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z. - Foto Cornelia Sick

 

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