Von Friederike Haupt
13. März 2007 Der Kapitän ist im Urlaub. Zwar macht er keine Traumschiffkreuzfahrt, doch seine freien Tage genießt Friedrich Raab auch so. Von Januar bis Ende März bleibt sein Ausflugsschiff St. Martin“ vor Anker, erst vom 8. April an wird es wieder vom Aschaffenburger Floßhafen ablegen und den Main in Richtung Frankfurt oder Miltenberg befahren. In den freien Monaten lebt er von dem Geld, das er während der Saison verdient hat. Das funktioniert“, sagt sein Sohn Marcus Raab. Auch er arbeitet in dem Familienunternehmen, vertritt die Eltern während des Urlaubs im Büro.
Doch nicht alle Ausflugsschiffe in Hessen haben wie die St. Martin“ eine Winterpause eingelegt. Wichtig ist die Heizung“, sagt Anton Nauheimer. Er ist Geschäftsführer der in Frankfurt ansässigen Primus-Linie und hat auch in den vergangenen Monaten Fahrten angeboten. Neben der Köln-Düsseldorfer Personenschifffahrt ist seine Fünf-Schiff-Flotte die größte, die auf Hessens Flüssen verkehrt. Im März stehen bei ihm unter anderem die kulinarisch-musikalisch-theatralische Schiffsreise ,Premierenfieber‘“ und mehrere Kreuzfahrten auf dem Main bei Frankfurt auf dem Programm. Besonders im Winter komme es darauf an, die Passagiere mit Events und Thementouren zu locken – allein der Blick aus dem Fenster auf den Fluss sorge im Winter nicht für ausgebuchte Touren.
Neue Angebote eingeführt
Nauheimers Unternehmen ist seit seiner Gründung vor 127 Jahren fest in Familienhand. Nicht alle fünf Schiffe sind im Winter in Betrieb, aber Nauheimers zwei größte Schiffe, Nautilus“ mit 390 und Wappen von Frankfurt“ mit 350 Innensitzplätzen, sind regelmäßig im Einsatz. Im vergangenen Jahr hat der Unternehmer drei neue Angebote eingeführt, nämlich die nächtliche Sky-Light“-Tour, die Musikfahrt New Orleans auf dem Main“ und der Premierenfieber“-Abend mit Musical an Bord.
In diesem Jahr will er erstmals einen Osterbrunch veranstalten. Neue Kreise ansprechen“ möchte Nauheimer damit, und das eben auch außerhalb der Saison. Die Neuheiten seien ganz gut angenommen worden, berichtet er, und ist auch mit den Passagierzahlen des vergangenen Jahrs zufrieden. Schätzungsweise 170.000 Fahrgäste hat Nauheimer im vergangenen Jahr gehabt, durch die WM ein paar mehr als sonst“. Um der Nachfrage gerecht zu werden, beschäftigte er in der Hochsaison rund 40 Vollzeitkräfte und noch einmal so viele Mitarbeiter in Teilzeit.
Dennoch ist Anton Nauheimer unzufrieden. Nicht mit den Passagierzahlen, dafür aber mit der Gesetzeslage. Bis zum Jahr 2015 muss er seine Schiffe neuen Sicherheitsbestimmungen angepasst haben, sofern er sie dann noch einsetzen will. Die Schiffe werden dadurch größer, können aber weniger Passagiere transportieren“, ärgert sich der Reeder und Kapitän. Für seine fünf Schiffe, überschlägt er, würde die Aufrüstung insgesamt 800.000 bis 850.000 Euro kosten. Für ein ganz neues Ausflugsschiff müsste er gar zwischen zwei und drei Millionen Euro aufbringen.
Deutsche Binnenschiffe im Durchschnitt 46 Jahre alt
Des einen Leid ist des anderen Freud. Der andere ist in diesem Falle Max Ebert, Geschäftsführer der Ebert-Werft in Neckarsteinach. Er hofft auf gesetzlich bedingte Aufträge; derzeit baue er etwa einem kleinen Kabinenschiff einen Nebenantrieb ein, da es Vorschrift sei, im Falle eines Defektes des Hauptantriebs manövrierfähig zu bleiben. Neue Fahrgastschiffe stellt Ebert, anders als früher, kaum mehr her. Der Innenausbau ist mit Abstand das Teuerste“, sagt er, überspitzt könnte ich sagen: Das machen inzwischen Schreinereien mit angeschlossener Werft.“
Früher habe sein Betrieb einmal rund 100 Mitarbeiter gehabt und auch Passagierschiffe gebaut, inzwischen arbeiten noch etwa 20 Angestellte bei ihm. Damals waren die Schiffe aber auch noch schlichter“, sagt Ebert. Kommt doch einmal ein Auftrag für ein neues Schiff, lässt er den Stahlkörper in Osteuropa bauen. Die Arbeit sei sehr lohnintensiv, sagt Ebert, hier koste eine Stunde Arbeit ungefähr 30 Euro, in der Ukraine nur drei. Grundsätzlich bemängelt er das Durchschnittsalter der deutschen Binnenschifffahrtsflotte, das bei etwa 46 Jahren liege. Andere Länder, beispielsweise die Niederlande, seien da fortschrittlicher.
Gerade einmal zehn Jahre alt ist die St. Martin“, das einzige Schiff des Aschaffenburger Kapitäns Friedrich Raab. Gebaut wurde es allerdings in den Niederlanden. Im Vergleich zu Nauheimers Flotte geht es bei den Raabs eher beschaulich zu: Neben den Familienmitgliedern arbeiten hier zwischen drei und fünf Personen mit, vor allem in der Gastronomie an Bord. Sohn Marcus Raab organisiert auch Landausflüge in die Region, springt aber während der Ausflugssaison gelegentlich als Steuermann auf der St. Martin“ ein. Das kann nicht jeder: Raab hat dafür das Rheinschifferpatent erwerben müssen.
Weniger Deutsche melden sich zur Kapitänsprüfung
Körperliche und auch charakterliche Eignung – unter anderem – waren dafür die Voraussetzung. Dass der Strafregisterauszug bei der Anmeldung zur Prüfung vorgelegt werden muss, ist für Kurt Hillesheim von der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Südwest in Mainz selbstverständlich. Außerdem muss der Prüfling mindestens 21 Jahre alt sein und schon mindestens vier Jahre in der Binnenschifffahrt tätig sein, zwei davon als Matrose oder in höherer Position.
Außerdem, so Hillesheim, müsse jeder Prüfling den Flussabschnitt, auf dem er als Kapitän unterwegs sein will, mindestens sechzehnmal befahren haben. Wer sich später entschließe, auch andere Strecken befahren zu wollen, könne eine Erweiterungsprüfung ablegen. Prüflinge, die einen Schein für den ganzen Rhein und seine Nebenflüsse erwerben wollten, seien eher selten.
Lehrstunden wie beim Autoführerschein seien nicht vorgeschrieben, die Teilnahme an Vorbereitungslehrgängen sei freiwillig. 15 bis 20 Prozent der Prüflinge fallen durch“, berichtet Hillesheim. Die Zahl der Anmeldungen sei in den vergangenen Jahren etwa gleich geblieben. Auffällig sei nur, dass weniger deutsche Prüflinge sich anmeldeten. Dafür wollen aber immer mehr Ausflugsschiffer aus Osteuropäer Rhein, Main und Neckar befahren.“
Unterwegs auf Rhein, Main und Neckar sind die Schiffe der Primus-Linie. Meist vom Eisernen Steg in Frankfurt fahren sie mainaufwärts bis nach Aschaffenburg, mainabwärts bis zur Mündung. Auf dem Rhein steuert die Flotte Mainz, Wiesbaden, Eltville, Rüdesheim, Oberwesel und St. Goar/St. Goarshausen an, seltener auch die Loreley und Koblenz anlässlich der Veranstaltung Rhein in Flammen. Auf dem Neckar geht es mit der Primus-Linie bis nach Heidelberg. Schon im März wird samstags und sonntags die Kleine Frankfurt-Kreuzfahrt angeboten, von April an gibt es fast täglich Fahrten. Besondere Themenfahrten wie verschiedene Dinner- und Musikausflüge, Abfahrtszeiten und Routen sind unter www.primus-linie.de aufgeführt und können telefonisch unter 0 69/13 38 37 0 erfragt werden. Die Aschaffenburger Personenschifffahrt bietet vom 8. April bis in den Oktober hinein dienstags bis freitags eine Mainschleifenfahrt an, an den Wochenenden auch Rundfahrten mainauf- und abwärts. Zu verschiedenen Festen gibt es Sonderfahrten. Informationen dazu unter www.aschaffenburger-personenschiffahrt.de oder 0 60 21/8 72 88. Beide Linien bieten auch Charterfahrten für geschlossene Gesellschaften wie Betriebs- oder Geburtstagsfeiern an.
Text: F.A.Z.
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